Ein Piks für die Selbsteinschätzung

Erste Apotheken in Bad Hersfeld und Rotenburg bieten Corona-Antikörpertests an

Klarheit nach wenigen Minuten: Mithilfe eines Tropfens Blut und einer Pufferlösung lässt sich die Anzahl der Corona-Antikörper direkt vor Ort bestimmen. Unser Foto zeigt Apotheker Dietrich Grimme vom Testzentrum in Rotenburg, der diese kostenpflichtigen Messungen seit Montag anbietet.
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Klarheit nach wenigen Minuten: Mithilfe eines Tropfens Blut und einer Pufferlösung lässt sich die Anzahl der Corona-Antikörper direkt vor Ort bestimmen. Unser Foto zeigt Apotheker Dietrich Grimme vom Testzentrum in Rotenburg, der diese kostenpflichtigen Messungen seit Montag anbietet.

Spätestens seitdem die Ständige Impfkommission (Stiko) eine Corona-Booster-Impfung für alle Erwachsenen empfiehlt, fragen sich viele Menschen, wie gut sie noch gegen das Virus geschützt sind. Im Kreis Hersfeld-Rotenburg bieten nun erste Apotheken Antikörper-Schnelltest an.

Bad Hersfeld/Rotenburg – „Es geht in erster Linie um eine schnelle Selbsteinschätzung“, sagt Dietrich Grimme, Inhaber der Rotenburger Hubertus-Apotheke. „Mit dem Test können wir schauen, wie viele Antikörper noch im Blut vorhanden sind“, so der Apotheker, der seit Montag so ein Messgerät in seinem Testzentrum an der Brückengasse in Betrieb hat.

Ab der kommenden Woche bietet auch die City-Apotheke in Bad Hersfeld Antikörpermessungen an. „Wir kommen jetzt langsam in die Phase, in der der Impfschutz vieler Menschen schon fünf oder sechs Monate alt ist“, sagt Inhaberin Saskia Hildwein. „Für einen selbst kann so ein Test also interessant sein, auch weil er daran erinnert, das eigene Alltagsverhalten anzupassen.“ Die Menge der Antikörper nehme nach einer Impfung erst langsam ab, später beschleunige sich dieser Prozess. „Die sechs Monate zwischen Zweit- und Drittimpfung sind ja nur eine Empfehlung“, so die Apothekerin.

Unser Foto zeigt Katharina Schiller von der Bad Hersfelder City-Apotheke, die bei Florian Michl das Blut an der Fingerkuppe entnimmt.

Ein Antikörper-Test kostet in der City-Apotheke 20,95 Euro, im Rotenburger Testzentrum 25 Euro. Krankenkassen übernehmen die Kosten in der Regel nicht.

Ein Tropfen Blut wird an der Fingerkuppe oder am Ohrläppchen entnommen

Auch wenn beide Anbieter unterschiedliche mobile Laborgeräte haben, so ist das Prinzip doch ähnlich: Medizinisches Personal entnimmt an der Fingerkuppe oder am Ohrläppchen mit einem schmerzlosen Piks einen Tropfen Blut. Mit einer Pufferlösung gemischt werden 20 Mikroliter mit einer Pipette auf ein Testkit geträufelt. Das Kit, das dem des Antigen-Schnelltests für zuhause ähnelt, wird schließlich in dem Testgerät direkt analysiert. In 15 bis 20 Minuten ist das Ergebnis da.

Erste Tests unter Angestellten hätten „eine riesige Bandbreite an Resultaten“ gezeigt, verrät Saskia Hildwein. Dietrich Grimme sagt: „Mit ein wenig Erfahrung kann man anhand der Ergebnisse sogar erahnen, mit welchem Impfstoff jemand geimpft wurde und wie lange die Impfung her ist.“ Menschen, die Astrazeneca in den Arm bekommen haben, hätten weniger Antikörper als diejenigen, die mit Biontech oder Moderna gespritzt sind.

Für wen empfiehlt sich ein Corona-Antikörpertest?

Beide Apotheker betonen, dass die Schnellmessung nicht als Konkurrenz zum Hausarzt zu verstehen sei. „Es geht nicht darum, eine akute Infektion nachzuweisen. Wir machen auch keine Diagnostik zum Impfschutz. Das gehört alles in die Hände eines Arztes“, sagt Grimme.

Und für wen empfiehlt sich so ein Test? Andreas Bobrowski, Vorsitzender des Berufsverbandes Deutscher Laborärzte, sagte kürzlich der Deutschen Presse-Agentur, ein Test könne Klarheit schaffen, wenn es um die Frage geht, wie dringend eine Auffrischungsimpfung notwendig ist. Er stellte aber auch klar: Es mache keinen Sinn, diese Tests pauschal zu empfehlen. Wer jedoch anfällig für Infekte oder allgemein immungeschwächt ist, dem könne ein Test Informationen geben, wie gut die Impfungen angeschlagen haben.

Dr. Manfred Michl von der Arbeitsmedizinischen Untersuchungsstelle in Bad Hersfeld, der in der Pandemie eng mit Saskia Hildweins City-Apotheke zusammenarbeitet und ebenfalls ein Testgerät angeschafft hat, sagt: „Aus Vorsorgegründen macht der Test Sinn.“ Doch selbst wenn ein Ergebnis ausreichend Antikörper nachweise, bedeute das nicht, dass eine Booster-Impfung nicht sinnvoll sei, stellt der Arzt klar, der mehr als hundert Betriebe arbeitsmedizinisch betreut: „Jeder sollte sich die dritte Impfung holen.“

Informationen zu den Corona-Antikörpertests in Bad Hersfeld und Rotenburg:

Die City-Apotheke Bad Hersfeld testet in ihrem Testzentrum, Breitenstraße 18, Mo. bis Fr. von 13 bis 17 Uhr und Sa. und So. von 11 bis 15 Uhr. Antikörpertests ab Montag, nur mit Termin unter Tel. 06621/966010. Das Testzentrum der Hubertus-Apotheke, Brückengasse 6 in Rotenburg, bietet Antikörpermessungen von Mo. bis Sa. von 8.30 bis 11 Uhr und von 16 bis 19 Uhr sowie So. von 9 bis 13 Uhr an.

(Sebastian Schaffner)

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