Futter für Milchkühe

Eiweiß vom Acker: Landwirte erproben den Anbau von Sojabohnen

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Gedeiht auch in Osthessen: Pflanzenbauberater Marcel Phieler begutachtet auf dem Feld bei Gethsemane das Wachstum der Sojapflanzen.

Gethsemane. Das Geheimnis des Sojas wird erst sichtbar, als Marcel Phieler eine der krautigen Pflanzen aus dem Boden zieht: Die Wurzeln sind mit zahlreichen kleinen Verdickungen besetzt.

Ebenso wie heimische Bohnen- und Erbsenarten gehören auch die Sojabohnen zu den Leguminosen – Hülsenfrüchte, die eine Symbiose mit Knöllchenbakterien eingehen. Dadurch gelingt es den Pflanzen, Stickstoff aus der Luft zu binden und so ihren Bedarf an diesem Nährstoff zu decken.

Als Eiweißlieferant landet Sojaschrot auch in den Futtertrögen heimischer Rinder, Schweine und Hühner. Ein Großteil wird dabei aus Nord- und Südamerika importiert, wo für Monokulturen teils große Regenwaldflächen abgeholzt wurden. Zudem wachsen dort meist gentechnisch veränderte Pflanzen – was bei deutschen Verbrauchern überwiegend auf Ablehnung stößt. Viele Landwirte seien deshalb auf der Suche nach alternativen Eiweißlieferanten, berichtet Marcel Phieler, der als Mitarbeiter des Landesbetriebs Landwirtschaft Hessen (LLH) für das bundesweite Förderprojekt Soja-Netzwerk Landwirte in Hessen und Thüringen berät.

Soja gedeiht vor allem in wärmeren Gegenden

In Zusammenarbeit mit dem Gut der Familie Schneider baut der Nebenerwerbslandwirt die ursprünglich aus Asien stammenden Hülsenfrüchte in diesem Jahr erstmals auch selbst an. Noch vor einigen Jahren galt Soja als nicht für das nordeuropäische Klima geeignet. Dank neuer Sorten gedeihe die Pflanze inzwischen auch hierzulande – vor allem in wärmeren Gegenden Süddeutschlands. Die Hochebene von Gethsemane ist für den Anbau zwar nicht unbedingt prädestiniert – dennoch ist Marcel Phieler mit dem Wachstum der Pflanzen bislang zufrieden. 

Nährstofflieferant: Knöllchenbakterien an den Wurzeln sorgen dafür dass die Sojapflanze Stickstoff aus der Luft gewinnen kann.

Anfang Mai haben die Landwirte auf insgesamt vier Hektar Fläche drei unterschiedliche Soja-Sorten ausgesät. „Weil die Sojabohne keine einheimische Pflanze ist, muss das Saatgut mit Knöllchenbakterien beimpft werden“, erläutert Phieler. Kurz nach der Aussaat wurde auf den Feldern ein Herbizid gegen Unkraut ausgebracht. Den Grund verdeutlicht ein sogenanntes „Spritzfenster“ – eine kleine Fläche, die nicht behandelt wurde. Dort haben Gräser und Kräuter die jungen Pflanzen förmlich überwuchert. In der Bio-Landwirtschaft müsse Soja mit entsprechend breiterem Reihenabstand ausgesät werden, um den Bewuchs mechanisch mit Striegel und Reihenhacke entfernen zu können.

Weiterer Pflanzenschutz oder Dünger sei nicht nötig gewesen. Weil Soja in Deutschland bislang kaum angebaut wird, sei der Krankheits- und Schädlingsdruck gering. Probleme bereitet hätten aber Tauben, die die jungen Pflanzentriebe anpickten, berichtet Phieler. Dass die Felder derzeit in voller Blüte ist erst auf den zweiten Blick erkennbar: Die violetten Blütenblätter sind klein und unscheinbar. Im Laufe des Monats bilden sich daraus wenige Zentimeter lange Sojahülsen mit zwei bis sechs Bohnen.

Sojabohnen müssen in den Toaster

Anders als in Amerika wird in Europa kein gentechnisch verändertes Soja angebaut. Die Landwirte in Gethsemane haben Sorten mit vergleichsweise kurzer Reifezeit ausgewählt – voraussichtlich Ende September oder Anfang Oktober rückt der Mähdrescher an.

Wegen des niedrigen Hülsenansatzes müsse das Schneidwerk möglichst tief eingestellt werden. „Die Gefahr, dass Steine und Erde in die Maschine gelangen, ist dadurch groß“, weiß Marcel Phieler.

Je nach Sorte und Anbaubedingungen schwanke der Ertrag zwischen 25 und 40 Doppelzentnern pro Hektar. Bei Preisen von aktuell 35 bis 40 Euro pro Doppelzentner und vergleichsweise geringem Aufwand könne sich der Anbau für Landwirte durchaus lohnen. Besonders gefragt seien Sojabohnen in Bio-Qualität, die auch in der Lebensmittelindustrie verwendet werden. In einem bundesweiten Forschungsprojekt der Uni Hohenheim sucht ein Tofu-Hersteller nach Sorten, die für alle Klimazonen geeignet sind.

Das in Gethsemane angebaute Soja sollen an die Milchkühe des Guts Gethsemane verfüttert werden. Schweine und Hühner vertragen im Gegensatz zu Wiederkäuern die rohen Bohnen nicht. Durch eine Wärmebehandlung muss vor dem Verfüttern zunächst ein verdauungshemmender Inhaltsstoff ausgeschaltet werden. Der Landhandel in der Region verfüge bislang nicht über die technische Ausrüstung für diesen „toasten“ genannten Vorgang, verdeutlicht Marcel Phieler. Landwirten rät er deshalb, bereits vor dem Anbau einen Abnehmer zu suchen. 

Unscheinbar: Die Blüten der Sojabohnen sind auf den ersten Blick kaum zu erkennen.

Hintergrund: Anbaufläche für Soja wird größer

Im Vergleich zu heimischen Eiweißpflanzen verfügt Soja über einen höhren Proteingehalt und einen niedrigeren Bitterstoffanteil. Dank eines Ölgehalts von 20 Prozent gilt die Pflanze als weltweit wichtigste Ölsaat. Allerdings stellt die Pflanze höhere Ansprüche an Boden und Klima. Das Julius-Kühn-Institut weist im Kreis Hersfeld-Rotenburg lediglich die Flusstäler von Fulda und Werra als „ausreichend geeignet“ für den Anbau aus. 

Von deutschlandweit weniger als 1000 Hektar im Jahr 2007 stieg die Anbaufläche auf 19.000 Hektar und eine Gesamt-Erntemenge von 61.000 Tonnen im vergangenen Jahr. In Hessen wurden 2017 rund 560 Hektar Ackerfläche mit Sojabohnen bestellt – das entspricht rund 785 Fußballfeldern.

Quelle: HNA

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