Tag des Handwerks

Firma J.F. Trubel aus Bebra: Digitalisierung auch bei Heizungen

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Sind mit der Sanierung der Beruflichen Schulen in Bebra beschäftigt: (von links) Geschäftsführer Lars Gerull, Azubi Jan-Niklas Schreiber und Monteur Frank Stephan von der Firma Trubel.

Bebra. „Unsere Auftragsbücher sind voll. Wenn im Moment eines gefragt ist, dann sind es Handwerker“, sagt Lars Gerull.

Er ist Geschäftsführer des Bebraer Unternehmens J.F. Trubel, das Heizungen und Lüftungen einbaut und Bäder einrichtet.

Dem Unternehmen geht es gut, wie fast allen in seiner Branche, so der 48-Jährige. „Ich kenne keinen Heizungsmonteur, der arbeitslos ist.“ Der jährliche Umsatz von Trubel beträgt rund 1,5 Millionen Euro. Wo früher bei Neuanschaffungen in der Firma eher gespart worden sei, werde nun mehr Geld in die Hand genommen, wenn beispielsweise eine Hebemaschine eine Erleichterung für die Angestellten bedeute. Was Arbeitsplatzattraktivität angeht, muss sich das Unternehmen vor den großen Arbeitgebern der Region wie Amazon, B.Braun und Continental nicht verstecken, sagt Gerull. „Im Handwerk rüsten wir generell finanziell auf. Auch beim Gehalt gibt es kaum noch einen Unterschied.“ Den gebe es dafür im Arbeitsalltag, denn man stehe nicht immer nur am selben Band, so Gerull. „Meine Arbeit ist abwechslungsreich“, sagt Azubi Jan-Niklas Schreiber.

Die J.F. Trubel GmbH ist derzeit im Umbruch. Einige ältere Gesellen gehen in Rente. Der Nachwuchs kommt aus dem eigenen Betrieb: sechs der 17 Mitarbeiter sind Auszubildende, davon zwei im Büro und vier Anlagenmechaniker. Gerull stellt einen Azubi pro Jahr ein und hat auch diesmal einen gefunden. „Wir kriegen aber nur noch zwei bis drei Bewerbungen pro Jahr. Als ich hier angefangen habe, waren es eher zehn.“ Der Geschäftsführer sitzt im Prüfungsausschuss der Innung für Elektro-, Sanitär- und Heizungstechnik. Vertreter von Firmen kämen mittlerweile als Gäste zu den Prüfungen, um die Azubis gleich anzuwerben. Pro Jahr werden in der Innung zehn bis 15 junge Leute ausgebildet. „Der Bedarf ist dreimal so hoch“, sagt Gerull.

Der Ingenieur, der zu DDR-Zeiten in Eisenach aufgewachsen ist, kam 1990 das erste Mal nach Bebra. Er machte eine Ausbildung zum Kfz-Mechaniker im Autohaus Krapf und finanzierte sich seinen Lebensunterhalt mit Zusatzschichten in der dazugehörigen Tankstelle. Nach seinem Versorgungstechnik-Studium in Erfurt kehrte er 1997 nach Bebra zurück. Klaus Trubel, der mittlerweile 80 Jahre alt ist und noch täglich zu einem Schwätzchen in den Betrieb kommt, suchte damals jemanden, der ihn im Büro entlasten sollte. Drei Jahre später übernahm Gerull die Geschäfte.

Mit ihm setzte die Firma zunehmend auch auf die Installation von Lüftungen und hat verschiedene Großprojekte – etwa in Turnhallen und derzeit in der Beruflichen Schule Bebra. Die Großprojekte machen etwa 50 Prozent des Geschäftes aus, die andere Hälfte sind Privatkunden. In dem Bereich ist Heizungsbaumeister Dirk Hahn hauptverantwortlich.

Der Arbeitsalltag bei Trubel hat sich in den vergangenen 20 Jahren stark gewandelt. Als Gerull in die Firma kam, wurde noch mit Schreibmaschinen gearbeitet. Er schaffte Computer an und führte eine Handwerker-Software ein, die heute unverzichtbar ist. Die Digitalisierung hat auch im Heizungsbaugeschäft Einzug erhalten. Wenn Kunden es wollen, können ihre Heizungen digital erfasst werden. Fehlermeldungen werden dann direkt an die Firma geschickt. So können die Monteure oft gleich mit dem passenden Ersatzteil kommen. Dass seine Mitarbeiter vor Ort mit Tablets arbeiten, wo sie zum Beispiel frühere Aufträge und Reparationen der Kunden einsehen können, ist für den 48-Jährigen selbstverständlich.

100 Jahre von Trubels geführt

Das Unternehmen wurde seit der Gründung im Jahr 1900 exakt 100 Jahre in drei Generationen von Trubels geführt: Johannes-Friedrich, dessen Initialen bis heute Teil des Firmennamens sind, gründete das Unternehmen, das neben der Verlegung von Rohren anfangs auch Haushaltswaren wie Gießkannen, Eimer und Waschwannen herstellte. Mitte der 30er-Jahre begann die Firma mit dem Einbau von Heizungen, die damals noch mit Koks betrieben wurden. 1946 übernahm Sohn Georg das Ruder. Im Zuge der Elektrifizierung installierte die Firma Stromversorgungsanlagen für ganze Ortschaften, etwa in Blankenheim. 1966 gab Georg den Betrieb an seinen Sohn Klaus weiter, der ihn ausbaute. Dieser hatte keine Kinder. Der Nachfolger wurde schließlich mit Lars Gerull im eigenen Betrieb gefunden.

Quelle: HNA

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