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Falsche Impfpässe kursieren im Landkreis Hersfeld-Rotenburg - Polizei ermittelt

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Von: Anna-Laura Weyh

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Im gelben Impfpass werden die Impfungen eingetragen. Unser Bild zeigt die Aufkleber des Biontech/Pfizer-Impfstoffs.
Im gelben Impfpass werden die Impfungen eingetragen. Unser Bild zeigt die Aufkleber des Biontech/Pfizer-Impfstoffs. © Andreas Arnold/dpa

Mehr als 800 Strafverfahren wegen gefälschter Corona-Impfpässe laufen derzeit in Hessen. Auch im Landkreis Hersfeld-Rotenburg ermittelt die Polizei wegen des Verdachts auf manipulierte Nachweise.

Hersfeld-Rotenburg – Dem Polizeipräsidium Osthessen sind in den Landkreisen Hersfeld-Rotenburg, Fulda und dem Vogelsbergkreis insgesamt „Sachverhalte im mittleren zweistelligen Bereich“ bekannt, sagt Pressesprecherin Sandra Hanke.

Die Anzahl der Verdachtsfälle sei jedoch deutlich höher, berichten Apotheker aus dem Landkreis. Saskia Hildwein von den Hildwein-Apotheken in Bad Hersfeld hat schon zahlreiche Menschen ohne digitales Impfzertifikat weggeschickt, da ihr Ausweise nicht glaubwürdig erschienen. „Wenn im Impfausweis ein weit entferntes Impfzentrum notiert ist und wir den Sachverhalt telefonisch nicht abklären können, stellen wir keinen Nachweis aus“, sagt die Inhaberin. Vor allem im Sommer und Herbst des vergangenen Jahres habe es jede Woche sogar mehrere dieser Fälle gegeben. Hildwein hat schon einmal die Polizei alarmiert, als ihr ein fragwürdiger Impfpass auffiel. „Es lag ein begründeter Verdacht vor“, sagt sie und bezieht sich damit auf den Aussteller des Impfausweises. Bei zwei Ärzten im Landkreis Hersfeld-Rotenburg habe es laut Polizei Durchsuchungen gegeben.

Aber nicht immer kommt es zur Anzeige von vermeintlichen Fälschungen. Katja Förster vom Hessischen Apothekerverband erklärt: „Viele sind im Umgang mit solchen Situationen unsicher.“ Apotheker unterliegen grundsätzlich der Schweigepflicht, aber der Verdacht einer Straftat wiege ebenfalls schwer. „Es ist ein zweischneidiges Schwert“, sagt Björn Mikus von der Rathaus-Apotheke in Bebra. In seiner Apotheke habe er aber noch keinen Verdachtsfall erlebt. Hildwein sagt: „Diesen Spagat machen wir in vielen Situationen. Man muss sich klar sein, was das höhere Gut ist.“ Auch Landrat Torsten Warnecke spricht sich für klare Konsequenzen aus. Er sagt: „Einen gefälschten Impfpass oder auch Genesenennachweis mit sich zu führen und bei Kontrollen vorzuzeigen, ist kein Kavaliersdelikt.“

In der St. Georg Apotheke in Schenklengsfeld hat es ebenfalls schon einzelne Verdachtsmomente gegeben. „Nur selten kommen fremde Menschen zu uns“, sagt Inhaberin Margarete Möller-Riebold. Dann schaue man noch einmal genauer hin. Wenn Punkte auf dem Dokument auffällig seien oder komplett fehlten, und die Apothekerin weitere Fragen stelle, seien diese Leute dann ganz schnell wieder verschwunden. (Anna Weyh)

Wenige Verfahren bei der Staatsanwaltschaft

Die Staatsanwaltschaft Fulda hat derzeit nur wenige Ermittlungsverfahren im Zusammenhang mit gefälschten Impfausweisen in Bearbeitung. Die regionale Zuordnung der Verfahren zu den Landkreisen Hersfeld-Rotenburg und Fulda ist allerdings nicht möglich, teilt Oberstaatsanwältin Dr. Christine Seban mit. (alw)

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