Einmalig in Hessen

Erstaufnahmeeinrichtung mit Übungsplatz: Verkehrswacht schult Flüchtlinge

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Lernen Radfahren und Verhalten im Straßenverkehr: Menschen in der Rotenburger Erstaufnahmeeinrichtung, die sich in der ehemaligen Alheimer-Kaserne befindet. Auf dem einstigen Exerzierplatz heißt es jetzt nicht mehr „stillgestanden“, sondern radeln üben.

Rotenburg. Flüchtlinge aus Syrien ebenso wie aus Ghana oder Algerien lernen in der Erstaufnahmeeinrichtung in Rotenburg das Radfahren und sichere Bewegen im Straßenverkehr.

Auf dem ehemaligen Exerzierplatz hat die Kreisverkehrswacht mit ehrenamtlichen Helfern einen Verkehrsübungsplatz angelegt – unterstützt von der Einrichtungsleitung, dem RP Kassel und der Stadt Rotenburg. Gestern ist die großzügige Anlage offiziell vorgestellt worden.

Rotenburg. In der Spur bleiben, hier ein Stoppschild beachten, dort gilt „Rechts vor Links“ – und bei alledem das Gleichgewicht auf dem Rad halten: Das ist kein Problem für die Kinder, aber für manche Erwachsene. Vor allem, wenn sie Radfahren in der Kindheit nicht gelernt haben.

Flüchtlinge aus vielen verschiedenen Ländern haben auf dem ehemaligen Exerzierplatz der Alheimer-Kaserne, die heute eine Hessische Erstaufnahmeeinrichtung (HEAE) ist, Gelegenheit, auf einem neuen Verkehrsübungsplatz mit echten Verkehrsschildern im Kleinformat das richtige Verhalten im Straßenverkehr zu trainieren.

Möglich wurde das durch den Einsatz der Kreisverkehrswacht mit ihrem Vorsitzenden Reinhold Bleß. Vor einem knappen Jahr im Dezember gab es erste Gespräche zwischen der Verkehrswacht und dem Einrichtungsleiter, Thomas Baader, so berichtet Bleß.

Mit viel Spaß und Eifer dabei: Zwischen fünf Jahren und dem Rentenalter sind die Schützlinge der Verkehrswacht. 

Er machte erste Pläne und nahm Kontakt mit Dietmar Klingenhöfer, einem Bau- und Planungsfachmann auf. In mehreren Sitzungen entstand ein Konzept, in dem alle Verkehrssituationen – auch für Fußgänger – vorkommen und genug Platz für diejenigen ist, die erst Radfahren lernen müssen. Denn in einigen Ecken der Heimatländer kennt man die Fortbewegung auf dem Rad nicht oder Frauen dürfen gar nicht Radfahren, erklären die Übersetzerin Khamma Kafo und der ehemalige Polizist Jürgen Brandau (Bebra), der in Calden Flüchtlinge schult.

Kosten durfte das Projekt auch nicht viel: So stellte der Landkreis gebrauchte Schilder zur Verfügung, und man fand eine Firma aus Kassel, die die Halterungen bohrte und Linien aufbrachte, sodass jetzt alles ganz professionell ist.

Am Ende erhalten sie einen Schein

Schon seit April haben neun Ehrenamtliche der Verkehrswacht jeweils zu dritt die Flüchtlinge geschult: Ein Tag Theorie, bei der auch Videos auf Arabisch und Farsi sowie Übersetzer im Einsatz sind, ein Tag Praxis, an dem das Bremsen, Slalomfahren und anderes geübt werden, und ein dritter Tag, an dem die Kinder, Frauen und Männer eine Bescheinigung bekommen konnten. Eine solche brauchen sie, so erklärt Thomas Baader, wenn sie eines der Fahrräder ausleihen möchten. Etwa 40 gebrauchte Räder stehen zur Verfügung.

Rund 130 Menschen ab fünf Jahren aufwärts haben in diesem Jahr hier das richtige Verhalten im Straßenverkehr gelernt. Das Projekt sei ein großer Erfolg, erklärte Baader gestern. Im vergangenen Jahr mussten noch Busse eingesetzt werden, um die Flüchtlinge zum Verkehrsübungsplatz nach Bebra zu bringen.

Gewinnen schnell an Sicherheit: Die jüngsten Radler auf dem neuen Verkehrsübungsplatz in Rotenburg.

Mit Beginn des Winters ist jetzt erst mal Schluss mit dem Üben im Freien. Zweimal pro Monat geht es aber mit Theoriestunden weiter, verspricht Reinhold Bleß.

Nach Auskunft von Carolin Richardt, Koordinatorin für Flüchtlings- und Gemeinwesenarbeit in Rotenburg, wurde das sozial-integrative Projekt vom Land Hessen gefördert. Kurt Heldmann, beim RP Gießen für Flüchtlingsangelegenheiten zuständig, betont, neben der Sprache seien auch das Verhalten und Verständnis der Regeln entscheidend für die Integration, Radfahren wichtig, um in Kontakt zu kommen.

Übrigens: Technisch einwandfreie gebrauchte Räder werden in der HEAE immer benötigt.

Quelle: HNA

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