Ein fleckiges Hobby

Linda Mikosch nimmt mit ihren Tieren an Rinderschauen teil

Wenn Linda Mikosch auf die Weide kommt, kommt die Herde gleich für ein paar Kuscheleinheiten zu ihr. Das klappt natürlich besonders gut, wenn es – wie hier – Leckerlis gibt.
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Wenn Linda Mikosch auf die Weide kommt, kommt die Herde gleich für ein paar Kuscheleinheiten zu ihr. Das klappt natürlich besonders gut, wenn es – wie hier – Leckerlis gibt.

Linda Mikosch aus Rotenburg hält mit dem Braacher Karsten Heinze 22 Rinder der Rasse Simmentaler Fleckvieh und nimmt mit den Tieren an Zuchtschauen teil.

Wenn Linda Mikosch ihre Rinder auf der Weide besucht, nimmt sie sich Zeit. Da wird mal ein bisschen gekuschelt, da wird mal spontan eine Perücke aus Blättern drapiert. Die 30-Jährige hält zusammen mit dem Braacher Karsten Heinze 22 Tiere der Rasse Simmentaler Fleckvieh. Für die beiden ist die Rinderhaltung ein Hobby, das sie gelegentlich auch bis nach Sachsen verschlägt.

Mit Landwirtschaft hatte die Industriemechanikerin bis vor vier Jahren nichts am Hut. Bei einem Besuch auf der Weide ihres Bekannten aus Braach verliebte sie sich in das Kalb Emma. Heinze nahm schon damals regelmäßig an Rinderschauen teil. Dafür müssen die Tiere „führig“ gemacht werden – also lernen, am Halfter zu gehen. Das übte die Rotenburgerin mit Emma und hatte daran so viel Spaß, dass sie gleich mit einstieg in die Rinderhaltung ihres Bekannten. Seitdem fahren sie zweimal im Jahr zu Schauen, um sich mit anderen Züchtern zu messen. Für Vollerwerbslandwirte sind diese Veranstaltungen auch wirtschaftlich wichtig. Für das Duo aus Rotenburg und Braach steht der Spaß im Vordergrund.

„Es ist spannend, sich mit anderen zu messen“, sagt Linda Mikosch. Bewertet werden zum Beispiel die Bemuskelung und die Skelettform. Beim Fleckvieh wird außerdem unter anderem Wert auf einen weißen Kopf, eine weiße Schwanzspitze und natürlich auf die Flecken gelegt. Um diese Ziele zu erreichen, setzen Mikosch und Heinze gezielt Genetik ein. Ein Zuchtbulle bleibt immer drei Jahre lang bei der Herde, dann kommt ein neuer. Manchmal sorgt aber auch eine Besamung für den Nachwuchs, wenn mal „etwas Besonderes“ ausprobiert werden soll.

Jungbulle Edward beim Fotoshooting.

Linda Mikosch sind die Tiere sehr ans Herz gewachsen. Die Kälber bleiben rund ein Dreivierteljahr bei den Kühen und werden dann nicht geschlachtet, sondern an andere Zuchtbetriebe weiterverkauft. Sie haben Zuchtpapiere der Herdbuch-Klasse A – das ist die höchste Stufe. Bei den Rinderschauen achten die leidenschaftliche Naturfotografin und ihr Mitstreiter darauf, dass die Wochenenden für ihre Tiere möglichst stressfrei verlaufen. Deswegen reisen sie stets schon einen Tag früher an, damit sich die Rinder an den Trubel gewöhnen können. Für weitere Anfahrten, etwa nach Sachsen, tun sie sich mit anderen Züchtern zusammen und mieten einen speziellen Lkw, um die Reise für die Tiere angenehmer zu machen.

Vor dem Wettbewerb werden die Rinder gebürstet, gewaschen und manchmal auch geschoren. Sobald sie das Halfter in die Hand nimmt, sind die Rinder mit Freude dabei: Sie wissen, dass es danach Leckerlis gibt. Linda Mikosch dreht mit ihren Schützlingen eine Runde im Ring, während alle Augen auf sie gerichtet sind. Besonders die des Richters. Manchmal gibt es auch noch eine zweite Runde – die Sieger bekommen dann Geldpreise, Gutscheine oder Pokale.

Nun sind die meisten Schauen wegen der Corona-Pandemie zwar erst mal abgesagt. Abgesehen davon kann sich die Rotenburgerin aber darüber freuen, dass sie ein Hobby hat, dem die Corona-Richtlinien nicht im Wege stehen. Im Gegenteil: Für das eine oder andere Fotoshooting mit ihren Tieren hat sie im Moment sogar etwas mehr Zeit als sonst. czi

Im Fokus: Linda Mikosch bei einer Rinderschau im Sachsen. Links ist der Richter zu sehen.

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