Beispielhaft: So wurden 26 Flüchtlinge in Solz aufgenommen

Gemeinsames Kochen: Beim Zubereiten und Essen lernen sich die Neu-Solzer und Einheimische kennen. Foto:  nh

Solz. Die ersten Flüchtlinge waren plötzlich an einem Samstagabend Mitte Oktober da - ohne Vorankündiung. Nur am Licht in der lange unbewohnten Gaststätte sahen die Nachbarn, dass jemand gekommen war.

Noch am Abend fuhr Elke Deist, eine Nachbarin, mit ihnen zum Einkaufen.

Erzählten stellvertretend für viele andere von der Flüchtlingshilfe in Solz: von links Verena Glapa, Adelheid Schuchardt, Friedhelm Claus, Pfarrer Axel Dück und Dirk Nieborowsky, der sich informierte. Foto:  ank

„Wir wussten nicht, was uns erwartet“, sagt Verena Glapa rückblickend. Von ihrer Betroffenheit erzählt Adelheid Schuchardt. „Ich musste schlucken“, sagt sie. Aber die Solzer waren vorbereitet und schauten nicht weg. Wie sie sich um inzwischen vier Familien mit Kindern zwischen zwei und 14 Jahren sowie junge Männer - insgesamt 26 Personen - kümmern, davon wollen auch die Gilfershäuser lernen, meint Ortsvorsteher Norman Nieborowsky. Aber wie hilft man richtig? Sein Solzer Kollege Friedhelm Claus, Pfarrer Axel Dück und einige der vielen engagierten Solzer geben ihre Erfahrungen weiter.

Bürgerinformation 

Die erste Informationsveranstaltung des Fachdienstes Migration des Kreises besuchten Ende September 150 Solzer, äußerten auch Skepsis, manche hatten ein ungutes Gefühl, manche Angst. Das ist alles ganz normal, sagen sie heute.

Vor der Ankunft 

40 Menschen kamen danach zum ersten runden Tisch und boten ihre Hilfe an. Es wurde eine Art Masterplan aufgestellt, Arbeitsgruppen mit verantwortlichen Ansprechpartnern vor der Ankunft der ersten Flüchtlinge gebildet. Die Solzer setzten ein Schreiben mit den wichtigsten Informationen für die neuen Nachbarn auf und ließen es in Bebra übersetzen.

In den ersten Tagen 

Zur Begrüßung der Schutzsuchenden im DGH organisierten sie einen ehrenamtlichen Dolmetscher. Die Erwartungen waren hoch, die Verständigung schwierig, man konnte nur das Wichtigste klären.

In den ersten Tagen mussten Kleidung und Hausrat organisiert werden. Teams kümmerten sich jeweils getrennt um die Kinder, die Frauen und die Männer, stellten Kleider- und Schuhgrößen und den wichtigsten Bedarf an Hausrat fest. Einige Neuankömmlinge waren mit Flip-Flops angekommen, Winterjacken fehlten.

In der Unterkunft gab es nicht viel mehr als Herd und Spüle, je ein Bett, einen Spind und ein Regal für jeden. Aber die Ankömmlinge waren froh, eine warme Bleibe zu haben.

Internetseite 

Zur Information und als eine Art Marktplatz wurde eine Internetseite angelegt. Hier können sich die Solzer informieren, hier wird zielgerichtet nach Kleidung in passenden Größen, wirklich benötigtem Hausrat wie Wäscheständer, Töpfen, Schüsseln, Lampen, Möbeln und Spielzeug gesucht. Eine größere Spende erlaubte auch den Kauf einiger Dinge. Besonders gefragt waren Teppiche, auf denen die Flüchtlinge sitzen und auch essen. Mit gespendeten Fahrrädern fuhren sie nach Bebra zum Einkauf und zurück die lange Steigung hinauf nach Solz. Geachtet wurde auf eine gerechte Verteilung der Spenden.

Kulturelle Unterschiede 

Um die Familien kümmern sich Frauen, um die Wohngemeinschaft der Männer ein Solzer. Eine Familie wollte aus Scham zunächst nichts annehmen. Die Menschen sind sehr dankbar und wollen gerne selbst alles in die Hand nehmen.

Mülltrennung kennen sie nicht. Die Solzer klärten auf und halfen mit einer Hausordnung. Sie wollen unsere Werte vermitteln und erinnern auch an die Pflichten, die man bei uns hat. Aber auch ein wenig Großzügigkeit gegenüber anderen Gepflogenheiten ist gefragt. chance für die Dörfer

Die Kinder trauen sich plötzlich, ihr Schulenglisch einzusetzen, oder lernen, auf Arabisch zu zählen. Man hofft, dass einige auch dauerhaft bleiben, um der sinkenden Einwohnerzahl entgegenzuwirken. „Wir sehen das als Chance“, sagen Claus und Nieborowsky. Auch in Gilfershausen werden in Kürze Flüchtlinge erwartet. Die Starthilfe war erfolgreich. Die Neu-Solzer sind nicht mehr ganz fremd und benötigen immer weniger Unterstützung.

www.solz-online.de

Darum kümmern sich die Helfer: 

• Krankenscheine für alle wurden in Absprache mit dem Fachdienst Migration beim Kreis besorgt.

• Medizinische Untersuchung der Kinder, sonst können sie die Schule nicht besuchen/ Schulranzen und Schulbedarf.

• Fünf Kinder gehen in die Solzer Kita. Erzieherinnen hatten sie beim Vorbeigehen hereingebeten, und die Kinder waren gleich zwei Stunden geblieben.

• Absprache mit dem Zuständigen beim Kreis, der eine Betreuung, wie sie die Solzer leisten, nicht stemmen kann.

• Ein Einkaufsfahrdienst war nur zwei Wochen notwendig. Jetzt kaufen die Flüchtlinge in Bebra Lebensmittel ein, wenn sie dort zum Sprachkurs sind.

• Beteiligung am Fußballtraining des SV Solz und Tischtennis beim TTC Imshausen

• Für Geldspenden wurde ein Konto von der Kirchengemeinde eingerichtet.

• In Aktivitäten wie Martinsfest und Tag der Heimatpflege wurden die Neuen eingebunden. Ortsvorsteher Claus: Sie haben gestaunt, dass wir das Laub wegmachen.

• Einige kommen in die Kirche im Ort, andere werden zur syrisch-orthodoxen Kirche nach Bebra gefahren. Pfarrer Dück empfiehlt, auf die Menschen zuzugehen, sie anzusprechen.

• Ehrenamtliche bieten Hausaufgabenhilfe und Sprachunterricht vor Ort an.

• Hausmeisterdienst für kleine technische Hilfen. Die Flüchtlinge sind aber auch dankbar für Werkzeug, damit sie sich selbst helfen können.

Quelle: HNA

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