Beifall und Buhrufe

Ferienstätte Meeschendorf: Emotionale Diskussion vor Ablehnung des Verkaufs 

Hersfeld-Rotenburg. Der Kreistag hat am Montagnachmittag die Kehrtwende beschlossen und dem Verkauf der Ferienstätte in Meeschendorf auf Fehmarn eine Absage erteilt.

Zwischenrufe von den Besucherplätzen und ein hitziger Schlagabtausch der Fraktionen:Es war eine emotionale Sitzung. Der Vorsitzende Horst Hannich brachte es gleich zu Beginn auf den Punkt: „Scheinbar stehen heute Entscheidungen an, die viele interessieren“, sagte er in Richtung der vollen Zuschauerplätze. Es blieb nicht sein letzter Kontakt mit dem Publikum, das es sich auch nach dreimaliger Ermahnung durch Hannich nicht nehmen lassen wollte, Missfallen und Zustimmung lautstark zu äußern.

Seit Wochen waren die Bedenken an dem Beschluss, die defizitäre Kreisanlage auf Fehmarn zu verkaufen, lauter geworden.

Nicht nur die SPD stellte das klar (Torsten Warnecke: „Wie kann es sein, dass alle Grundstücke viel Wert sind, nur dieses nicht?“). Auch die FWG (Kurt Modenbach: „Eine Perle an der Ostsee.“) und die FDP (Bernd Böhle: „Unser Meeschendorf.“) sprachen sich gegen einen schnellen Verkauf der Ferienstätte aus.

Dafür gab es wiederholt Beifall aus dem Publikum. Entsprechend angriffslustig zeigte sich CDU-Mann Timo Lübeck – die Christdemokraten stimmten für den Verkauf. „Ein höherer Preis ist nicht zu erzielen“, sagte er und warf der SPD vor, dieses Argument nur vorzuschieben. „Wo sollen die drei Millionen eingespart werden?“, fragte er mit Blick auf den Sanierungsbedarf der Ferienstätte.

Es sei nicht Aufgabe des Landkreises, Urlaub zu subventionieren – ein Schuss gegen den Vorschlag der Grünen, mit dem jährlichen Defizit der Ferienstätte auf Fehmarn zukünftig bedürftige Familien bei ihren Urlauben zu unterstützen. „Die Bevölkerung hat längst abgestimmt, indem sie nicht mehr nach Meeschendorf gefahren ist“, schloss Lübeck – und war durch den Zuschauerprotest nur noch schwer zu verstehen.

Verwunderung herrschte bei den Grünen: Die Gründe für den Verkauf der Ferienstätte hätten sich nicht geändert – nur der Kaufpreis stehe mittlerweile fest und sei mit rund 2,2 Millionen Euro nicht zu gering. „Das Angebot ist in einem transparenten Bieterverfahren entstanden“, so Thomas Gerlach – und sei damit das Zusammentreffen von Angebot und Nachfrage.

Die kulinarische Metapher des Nachmittags lieferte AfD-Chef Peter Fricke: „Wir reden hier über ein ranziges Cremeschnittchen.“ Die einen wollten die Erholungsstätte loswerden („ranzig“), die anderen sie behalten („Cremeschnittchen“).

Der AfD-Vorstoß, den Beschluss über den Verkauf zu vertagen, in den Ausschüssen Alternativen erarbeiten zu lassen und den Pachtvertrag schnellstmöglich zu kündigen, wurde von den anderen Fraktionen abgeschmettert.

„Natürlich finden wir Geld für die Sanierung, aber natürlich geben wir das dann nicht an anderer Stelle aus“, sagte Landrat Dr. Michael Koch (CDU).

Manfred Fehr

„Unsere Aufgabe ist es nicht, neue Konzepte zu entwickeln“, hatte SPD-Fraktionschef Manfred Fehr zum Start der Sitzung festgehalten. Das sahen offenbar alle Parlamentarier so, konkrete Vorschläge für die Zukunft von Meeschendorf gab es nicht. Fotos: Ludger Konopka/Florian Künemund

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