Historische Fotos

"Ein Schmuckstück": Leser erinnern sich an Ferienstätte Meeschendorf

Im besten Lausbuben-Alter: Bernd Weber (sitzend rechts) hat noch viele Erinnerungen an eine Klassenfahrt Anfang der 60er-Jahre in die Ferienstätte Meeschendorf. Er und seine Zimmerkameraden stellten allerlei Unfug an.

Rotenburg. Geht es um Meeschendorf, wird es emotional: Die Ferienstätte des Kreises soll verkauft werden - viele Leser haben aber schöne Erinnerungen an den Urlaub auf Fehmarn. 

Ein Familienurlaub mit der Tante, zwei Wochen direkt am Ostseestrand: So ging es los mit Bernd Weber und Meeschendorf. 1959 war das, und der Rotenburger im besten Lausbuben-Alter. 

Es war der erste von vielen Fehmarn-Besuchen für den mittlerweile 67-Jährigen: Seit 35 Jahren ist er als Rettungsschwimmer am Ostseestrand vor den Toren der Ferienstätte des Landkreises Hersfeld-Rotenburg im Einsatz.

Erlebnisse, an die man sich gern erinnert: Bernd Weber mit DLRG-Shirt und seinen Meeschendorf-Fotoalben.

Weber hatte sich auf einen Aufruf unserer Zeitung gemeldet, alte Erinnerungen an Meeschendorf samt Fotos einzuschicken. Geschichten kann der Rotenburger viele erzählen: vom heimlichen Nacktbaden etwa bei der Klassenfahrt im Jahr 1961. 

Und vom Kühe „borgen“, was heißt, dass die Tiere von der Weide geholt und an einen Fahnenmast gebunden wurden. Mit roter Farbe ließen Weber und seine Klassenkameraden anschließend noch ihr Autogramm da: „Schöne Grüße aus Meeschendorf.“ 

Die erste Freundin, der erste Kuss? Auch das.

Alte Fotos aus Meeschendorf: Leser teilen ihre Erinnerungen

Erinnerungen von Heidrun Ernst aus Rotenburg: Mit 15 Jahren zog es Heidrun Ernst (Foto) 1965 nach Meeschendorf. Es war der erste Urlaub ohne Eltern, nur mit den Freundinnen.

Enger Zusammenhalt: Abends zog es die Freundinnen oft an den Strand. „Da wurde schon mal Wein getrunken und die Jungs waren auch in dem Alter, dass sie sich für uns interessiert haben“, erinnert sie sich.

Erinnerungen von Sina Stutzmann aus Bebra: Beim Aufräumen fand sie ihre alte „Kladde“, ein benotetes Tagebuch von der Klassenfahrt nach Fehmarn im Jahr 2005. Besonders vor Augen steht ihr noch das erklärte Ziel der Fahrt: Haare tönen, also mit anderer Haarfarbe heimkommen, als man sie bei der Abfahrt in Bebra hatte.

Gekauft wurde die Farbe in Fehmarns Zentrum Burg. Getönt wurde „so heimlich wie möglich, aber dennoch mit großer Sauerei“ im großen Gemeinschaftsbad. Das Foto zeigt Sina Stutzmann in einem Hochseilgarten - natürlich mit schwarz getönten Haaren.

Erinnerungen von Melanie Nabitz aus Philippsthal: Sie war Anfang der 90er-Jahre mit einer Freundin zum ersten Mal in Meeschendorf. Zum Abschluss wurde natürlich ein Gruppenfoto gemacht. Beim durchschauen alter Fotoalben Jahre später erlebte Melanie Nabitz dann eine Überraschung. 

„Als ich später alte Fotos anschaute, stellte ich fest, dass ich damals in Meeschendorf neben meinem jetzigen Mann stand“, schreibt Melanie Nabitz uns heute. „Wir hatten keine Ahnung und wie es der Zufall wollte, lernten wir uns fünf Jahre später kennen und sind heute noch zusammen.“ Melanie und Timo Nabitz sind verheiratet, haben drei Kinder – und denken immer gerne an die Zeit in Meeschendorf zurück.

Im besten Lausbuben-Alter: Bernd Weber (sitzend rechts) hat noch viele Erinnerungen an eine Klassenfahrt Anfang der 60er-Jahre in die Ferienstätte Meeschendorf. Er und seine Zimmerkameraden stellten allerlei Unfug an.

Auf dem „Sünderbänkchen“: Die Bänke in Meeschendorfs Mitte waren in den 60-ern ein beliebter Treffpunkt.

Strandblick einmal umgekehrt: Meeschendorf in seinen Anfängen - mit Zelten und noch ohne Häuser.

Rarität: Eine frühe Luftaufnahme der Erholungsstätte Meeschendorf aus dem Jahr 1960.  

Die Einweihung des DLRG-Wachhäuschens am Ostseestrand vor den Toren von Meeschendorf - damals bestand das Gebäude noch aus Holz.

Erinnerungen von Ida-Marie Frank: Die ersten Ferien, die nicht Zuhause stattfanden - Ida-Marie Frank verbindet unglaublich schöne Erinnerungen damit. Auf dem Bild sieht man sie und ihren kleinen Bruder Julius Frank beim Drachensteigen in Meeschendorf im Herbst 2005. "Kurz bevor das Bild entstand flog meinem Bruder der Drache weg, weshalb er dann an seiner Jacke festgebunden wurde", schreibt sie. 

Erinnerungen von Anja Ullrich: Meeschendorf hieß das Ausflugsziel aller 7. Klassen der Brüder-Grimm-Schule Bebra 1987. "Wir haben dort eine wunderbare Zeit verbracht", erinnert sich Anja Ullrich. "Damals gab es auch noch keine Handys. Deshalb war der Zusammenhalt noch viel intensiver und man hat zusammen Sport gemacht, Gesellschaftsspiele gespielt oder Zeit am Strand verbracht."

„Es sind tolle Erinnerungen, wie sie alle haben, die dort waren“, sagt Weber. Auch deshalb hat es ihn immer wieder nach Fehmarn gezogen.

Statt Familienurlaub zu machen leisten die Webers am Ostseestrand Familiendienst

 Bis zu seinem Ruhestand war der Steuerbeamte mindestens drei Wochen im Jahr für die DLRG am Meeschendorf-Strand und für die Sicherheit an der Küste zuständig. Nun verbringt er den Großteil des Sommers dort, als „Rettungswachenleiter Küste“. 

Seit vier Jahren fährt seine Frau Gitta als Sanitäterin mit, beide Söhne sind in die Fußstapfen des Vaters getreten und für die DLRG im Einsatz: Familiendienst statt Familienurlaub also.

Nachholbedarf: ja - Verkauf: nein

Dass der Kreistag den Weg frei gemacht hat für den Verkauf der Ferienstätte, macht Weber wütend: „Meeschendorf ist ein Schmuckstück, das mit Absicht vor die Wand gefahren wurde“, sagt er. Natürlich habe die Anlage Überholungsbedarf – besonders im Jugendbereich. Bei den Toiletten.

Dennoch sei die kreiseigene Ferienstätte von Mitte Juni bis Mitte September – zur Hauptsaison – rappelvoll. „Ich treffe jedes Jahr viele Familien aus Bad Hersfeld und Rotenburg wieder“, so Weber.

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