Hilfe im Alltag

Es geht um die Härtefälle: „Startpunkt“ Rotenburg soll bekannter werden

Offene Tür: Thomas Sackmann ist Ansprechpartner für junge Menschen zwischen 15 und 25 Jahren, die aus den beruflichen und sozialen Alltagsstrukturen herausgefallen sind. Der Startpunkt in Rotenburg am Untertor 1 kann mittwochs und donnerstags von 8.30 bis 16.30 Uhr besucht werden. Dort gibt es einen Zugang zu einem Computer sowie eine Dusche und die Möglichkeit, Wäsche zu waschen.
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Offene Tür: Thomas Sackmann ist Ansprechpartner für junge Menschen zwischen 15 und 25 Jahren, die aus den beruflichen und sozialen Alltagsstrukturen herausgefallen sind. Der Startpunkt in Rotenburg am Untertor 1 kann mittwochs und donnerstags von 8.30 bis 16.30 Uhr besucht werden. Dort gibt es einen Zugang zu einem Computer sowie eine Dusche und die Möglichkeit, Wäsche zu waschen.

„Startpunkt“ ist ein Angebot des Bildungswerks der nordhessischen Wirtschaft und arbeitet im Auftrag des Landkreises.

Rotenburg – „Es geht um die Härtefälle im Landkreis“, sagt Thomas Sackmann, wenn er über seine Arbeit spricht. Er kümmert sich um junge Menschen zwischen 15 und 25 Jahren, die aus einem gängigen Alltag und den Sozialsystemen herausgefallen sind. Die Anlaufstelle „Startpunkt“ am Untertor in Rotenburg wird allerdings kaum von Betroffenen aufgesucht. Thomas Sackmann geht hin zu den jungen Menschen.

„Startpunkt“ ist ein Angebot des Bildungswerks der nordhessischen Wirtschaft und arbeitet im Auftrag des Kreises. Seit Januar gibt es ein ganzes Team von Ansprechpartnern sowie zwei Anlaufstellen. Während die in Bad Hersfeld bahnhofsnah an der Landecker Straße von Betroffenen inzwischen angenommen wird, so berichtet Thomas Sackmann, ist die Rotenburger Anlaufstelle nur in Einzelfällen von Betroffenen besucht worden. Etwa, wenn sie mit Sackmanns Hilfe Bewerbungen schreiben.

Der systemische Coach und Berater geht auf die jungen Leute zu und sucht sie unter Brücken, an Bahnhöfen, aber auch in ihren Dörfern auf. Meist sind es neutrale Orte, an denen man sich begegnet. Ihre Geschichten ähneln sich, sind geprägt von Gewalt, Sucht- und Schuldenproblemen, von Schulmüdigkeit und manchmal auch von Müdigkeit gegenüber dem gesamten Sozialsystem. „Sie sind entkoppelt und schlagen sich unter dem Radar alleine durch“, berichtet der Coach. Etwa 40 bis 50 Lebensgeschichten junger Menschen habe er schon gehört.

„Wir versuchen, Kontakt zu den jungen Menschen zu knüpfen und Vertrauen aufzubauen. Die Idee ist, sie wieder an die Hilfsangebote anzudocken“, sagt Sackmann. Das sei auch ein langfristiges Projekt. Vertrauen aufzubauen sei wichtig, denn die Jugendlichen und jungen Erwachsenen hätten häufig die Erfahrung gemacht, dass in Krisen niemand für sie da sei.

Die Mitarbeiter von Startpunkt jedoch helfen auch in spontanen Krisen. Sie vermitteln Arzt- und Zahnarztbesuche und begleiten ihre Schützlinge zu Behörden, Gerichtsterminen oder zur Drogenhilfe. Dazu sind die Startpunkt-Mitarbeiter gut vernetzt, kennen inzwischen die Helfer in vielen Organisationen.

Das Projekt an sich soll nun um ein Jahr verlängert werden. Allerdings wird es dazu neu ausgeschrieben, berichtete Sackmann, der seine Arbeit auch dem Rotenburger Präventionsrat vorgestellt hat. Ob das Bildungswerk der nordhessischen Wirtschaft den Zuschlag erhält oder ein anderer Bildungsträger die Arbeit fortsetzen wird, sei noch offen.

Kontakt: Wer jemanden kennt, der die Unterstützung des Startpunkts benötigt, kann sich melden unter Tel. 0151/65862613. (Von Silke Schäfer-Marg)

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