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Facebook-Post schlägt hohe Wellen: SPD-Kandidatin teilt Bild, das Regierung als „Abschaum“ diffamiert

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Von: Silke Schäfer-Marg

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Facebook-Symbolfoto
Facebook-Symbolfoto © Dominic Lipinski/PA Wire/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Der Facebook-Post einer Kandidatin für die Stadtverordnetenversammlung in Rotenburg schlägt hohe Wellen: Elke Schellhase steht auf der Liste der SPD auf Platz 13, gehört der Partei jedoch nicht an.

Rotenburg - Elke Schellhase teilt in ihrem Facebook-Post eine Montage von Mitgliedern der Bundesregierung beim Ableisten des Amtseids. Darüber ist der Satz zu lesen: „Einen größeren Abschaum gab es noch nie in Deutschland“.

Die CDU

Die CDU Rotenburg ist empört, ihr Vorsitzender und Spitzenkandidat Jonas Rudolph reagierte mit einer Pressemitteilung, in der er erklärt, dass Schellhases Äußerungen bei Facebook nicht zu tolerieren seien. Hass, Hetze und Denunziation hätten nichts mit Meinungsfreiheit zu tun, sagte Rudolph. Solchen Entgleisungen müsse man sich entschlossen entgegenstellen. Menschen als Abschaum zu bezeichnen, greife die Menschenwürde an und sei unterste Schublade. Man erwarte, dass sich die SPD von Elke Schellhase und deren Äußerungen distanziere, erklärten Rudolph und CDU-Kreisvorsitzender Andreas Börner.

Die SPD

Genau das tut die SPD Rotenburg auch, sie distanziert sich, erklärte deren Vorsitzender Sebastian Münscher. Im Gespräch mit ihm habe Elke Schellhase eingeräumt, einen Fehler gemacht zu haben und sich dafür entschuldigt. Sie sei in einer emotionalen Ausnahmesituation gewesen, als sie den Post geteilt habe, berichtete Münscher. Man habe Elke Schellhase anders kennengelernt, als mit ihr über einen möglichen Platz auf der Liste gesprochen wurde. Sie sei auch für ihr Engagement in Vereinen bekannt gewesen.

Diesen Facebook-Post hat SPD-Kandidatin Elke Schellhase geteilt.
Diesen Facebook-Post hat SPD-Kandidatin Elke Schellhase geteilt. © Facebook Screenshot

Die Betroffene

Die 60-jährige Schellhase hat inzwischen alle Posts auf ihrer Facebook-Seite in diesem Zusammenhang gelöscht. Gegenüber unserer Zeitung erklärte sie, sie bedauere diesen umstrittenen Post. Sie habe ihn aufgrund tiefer Enttäuschung und Frustration über die Regierung geteilt, ohne dessen Folgen zu bedenken. „Ich hätte nie gedacht, dass das so hohe Wellen schlägt“, sagte Elke Schellhase. Ihren „ganzen Zorn auf alles“ wollte sie deutlich machen.

Die Folgen, auch für die SPD, bedaure sie allerdings. Sie werde ihr Mandat, sollte sie gewählt werden, nicht annehmen. Nie wieder wolle sie etwas posten, sagt sie, spricht aber auch davon, dass es keine Meinungsfreiheit gebe. Den Hinweis, dass sie sehr wohl alles sagen dürfe, dann aber auch mit Gegenmeinungen rechnen müsse, ließ sie nicht gelten. Elke Schellhase begründet ihre Enttäuschung und Wut auch mit der Stimmung im und rund um das Rotenburger Herz- und Kreislaufzentrum. Sie arbeitet dort seit vielen Jahren. Alle Beschäftigten arbeiteten dort am Limit und darüber hinaus, würden aber nicht dementsprechend behandelt und wertgeschätzt.

Wahlliste steht

Die Listen zur Kommunalwahl können nicht mehr geändert werden. Gewählten Kandidaten steht es frei, ihr Mandat anzunehmen oder nicht. Wenn das nicht der Fall ist, rückt ein weiterer Bewerber von der Liste ins Parlament nach, erklärte Wahlleiter Helmut Hartmann. (Silke Schäfer-Marg)

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