Nach schwerem Unfall

Ein Wunder: Norman Hofmann fand zurück ins Leben

Er trägt einen Rucksack mit Erfahrungen, „die niemand braucht“: Norman Hofmann war im Sommer 2014 schwer verunglückt, Jetzt sagt er. „Das Leben hat mich wieder.“ Foto: Schäfer-Marg

Rotenburg. Sein Schicksal hat 2014 viele Menschen bewegt: Norman Hofmann, Polizist und Fußballtrainer aus Rotenburg, war bei einem Motorradunfall schwer verletzt worden. Jetzt findet er zurück ins Leben.

Sechs Wochen fehlen im Leben von Norman Hofmann. Sie sind einfach ausgelöscht. Der 55-jährige Polizeibeamte aus Braach, den man im Kreis Hersfeld-Rotenburg vor allem über den Fußball kennt, hatte im Juni 2014 einen Motorradunfall. Er erlitt schwerste Kopfverletzungen. Hofmann kämpfte sich ins Leben zurück.

Der 27. Juni 2014 

Norman Hofmann hatte an diesem schönen Freitag Urlaub und nutzte ihn zur Gartenarbeit zu Hause in Braach. Am späten Nachmittag wollte er spontan eine kleine Runde mit seiner Kawasaki drehen, einem Softchopper-Oldtimer. „Ich wollte mal beim Jugendtraining auf dem Wittich (SV-Sportplatz) vorbeischauen und dann über den Dickenrück zu meinem Bruder Rüdiger nach Lispenhausen fahren.“ erzählt er. Die beiden Brüder hatten Großes vor: Sie wollten zum Fußball-WM-Viertelfinalspiel nach Rio reisen. Tickets, Hotel - alles war vorbereitet. Norman Hofmann erinnert sich nur noch daran, dass er sich zur Motorradfahrt umzog.

Im Polizeibericht hieß es, dass kurz hinter der Ortseinfahrt Rotenburg ein Kleintransporter nach links abbog. Der sehr junge Fahrer hatte das entgegenkommende Motorrad, das Vorfahrt hatte, übersehen. Norman Hofmann hatte keine Chance, den Zusammenprall zu verhindern.

Die Verletzungen 

„Der Helm hat mir das Leben gerettet“, sagt der erfahrene Motorradfahrer. Dennoch: Ober- und Unterkiefer brachen durch den Aufprall mehrfach. Sein Kopf war vollkommen entstellt. „Es war, als hätte man aus einem Zelt die Stäbe entfernt“. Mit einem Rettungshubschrauber wurde er in die Städtischen Kliniken nach Kassel gebracht. Vier Wochen lag er im Koma und kämpfte um sein Leben. Weitere zwei Wochen dauerte die Aufwachphase. In dieser Zeit erlitt er zwei Lungenentzündungen und musste gegen einen Keim kämpfen. Er verlor 25 Kilo an Gewicht.

Die Familie 

Hofmanns Frau Jutta kam zufällig zum Unfallort, weil sie ihren Sohn Christian in Rotenburg abholen wollte. Sie wurde nicht zu ihrem Mann gelassen, der von Rettungskräften behandelt wurde.

Für die gesamte Familie, zu der noch Tochter Alena gehört, begann die Phase des Hoffens und Bangens. Täglich waren die Angehörigen am Krankenbett. Ein sehr stabiles Netz aus Großfamilie und guten Freunden chauffierte die Familie abwechselnd nach Kassel und stützte sie während der gesamten Zeit.

Bei WM-Spielen der deutschen Nationalmannschaft legte Sohn Christian die Deutschlandfahne über die Bettdecke und schilderte seinem Vater das Spiel. „Man hatte uns gesagt, dass die Stimmen von Angehörigen die Aufwachphase positiv beeinflussen können“, erzählt Jutta Hofmann. „Deshalb haben wir sehr viel geredet.“ Aber da war immer auch die Angst, in welchem Zustand die Hofmanns Norman zurückbekommen. Als Pflegefall?

Die Reha-Phase

„Als ich wieder zu mir kam, merkte ich relativ schnell: Die Festplatte hat gehalten“, erinnert sich Norman Hofmann. Er verstand seine Angehörigen und konnte sich mit krakeliger Schrift mit ihnen verständigen. Sprechen funktionierte wegen der Schläuche im Kehlbereich nicht. Bis zum 4. September war Hofmann in Kassel, sein Gesicht war von dem Mund-Kiefer und Gesichtschirurgen Dr. Arwed Ludwig und seinen Kollegen wieder aufgebaut worden. „Höchste Anerkennung“ zollt Norman Hofmann dieser ärztlichen Leistung.

Dann wechselte der Patient zur Reha in die neurologische Klinik Westend nach Bad Wildungen - und saß im Rollstuhl. Für ihn begann das, was der ehemalige Coach der Seniorenmannschaft der SG Rotenburg/Lispenhausen „Trainingslager“ nennt.

Sechs bis sieben Therapieformen bewältigte er am Tag. Besuch empfing er in dieser Zeit nur von der engsten Familie, er wollte sich ganz und gar auf die Genesung konzentrieren - mit Erfolg. „Ich sehe da eine Analogie zum Sport: „Durch Willen und Motivation kann man fast alles erreichen. Man muss sich Ziele setzen und diese immer steigern.“

Die Rückkehr 

Am 15. Oktober 2014 kehrte Norman Hofmann nach Hause zurück. Es folgten ambulante Therapien und eine ständige Verbesserung seines Zustands. Die Wiedereingliederung bei der Bereitschaftspolizei in Kassel, wo er in der Führungsgruppe Einsätze koordiniert und disponiert, begann am 1. April 2015. Seit Juli arbeitet Norman Hofmann wieder voll. „Eigentlich ist es ein Wunder, dass ich das Leben wieder auf die Reihe bekommen habe“ sagt er.

Quelle: HNA

Kommentare