Entkräftetes Tier

Familie muss Fuchs im eigenen Garten in Iba machtlos beim Sterben zusehen

Beschäftigte die Hofmanns vier Stunden lang: ein Fuchs, der sich mit schwindender Kraft auf das Grundstück der Familie in Iba geschleppt hatte.
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Beschäftigte die Hofmanns vier Stunden lang: ein Fuchs, der sich mit schwindender Kraft auf das Grundstück der Familie in Iba geschleppt hatte.

Es ist ein Vormittag, der den Hofmanns aus Iba in Erinnerung bleiben wird: Vier Stunden lang muss die Familie einem Fuchs beim Sterben zuschauen.

Iba – Schnelle Hilfe für das offenbar kranke Tier findet die Familie nicht. „Ich hatte gehofft, dass es erlöst wird und nicht so verenden muss“, sagt Christiane Hofmann. Doch auch dem herbeigerufenen Jäger sind ein Stück weit die Hände gebunden.

Die Geschichte beginnt schon zwei Tage bevor sich das Tier an einem Samstagvormittag Mitte Juni zum Sterben auf das Grundstück der Hofmanns schleppt. Ein Fuchs fällt in der Nachbarschaft auf, der ohne Angst oder Scheu immer wieder ums Haus schleicht – vermutlich ist es dasselbe Tier. Der Nachbar warnt: „Passt auf eure Hühner auf.“ Das Grundstück der Hofmanns am Ortsrand von Iba ist unter anderen die Heimat von drei Laufenten, fünf Hühnern, einem Hahn und zwei Katern – und bekommt häufiger Fuchsbesuch. Wenige Meter den Weg hinauf beginnt das Feld. Christiane Hofmann hat bereits früher einzelne Tiere an den Räuber verloren, sie nimmt es ihm nicht übel. „Ich liebe Füchse und das ist der Lauf der Natur“, sagt sie. Doch mit einem potenziell kranken Tier vor der Haustür ist es etwas anderes.

Hofmann schaut gerade nach den Hühnern, als der Fuchs auftaucht. Das Tier wirkt abgekämpft. „Er hatte keinerlei Scheu“, sagt Hofmann. Sie hat ein Video mit dem Handy aufgenommen. Es zeigt, wie das Tier träge einige Schritte vor dem Haus hin- und her tigert und sich dann zu Boden fallen lässt. Immer wieder. Als sich die Hofmanns und ihre Nachbarn anfangs mit einem Stock nähern, beißt das Tier noch in das Holz. Doch die Kräfte schwinden sichtlich.

Mitleid mit dem Fuchs, aber Angst um den Kater: Christiane Hofmann mit Vierbeiner Filou vor dem Hühnergehege. Die Ibsche hat ein Herz für Tiere, ein großes Fuchs-Abbild ziert die Hauswand der Hofmanns.

Die Familie ist ratlos. Was tun? „Mit dem Spaten draufschlagen habe ich nicht fertig gebracht“, sagt Christiane Hofmann. Allerdings hat sie auch Angst um ihre neugierigen Kater. Die Freigänger sind nur schwer von dem vermutlich kranken Fuchs fernzuhalten. Die Familie verständigt einen Jäger und behält das Tier im Auge. „Das setzt einem schon zu“, sagt Tochter Sarah, die in der Zeit auf die Katzen aufpasst.

Doch als der Jäger ankommt, kann auch er nicht helfen: „Im Ort darf er nicht schießen, und totschlagen wollte er das Tier auch nicht“, sagt Christiane Hofmann – zumal der Fuchs keine offenen Wunden aufweist oder sichtlich Schmerzen hat. Das Fazit: Die Natur müsse ihren Lauf nehmen.

Den geraden Weg gibt es nicht

Eine generelle Anlaufstelle für Fälle wie den Fuchs in Iba gibt es nicht, sagt Dr. Thomas Berge, Leiter des Veterinäramtes des Kreises. Je nach Sachlage, die individuell beurteilt werden müsse, gebe es viele Möglichkeiten, wie mit der Situation umzugehen sei. Grundsätzlich rät Berge dazu, Kontakt mit jemandem aufzunehmen, der die Beeinträchtigung des Tieres einschätzen kann. „Das ist in der Regel nicht der Privatmann. Bei Wildtieren sind es beispielsweise Jäger“, so der Veterinäramtschef. Je nach Einschätzung sollte das Tier dann laufen gelassen, in eine Auffangstation gebracht oder erlöst werden. In bestimmten Fällen sei das Nottöten eines Wildtieres gerechtfertigt, um unnötiges Leiden zu verhindern. Sowohl Jäger als auch die Polizei könnten das tun. Jäger dürfen ihre Waffe allerdings nur zur Jagd benutzen und innerorts keinen Schuss abgeben – außer im Auftrag der Polizei. 

Die Hofmanns haben mittlerweile in ihrer Verzweiflung die Polizei verständigt: „Ich konnte mir etwas Angenehmeres vorstellen, als einem Fuchs beim Sterben zuzuschauen“, sagt Mutter Christiane. Zwei Polizisten machen nach vier Stunden angespannten Aufpassens in Iba Nägel mit Köpfen, packen das Tier mit einer Decke im Nacken und bringen es in einem Pappkarton in den Wald. Ob sie das Tier erlöst oder nur ausgesetzt haben, erfährt die Familie nie. (Clemens Herwig)

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