Deutlich weniger Kunden in den Innenstädten im Landkreis

Einzelhandel zieht ernüchternde Bilanz des Weihnachtsgeschäfts

Das Foto zeigt den  Chef der Hoehlschen Buchhandlung, Jürgen Bode mit den Bestsellern „In ewiger Freundschaft“ von Nele Neuhaus und „Playlist“ von Sebastian Fitzek.
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Trotz Corona positiv gestimmt: Der Chef der Hoehlschen Buchhandlung, Jürgen Bode, zeigt sich zufrieden mit dem Weihnachtsgeschäft in Bebra und Bad Hersfeld. Die Bestseller in den vergangenen Wochen waren „In ewiger Freundschaft“ von Nele Neuhaus und „Playlist“ von Sebastian Fitzek.

Der Einzelhandel im Kreis Hersfeld-Rotenburg hat im wichtigen Weihnachtsgeschäft deutliche Einbußen hinnehmen müssen. Wegen der Corona-Pandemie kamen weniger Kunden.

Hersfeld-Rotenburg – Nachdem das Weihnachtsgeschäft im Jahr 2020 für den stationären Einzelhandel komplett ausgefallen war, konnten die Kunden im vergangenen Jahr wieder vor Ort Geschenke shoppen – allerdings mit Einschränkungen. Seit dem letzten, nicht von der Corona-Pandemie betroffenem Weihnachtsgeschäft in 2019 mussten die Händler herbe Einschnitte erfahren, auch im Landkreis Hersfeld-Rotenburg.

„Als Modegeschäft hatten wir es mit den gesetzlichen Auflagen schwer, vor allem wegen der 2G-Regel“, sagt Thomas Ose vom Modecentrum Sauer. Das Geschäft hatte Extrakosten wegen der Auflagen, die sie erfüllen mussten. Das sei auch für die Angestellten schwer gewesen, denn die, die am Eingang Impfpässe kontrolliert haben, wären natürlich lieber ihren eigentlichen Aufgaben nachgekommen – Verkauf und Kundenberatung, berichtet Ose.

Darin stecke auch die Zwickmühle: „Wir müssen zwischen Pest und Cholera entscheiden.“ Auf der einen Seite sei man natürlich froh, dass das Geschäft geöffnet sein kann. Auf der anderen Seite müsse man aber mit den zusätzlichen Aufwendungen klarkommen und gleichzeitig die Kunden, die noch kommen, bestmöglich betreuen, sagt Thomas Ose.

Insgesamt sei die Zahl der Kunden im Hersfelder Modehaus um 40 Prozent zurückgegangen. Die Tage zwischen den Jahren seien aber dafür gut frequentiert gewesen, sagt Ose. Allerdings sei das ein normales Phänomen, weil einige Leute in dieser Zeit mehr Zuhause seien, so Ose.

Dass die Frequenz in den Innenstädten grundsätzlich niedriger ist, stellt auch Stefan Pruschwitz von der Stadtentwicklung Bebra (SEB) fest. Seiner Einschätzung nach, ist das Weihnachtsgeschäft in der Stadt Bebra schlechter ausgefallen als im Referenzjahr 2019.

Mit Blick auf die negativen Einflüsse der Pandemie auf den Einzelhandel sagt Pruschwitz: „Es wäre nötig, ab sofort wieder einen Normalbetrieb zu haben.“ Die Situation verschlechtere sich von Woche zu Woche. Bebra sei aber in der glücklichen Situation, dass die Händler in der Vergangenheit gut gewirtschaftet haben und Bebra als Einzugsgebiet für Kunden stabil sei. Doch die Rücklagen werden bald aufgebraucht sein, vermutet er.

Auch Thomas Ose hofft, bald wieder in sichere Fahrwasser zu kommen. Zwar sei es in dieser Zeit von Vorteil, dass das Modecentrum Sauer Teil der großen Vockeroth-Modehäuser ist, dennoch sei man nach zwei Jahren Corona stark gebeutelt. „Die Entwicklung tut uns weh“, sagt Ose.

Jürgen Bode, Inhaber der Hoehlschen Buchhandlungen in Bebra und Bad Hersfeld ist froh, dass seine Branche nicht von der 2G-Regelung betroffen ist. Auch von größeren Lieferengpässen seien seine Buchhandlungen nicht betroffen gewesen, sagt er.

Dennoch habe auch er einen Rückgang von etwa 10 Prozent bei Kundenzahl und Umsatz hinnehmen müssen. „Wenn die Menschen nicht ins Schuh- oder Modegeschäft gehen, dann kommen sie auch nicht zu uns“, sagt Bode mit Blick auf die allgemeine Corona-Situation in den Innenstädten. Der eigene Online-Shop sei dafür in der Vergangenheit gut gelaufen: Er habe die coronabedingten Einschränkungen im Geschäft vor Ort zwar nicht ausgeglichen aber immerhin abgedämpft, sagt Bode.

Dass der Online-Handel im Allgemeinen eine Bedrohung für den stationären Einzelhandel darstellt, betont Torben Schäfer von der Marketing- und Entwicklungsgesellschaft Rotenburg (MER). „Der Einzelhandel ist massiv angeschlagen“, sagt er. Von Rotenburger Händlern habe er vor Weihnachten rückgemeldet bekommen, dass es bei der Kundenzahl teilweise einen Rückgang von 80 Prozent gegeben habe, vor allem zu der Zeit, als es für den Einzelhandel strengere Corona-Auflagen gab.

Die Einführung der 2G-Bändchen in Bebra (seit 20. Dezember) und Bad Hersfeld (seit 27. Dezember) sorgen laut Einschätzung der Befragten nicht für einen Anstieg der Kundenzahlen. Sie seien lediglich ein Entgegenkommen des Einzelhandels gegenüber den Kunden, um ihnen das Einkaufen zu erleichtern. „Deshalb kommen aber nicht mehr Kunden in die Geschäfte. Die Kaufentscheidung hängt nicht vom Tragen eines Bändchens ab“, sagt Stefan Pruschwitz.

Thomas Ose hat den Eindruck, dass die Bändchen bei den Kunden gut ankommen und sie grundsätzlich zufrieden seien. Was bleibt, ist Planungsunsicherheit: „Wir wissen nicht, was noch auf uns zukommt“, sagt Ose. Man habe aber Vorbereitungen getroffen, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seien gut eingeschworen. Der Chef der SEB Pruschwitz zeigt sich dankbar für den Einsatz der Verkäuferinnen und Verkäufer, die in der schweren Zeit der Corona-Pandemie an den Arbeitsplatz gekommen sind. (Laura Hellwig)

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