Falken fliegen in die Freiheit

Gefundene Jungvögel aufgepäppelt und in Bebra erfolgreich ausgewildert

Falkner Michael Schanze gibt Axel Nöding die beiden von ihm gefundenen Turmfalken in einem Karton zurück.
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Zurück zum Absender: Axel Nöding (links) bekommt von Falkner Michael Schanze die von ihm gefundenen Turmfalken in einem Transportkarton zur Freilassung zurück.

Gleich drei junge Turmfalken haben in Bebra ihren Weg direkt aus dem Nest zu Axel Nöding gefunden. Zwei von ihnen waren zu jung und zu schwach zum Fliegen und wurden in einer Greifvogelauffangstation in Haunetal gepflegt, aufgepäppelt und gestern erfolgreich ausgewildert.

Vor wenigen Wochen hatte der 66-jährige plötzlich Vogelschreie gehört. „Mir war klar, dass das ein Greifvogel sein musste“, erinnert er sich. Sofort habe er nachgesehen, wo das Geräusch herkam und was genau dort so verzweifelt rief.

Ein junger Turmfalke habe völlig verängstigt neben seiner Garage gesessen. Auch eine Katze sei den Rufen gefolgt, aber Nöding war schneller, berichtet er. Mit einem Kescher fing er den Vogel ein, der offenbar aus dem Nest an seinem Dach gefallen war und brachte ihn in Sicherheit.

Aber was jetzt? Wohin mit dem Vogel, der noch nicht fliegen kann? Er brachte ihn zu Wilfried Werner von der Naturkundlichen Gesellschaft Mittleres Fuldatal. Der konnte ihm aber nicht weiterhelfen und schickte ihn zu Stefan Braun aus Ersrode, der die Jungvögel zu Falkner Michael Schanze nach Haunetal brachte. In der Greifvogelauffangstation der Greifvogel-Hilfe werden Nestlinge und Jungvögel, aber auch verletzte und verunfallte Greifvögel gepflegt und nach der Genesung ausgewildert. „Also war das Findelkind in guten Händen“, sagt Nöding.

Nur ein paar Tage später, Nöding saß gerade mit seiner Frau auf der Terrasse, hörte er wieder Rufe. Dieses Mal aber von Menschen. „Entschuldigen Sie? Hier sitzt ein Vogel auf der Straße, können Sie helfen?“, zitiert Nöding die rufenden Leute. Der nächste junge Turmfalke saß regungslos auf der viel befahrenen Straße vor seinem Haus. Anscheinend war er aus demselben Nest gefallen wie der erste Vogel. Oft komme es vor, dass Jungvögel in eine Schockstarre fallen, wenn sie sich bedroht fühlen oder einfach nicht weiter wissen, erklärt Nöding. Er eilte zur Hilfe und fing auch den zweiten Falken mit dem Kescher ein. Auch er kam zu Michael Schanze in die Auffangstation.

Kurz darauf, so Nöding, habe er in seinem Bad gestanden. „Das Fenster war offen“, sagt er, als plötzlich Sachen von der Fensterbank fielen. Erschrocken schaute Nöding zum Fenster. Da saß der dritte Turmfalke aus dem Nest an seinem Haus. „Er schaute mich an als wollte er fragen, wo seine Geschwister sind“, erzählt Nöding und lacht. Er sei aber stark genug gewesen und konnte bereits fliegen.

Jungfernflug: Der erste Turmfalke will sofort losfliegen. Der zweite zögerte erst noch.

Gestern war es dann soweit. Auch die beiden aufgepäppelten Jungvögel waren stark genug, um selbst zu fliegen. Axel Nöding holte sie in einer Transportkiste bei Falkner Michael Schanze ab und entließ sie am Stadtteich Blankenheim in die Freiheit.

Hintergrund: Auffangstation hilft 100 Vögeln im Jahr

Zur Zeit befinden sich 40 Vögel in der Greifvogelauffangstation von Michael Schanze in Kruspis (Haunetal), dem ersten Vorsitzenden des Vereins für Umweltbildung und Greifvogelhilfe. Darunter 30 Turmfalken. Aber auch Uhus, Bussarde und Milane werden pflegt und in Sachen Jagd geschult, mit dem Ziel, sie nach der Genesung auszuwildern. Jährlich finden rund 100 Vögel aus der Station zurück in die Freiheit. Finanzielle Unterstützung bekommt er dabei hauptsächlich durch Spenden.
Informationen unter: greifvogel-hilfe.de und falknereischanze.de 

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