Jury zeichnet Darsteller aus Shakespeare in Love und Peer-Gynt aus

Festspiele: Hersfeldpreise für Dennis Herrmann, Natalja Joselewitsch und Corinna Pohlmann

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Freuen sich über die Auszeichnung: (von links) Natalja Joselewitsch, Dennis Herrmann (Großer Hersfeldpreis) und Corinna Pohlmann (Hersfeldpreis).

Bad Hersfeld. Mit dem Großen Hersfeldpreis werden Dennis Herrmann und Natalja Joselewitsch, die Hauptdarsteller des Stücks Shakespeare in Love ausgezeichent.

Den  Hersfeldpreis 2018 erhält Corinna Pohlmann,  die in der Inszenierung von Peer Gynt bei den Bad Hersfelder festspielen die Rollen der Ingrid und der Trollprinzessin spielt. Die Sonne strahlte mit den Ausgezeichneten um die Wette, als am Sonntagmittag bei einem stimmungsvollen Festakt in der Stiftruine die Hersfeld-Preise für die besten Schauspieler der Festspiel-Saison verliehen wurden. 

Der undotierte Hersfeldpreis wird seit 1962 von der Stadt Bad Hersfeld und der Gesellschaft der Freunde der Stiftsruine alljährlich vergeben. Über die Preisträger entscheidet eine unabhängige Jury, die aus Theaterkritikern und Kulturredakteuren von Tageszeitungen, Radio und Fernsehen besteht. Natalja Joselewitsch und Dennis Herrmann strahlten große Glaubw

ürdigkeit aus, jugendliche Frische und unbändige Energie. Jeder auf seine Weise und beide gemeinsam, versuchen sie konsequent und kompromisslos ihre Lebenswege zu finden, heißt es in der Urteilsbegründung der Jury, die mit jubelndem Applaus des Publikums quittiert wurde. Besonders überzeugte die Kritiker, wie souverän beide zwischen dem Romeo-und-Julia-Original und der modernen Komödie wechseln. „Ihre Harmonie und Leichtigkeit bestimmen das perfekt aufeinander abgestimmte Spiel im Spiel“, meint die Jury. Viel Lob gibt es auch für Corinna Pohlmann, der es gelinge, zwei grundverschiedene Figuren mit hoher Emotionalität und Glaubwürdigkeit zu füllen. Gewürdigt wird ihre sprachliche Variationsbreite, ausgeprägte Wandlungsfähigkeit und artistische Spiellust. Nach „Hexenjagd“ und „Luther“ bestätige sie in „Peer Gynt“ erneut „ihr großes schauspielerisches Können“.

Mit dem Großen Hersfeldpreis werden Darsteller ausgezeichnet, die die weiträumigen Bad Hersfelder Festspielstätten in Spiel und Sprache beherrschen und die sich in ihr als rollenausschöpfende Schauspielerpersönlichkeiten erweisen. Der erste Preisträger war im Jahr 1962 Hans Caninenberg. Der Hersfeldpreis wird seit 1962 an Darstellerinnen und Darsteller vergeben, die sich durch ihre Leistung profiliert haben, wobei die Auszeichnung insbesondere den Nachwuchs-Schauspielern und für „beste Nebenrolle“ zuerkannt werden soll. Der Hersfeld Preis wurde 1969 zum ersten Mal vergeben: Albert Hormann erhielt ihn. Die Hersfeldpreis-Jury 2018 besteht aus Martina Mattick-Stiller (ZDF/3sat, Vorsitz), Bettina Fraschke (HNA), Christoph Brandner (Fuldaer Zeitung), Hermann Diel (hr), Pit Rampelt (ZDF).

Die Verleihung der Hersfeld-Preise ist in jedem Jahr der Höhepunkt der Festspielsaison. Hier werden jene Menschen ausgezeichnet, die diese „einzigartige Verbindung von Himmel und Erde“ in der Stiftsruine erschaffen, wie es die Jury-Vorsitzende Martina Mattick-Stiller poetisch-treffend formulierte. Dementsprechend würdig war auch der von HR-Journalist und Jury-Mitglied Hermann Diehl moderierte Festakt, in dem alle Redner vor allem das bürgerschaftliche Engagement würdigten, das seit nunmehr 68 Jahren die Festspiele trägt. Als „eine Bürgerinitiative im besten Sinne“ bezeichnete der Vorsitzende der „Freunde der Stiftsruine“, Helgo Hahn, die Arbeit der Gesellschaft, die alljährlich gemeinsam mit der Stadt die Hersfeldpreise verleiht. Hahn lobte die Arbeit von Intendant Joern Hinkel, der „mit feuriger Leidenschaft“ der Saison ein eigenes Profil gegeben und eigene Akzente gesetzt habe. Dafür gab es viel Applaus des Publikums in der leider nur zu zwei Dritteln gefüllten Ruine. Hinkel wurde auf einer Welle der Sympathie getragen. Alle Redner und auch die Preisträger selbst sparten nicht mit Lob für seine Arbeit. „Jeder Intendant drückt den Festspielen seinen Stempel auf“, stellte Europa-Staatssekretär Mark Weinmeister fest und lobte Hinkel als „guten Griff“. Er würdigte aber auch das Engagement der Bürger für die Festspiele: „Kultur ist keine rein staatliche Aufgabe, sondern muss von allen getragen werden.“ – So wie in Bad Hersfeld. 

Ohne die Festspiele wäre Nordhessen ein „ganzes Stück ärmer“. Einer, der seit 1951 einen Anteil am Gelingen der Festspiele hat, ist Hans-Jürgen Dietz, langjähriger Vorsitzender des Chorvereins und Statist, der als „Fackelbube mit Myrtenkranz“ im Salzburger Großen Welttheater sein Bühnendebüt gab und seither in jedem Jahr auf der Bühne stand. „Viele Stücke sind nur durch die Hersfelder Statisterie so erfolgreich geworden“, sagte Dietz und nannte als Beispiel „Im Namen der Rose“, das ohne die Hersfelder als Mönche gar nicht hätte stattfinden können. Dabei unterstützen die Freunde der Stiftsruine und der Chorverein die Festspiele nicht nur auf der Bühne, sondern auch hinter den Kulissen. Helgo Hahn überreichte beim Festakt einen Scheck über 15.000 Euro von der Gesellschaft der Freunde für die Modernisierung der Inspizientenanlage. „Schön, dass es so viele Menschen gibt, die die Festspiele mit so viel Leidenschaft unterstützen“, sagte Bürgermeister Thomas Fehling. Sichtlich gerührt von so viel Lob, Leidenschaft und Engagement für die Festspiele war Intendant Joern Hinkel, der „wie ein Vater seine Kinder alle Schauspieler gleich liebt“. Er meinte deshalb, dass eigentlich alle einen Herfeldpreis verdient hätten. Wie Gewinner konnten sich auch die Besucher der Preisverleihung beim anschließenden Empfang der „Freunde der Stiftsruine“ im Park vor dem Bühneneingang fühlen. Bei strahlendem Sonnenschein mischten sich Schauspieler und Publikum bei guten Gesprächen und wieder zeigte sich diese ganz besondere, enge Verbundenheit, die es so wohl nur bei den Bad Hersfelder Festspielen gibt.

Bad Hersfelder Festspiele: Verleihung der Hersfeldpreise 

Quelle: HNA

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