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Familie Meyer aus Alheim ist seit 2017 in Papua-Neuguinea zu Hause

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Von: Julian Brückmann

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Familienzeit: Fernab der Missionsarbeit verbringt Familie Meyer ihre Zeit gern mit Kindern aus der Siedlung.
Familienzeit: Fernab der Missionsarbeit verbringt Familie Meyer ihre Zeit gern mit Kindern aus der Siedlung. © Privat

Hohe Luftfeuchtigkeit und ein minimalistischeres Leben, als man es gewöhnt ist: Familie Meyer aus Niederellenbach missioniert in Papua-Neuguinea.

Niederellenbach – Für Familie Meyer ist es bald wieder soweit. Sie tauschen ihr zivilisiertes Leben in Deutschland gegen den Urwald in Papua-Neuguinea. Ihr Ziel: Das Neue Testament in die Sprache der Einwohner zu übersetzen. Sie wollen damit Völker erreichen, die vom Evangelium bisher noch unerreicht sind.

„Die Menschen in Papua-Neuguinea haben wenig Kontakt zur Außenwelt, aber einen großen Wunsch nach Religion“, erzählt Lilli Meyer, während sie mit ihrer jüngsten Tochter Viola (11 Monate) spielt. Zusammen mit ihrem Mann Christopher ist die junge Familie 2017 erstmals zur Pazifik-Insel nördlich von Australien gereist. Beide sind bei der Organisation „Christen am Güterplatz“ in Frankfurt angestellt.

Seit 2021 lebt das Ehepaar mit seinen drei Kindern Linda (9), Silas (6) und Viola in einer Wohnung in Niederellenbach. „Von unserer Organisation aus steht nach vier Jahren im Ausland ein Jahr Heimataufenthalt an“, erklärt Christopher Meyer. Es sei zudem wichtig, Kontakte aufzufrischen, in Gemeinden zu berichten und auch den Kindern die Möglichkeit zu geben, sich in Deutschland zu Hause zu fühlen. „Wir unterrichten die Kinder während der Zeit in Papua-Neuguinea selbst“, sagt Lilli Meyer. Dies sei anders schwer möglich aufgrund des herben Lehrermangels vor Ort. In Deutschland besuchen sie ganz normal eine Schule.

Im Frühjahr steht für die Familie die nächste Reise in ihre Wahlheimat an. Während ihrer Zeit in Deutschland waren sie weiterhin für die Organisation unterwegs. Sie besuchten Freunde, Seminare und Weiterbildungen. Das gesamte Projekt wird während der Zeit in Papua-Neuguinea und während des Heimataufenthalts von der christlichen Gemeinde finanziert. Diese wiederum erhält ihre Mittel durch private Spenden und Gemeinden.

Familie Meyer aus Niederellenbach: von links Linda, Silas und Viola mit ihren Eltern Christopher und Lilli Meyer.
Familie Meyer aus Niederellenbach: von links Linda, Silas und Viola mit ihren Eltern Christopher und Lilli Meyer. © Familie Meyer

„Die komplette Mission inklusive der Übersetzungsarbeit kann noch bis zu 20 Jahre dauern“ sagt Christopher Meyer. Über die Zeit danach habe man sich noch nicht viele Gedanken gemacht. „Wir leben natürlich auch gern in Deutschland. Es wird sich auch zeigen, für welches Leben sich unsere Kinder entscheiden, wenn sie älter sind. Vielleicht entschließen sie sich auch mal dazu, im Ausland zu leben“, erklärt der dreifache Vater.

Papua-Neuguinea haben sie sich als Missionarsort selbst ausgesucht. „Die Menschen dort haben ein großes Verlangen nach Missionaren. Außerdem habe ich bereits von 2010 bis 2012 in einem kleinen IT-Team dort gearbeitet und das Land kennenlernen dürfen“, sagt der 38-jährige Software-Entwickler.

2005 lernten sich der aus Biedenkopf stammende Christopher und die Augenoptikerin aus Braach in einer christlichen Gemeinde in Frankfurt kennen. „Meine Faszination für Missionen entwickelte sich bereits im Kindesalter. Ich stamme aus einer sehr christlichen Familie“, erzählt die 36-jährige. Seinen Traum zu missionieren lebt das seit 2012 verheiratete Paar nun seit einigen Jahren zusammen aus.

Nachdem sich die Familie im Dorf integriert hatte, begann Mitte 2019, zusammen mit zwei amerikanischen Familien, die Missionarsarbeit.

Man habe dem Dorf einen „Bibel-Crash-Kurs“ gegeben. Vier Mal die Woche, über vier Monate lang habe man versucht, den Einwohnern Gottes Wort in ihrer Sprache zu erläutern. „Die Menschen wollten hören, was wir zu sagen hatten“, sagt Christopher Meyer. Dementsprechend sei zu Beginn das ganze Dorf da gewesen. Rund 350 bis 400 Leute von jung bis alt kamen in den extra dafür errichteten Unterstand. Die meisten blieben aufmerksam dabei und besuchten die Veranstaltungen dauerhaft. Nach dieser Einführungszeit habe man jeden Sonntag einen Gottesdienst veranstaltet. Auch dieser sei weiterhin gut besucht.

„Wir können beobachten, wie der christliche Glaube die Menschen dort verändert. Daraus ziehen wir unsere Motivation“, erzählt Christopher Meyer.

Aktuell ist der Animismus der dort verbreitete Glaube (siehe Hintergrund).

Die Türen stünden ohnehin für Missionare sehr weit offen in diesem Land. Ablehnung hingegen habe man nur selten erfahren. Dies äußere sich meist in Desinteresse an der Mission.

„Neben der Religion erzählen wir den Einheimischen auch aus unserer Heimat. Es herrscht dort ein sehr verzerrtes Bild der westlichen Welt“, fügt Christopher hinzu. „Zudem versuchen wir, neben der Missionarsarbeit die Entwicklung des Dorfes voranzutreiben.“ (Julian Brückmann)

Hintergrund

„Der Animismus ist der vorherrschende Glaube in dieser Region, welcher auch als Geisterglaube zu bezeichnen ist und von Ritualen begleitet wird“, erzählt Christopher Meyer. Die Menschen glauben, dass für alles was es gebe und ihnen widerfahre, Geister verantwortlich sind.

Laut Wikipedia besteht der Glaube darin, unbelebten Gegenständen Leben zu attribuieren. Objekten der Natur, wie Bäume oder Gewässer, wird eine „persönliche“ Seele oder ein innewohnender Geist zugesprochen.

„Die Menschen beten die Geister an. Beispielsweise für ein gesundes Leben oder für das Wachstum der Kinder“, so Meyer. Ein Ritual könne dabei wie folgt aussehen: Durch reinwaschen von Samen oder Wurzeln vor der Aussaat, erhoffe man sich eine ertragreichere Ernte. bru

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