Honig ohne Hektik 

Imkern ist im Trend: Grit Niebergall aus Friedewald tut alles für Bienen

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Sie investiert viel Zeit in ihr Hobby: Jungimkerin Grit Niebergall aus Friedewald hat fünf Bienenstöcke mit jeweils bis zu 50 000 Bienen. Holt sie einzelne Waben heraus, trägt sie immer Schutzkleidung, Handschuhe und den typischen Imkerschleier, um sich vor den Stichen der Insekten zu schützen.

Friedewald. Nein, Nachwuchssorgen haben die Imkervereine im Landkreis Hersfeld-Rotenburg nicht. Das Hobby bietet einen Ausgleich zum stressigen Alltag – und liegt im Trend.

Nebenbei fällt ein gesundes und leckeres Produkt ab: Honig. Eine, die am Kurs „Imkern auf Probe“ des Imkervereins Bad Hersfeld teilgenommen hat, ist Grit Niebergall aus Friedewald. Sie kümmert sich jetzt als Jungimkerin um ihre eigenen Bienenvölker.

Es summt und brummt: Einmal pro Woche wirft Grit Niebergall einen Blick in ihre Bienenstöcke.

Ihr Hobby hat die 48-Jährige gelehrt, einen Löffel Honig wertzuschätzen. Denn sie weiß nun, wie viel Arbeit in dem Produkt steckt – sowohl vonseiten der Bienen als auch von ihr selbst. Bis zu 50.000 Bienen bilden ein Volk. Rund einmal die Woche schaut Niebergall im Bienenstock nach dem Rechten. Übertreiben sollte man es jedoch nicht: „Man kann sie auch tot gucken“, sagt die Jungimkerin. Die größte Gefahr bestehe darin, die Königin zu zerquetschen – das wäre fatal. Auch die Varroamilbe, die als Parasit an den Honigbienen lebt, stelle für europäische Bienen, die über keine natürliche Resistenz verfügen, eine verheerende Gefahr dar. „Sie können ganze Völker vernichten.“.

Sobald Niebergall den Bienenstock öffnet, summt und schwirrt es. Die Bienen fühlen sich bedroht und sind auf der Hut. Mit einem raucherzeugenden Smoker beruhigt sie die Insekten. Dann holt sie mit ruhigen Bewegungen eine Wabe heraus. Trotz Schutzkleidung und Imkerschleier hatte die Jungimkerin anfänglich Angst, wenn sie sich ihren Bienenstöcken näherte. Und prompt wurde die 48-Jährige mehrmals gestochen. „Es ist so, als würden sie die Angst spüren“, sagt sie. Niebergall fragte sich deshalb: „Willst Du das wirklich weitermachen?“ Sie habe erst lernen müssen, im Umgang mit den Bienen Hektik zu vermeiden und ihre Angst gestochen zu werden, abzulegen. Inzwischen ist die Jungimkerin glücklich, trotz Anfangsschwierigkeiten nicht gleich aufgegeben zu haben.

Ein Anfängerfehler sei, für die Bienen denken zu wollen. Das ist jedoch laut Niebergall nicht nötig. Auch Übervorsichtigkeit sei der falsche Weg. „Die Bienen wissen, wie es geht, und gleichen kleine menschliche Fehler aus“. Der Start ins Imkerleben sei mit Kosten verbunden. Bis zu 150 Euro zahlen Imker für ein Bienenvolk mit Königin. Erwerben können sie es bei einem Imker ihres Vertrauens oder über das Internet. Die Preise schwanken je nach Jahreszeit. Hinzu kämen noch die Schutzausrüstung, der Bienenstock und die Werkzeuge zur Honigproduktion.

Ohne jegliche Erfahrung im Umgang mit Bienen, sollte man sich kein Bienenvolk zulegen, meint Niebergall. Auch nach ihrem neunmonatigen Probe-Imkerkurs steht sie noch in Kontakt mit den erfahrenen Mitgliedern des Bad Hersfelder Imkervereins. An sie kann sich die 48-Jährige jederzeit wenden, wenn sie unsicher ist. „Am Anfang ist es wichtig, Ansprechpartner zu haben, die einem helfen“, sagt die Jungimkerin.

Geht es dem Bienenvolk gut, produziert es zwischen 15 und 25 Kilogramm Honig im Jahr. Dieser dient eigentlich dazu, das Überleben des eigenen Volkes während der Wintermonate zu sichern. Doch als Imkerin greift Niebergall das von den Bienen erzeugte Lebensmittel ab. Um den Fortbestand ihrer Bienenvölker zu sichern, muss sie mit Fertigsirup oder in Wasser aufgelöstem Zucker zufüttern.

Hintergrund: Das kurze Leben einer Bienenkönigin

Wenn sich ein Bienenvolk über das Schwärmen teilt, wenn die bisherige Königin gestorben ist, oder wenn sie aus Altersgründen ersetzt werden muss, wird aus einem der zahlreichen Eier der alten Königin eine neue Königin herangezogen. Die Larve, aus der sich die Königin entwickeln soll, füttern die Bienen mit dem sogenannten „Gelée royale“ – das macht den Unterschied. 

Nach rund 16 Tagen schlüpft dann eine neue Königin – und eben keine Arbeiterin. Sie begibt sich dann erst einmal auf den Hochzeitsflug. Dieser führt sie zur Drohnensammelstelle. Die künftige Königin paart sich dort mit mehreren Drohnen. Die Drohnen, also männlichen Bienen, sterben beim Akt. Begattet kehrt die Königin in den Bienenstock zurück, wo ihre Aufgabe nun darin besteht, den Fortbestand ihres Volkes zu sichern. Hierfür legt sie bis zu 2000 Eier am Tag. Im Laufe ihres etwa vier Jahre dauernden Lebens lässt ihre Legeleistung jedoch nach. Ist es soweit, wird sie durch eine neue Königin ersetzt.

Quelle: HNA

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