Sechs Beispiele

Eltern wollen Grundschule Hönebach mit Macht erhalten

Die engagierten Eltern sind guter Hoffnung, dass die Grundschule in Hönebach erhalten werden kann: Das Foto zeigt von links Sabrina Tann, Martina Wehner-Weißenborn (beide Kleinensee), Rene Sufin, Christiane Griesing, Liane Krust, Christian Eimer (alle aus Hönebach) und die beauftragte Schulleiterin Evelyn Schwab. Foto: Dupont

Hönebach/Kleinensee. In Hönebach setzten sich nicht nur die Schulleitung, die Lehrer und die Gemeindevertretung samt Bürgermeister vehement für den Erhalt der Grundschule ein.

Auch die Eltern kämpfen um den Standort der Schule.Der Entwurf des neuen Schulentwicklungsplans sieht vor, die Schule ab dem Schuljahr 2021/22 zu schließen, weil nach derzeitigem Stand die Schülerzahl dann auf unter 25 absinkt.

Viele Argumente sind in der Diskussion schon ausgetauscht worden. Auf Anfrage unserer Zeitung haben sich sechs betroffene Eltern getroffen und erzählt, warum ihnen die Schule so am Herzen liegt. Wir bringen ihre sechs, zum Teil sehr persönlichen Geschichten, beispielhaft auch für andere Eltern, deren Kinder in Hönebach zur Schule gehen:

1. Die Eltern werden intensiv eingebunden.

Für Liane Krust ist der Vorteil kleiner Schulen, dass sie den Zusammenhalt der Schüler besonders stärken. „Es ist eine Freude zuzuschauen, wie sich Kinder aus dem Unterdorf treffen, um gemeinsam zur Schule zu gehen“, berichtet sie.

Auch der Zusammenhalt der Eltern sei gut. Liane Krust ist seit einigen Wochen „Lesemama“. Einmal pro Woche liest sie mit zwei oder drei Kindern in der Grundschule – nach Vorgaben der Lehrerinnen.

„Da kann man besonders gut auf die Stärken und Schwächen der Kinder eingehen“, erzählt sie. Ihre Tochter Amelie geht ins zweite Schuljahr.

2. Die Schüler können viel voneinander lernen.

Elias – der Sohn von Rene Sufin – geht in das erste Schuljahr. Er wäre von einer Schließung der Schule nicht mehr betroffen. Die 17 Monate alte Tochter allerdings schon. Sufin ist selbst in Hönebach zur Schule gegangen von 1988 bis 1992.

„Ich habe das System mit zwei gemischten Klassen selbst erlebt. Da können jüngere Schüler viel von den älteren lernen. Schwächere können ihre Defizite gut aufarbeiten“, berichtet Sufin. Das sei heute noch besser möglich mit den Flex-Klassen.

3. Auch sensible Schüler sind gut aufgehoben.

Ins erste Schuljahr geht auch Jonathan, der Sohn von Christian Eimer. „Er gehört zu den sensiblen Schülern“, erzählt Eimer. Die familiäre Atmosphäre im Kindergarten und jetzt in der Hönebacher Grundschule tue ihm sehr gut. „So eine Schule zu haben ist aus Sicht von anderen ein Luxus. Es gibt aber auch Kinder, die genau so etwas brauchen.“

Absolut bemerkenswert sei auch die Nachmittagsbetreuung. Eimer drängt darauf, die Schulgrenzen nicht so starr zu ziehen, und in Einzelfällen auch aus anderen Orten Kinder, die kleine Strukturen brauchen, nach Hönebach zu schicken. In der ganzen Diskussion sei ihm aber wichtig zu betonten, dass auch die Grundschule in Obersuhl „super“ sei.

4. Der Übergang vom Kindergarten verläuft sanft.

Christiane Griesing kann sich noch gut an die eigene Schulzeit erinnern. Der Wechsel nach dem Abschluss der Grundschule nach Obersuhl sei schon eine Art Schock gewesen: ein riesiges Gebäude, viele Lehrer, viele Klassen.

„Nach einer Eingewöhnungsphase war dann aber alles gut“, berichtet sie. Für die kleinen Würmchen sei es aber viel einfacher, vom gemütlichen Kindergarten erst einmal in eine kleine Schule zu kommen. Deshalb sei es wichtig, die Grundschule in Hönebach zu erhalten.

5. Vorteile auch für Kinder aus Kleinensee.

In die Hönebacher Grundschule gehen auch Kinder aus Kleinensee: Fynn, der Sohn von Martina Wehner-Weißenborn, besucht die dritte Klasse. Ein weiteres Kind von ihr geht in die 6. Klasse in Heringen. „Beide sind Sensibelchen“, erzählt die Mutter. „Man sollte den Übergang vom Kindergarten zur Schule für die Kinder so leicht machen wie möglich“, sagt auch sie. „Auf einer kleinen Schule wie Hönebach gibt es kein Klein und Groß, sondern nur ein Wir.“

Auch die Busfahrt nach Heringen sei für die Kinder aus Kleinensee schon eine Belastung. „Wenn der Bus kommt, ist er schon voll. Die Kleinen müssen stehen.“

Das bestätigt auch Sabrina Tann. Ihre Tochter Emma geht ins 3. Schuljahr. Der Bus nach Hönebach fahre außerdem erst um kurz vor 8 Uhr. Für den Bus nach Heringen müssen die Kinder schon um kurz nach 7 Uhr aus dem Haus.

6. Die Schule ist ein wichtiger Teil des Dorfes.

Die Hönebacher Eltern sind sich einig: Die Grundschule ist ein unverzichtbarer Teil des Dorflebens. Viele Vereine und Einzelpersonen – von den Keglern bis zum Imker – engagieren sich mit viel Liebe für die Schule oder spenden für den Förderverein, um sie zu unterstützen.

„Wenn die Schule stirbt, stirbt wieder ein wichtiges Stück unseres Dorfes“, sagen die Eltern.

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