Ehemann rastet aus und verletzt seine Frau mit einem Messer

Bad Hersfeld. Ein 48 Jahre alter Frührentner hat seiner Ehefrau mit einem Küchenmesser eine Schnittwunde im Nackenbereich beigebracht. Vor dem Schöffengericht in Bad Hersfeld musste er sich dafür am Mittwoch verantworten.

Ein erstaunliches Paar seien der Angeklagte und seine Frau, sagte Richter Michael Krusche, nachdem das Schöffengericht in Bad Hersfeld den Ehemann wegen gefährlicher Körperverletzung zu neun Monaten Freiheitsstrafe verurteilt hatte. Denn während der Beweisaufnahme hatte sich der 48 Jahre alte Frührentner als treusorgender Helfer seiner schwerst kranken Gattin erwiesen.

Doch am Abend des 10. Dezember 2012 war der Hersfelder im Streit mit der Gattin derart ausgerastet, dass er ihr mit einem Küchenmesser eine sechs Zentimeter lange, allerdings nur oberflächliche Schnittwunde im Nackenbereich beibrachte.

In der Anklageschrift von Staatsanwältin Christina Dern las sich dies ganz einfach: Hintergrund der Auseinandersetzung soll die Ankündigung der 42-Jährigen gewesen sein, sich zur Aufbesserung des kargen Familieneinkommens prostituieren zu wollen.

Wer die kranke Frau am Mittwoch mit ihrem Rollator auf wackeligen Beinen in den Gerichtssaal kommen sah, wusste jedoch, dass dieser Äußerung jeglicher Realitätsbezug gefehlt hatte.

Jeden Tag Alkohol

Vielmehr ist bei den Eheleuten, die beide unter gerichtlicher Betreuung stehen, der Alkohol das große Thema. Jeden Tag wird massiv getrunken, zwar erst ab Mittag, doch dann Schnaps gemischt mit Limo. Mindestens 2,6, aber vielleicht auch drei Promille hatte der Mann am Tatabend intus, seine Frau bei der nächtlichen Blutentnahme im Krankenhaus 2,7 Promille. Ein Tatzeitwert ließ sich wegen verabreichter Infusionen nicht mehr feststellen.

Immer wieder mal falle seine Frau ins Delirium, berichtete der Angeklagte, und rede wirr. Ihr schlechter körperlicher Zustand sei eine Folge des Alkoholmissbrauchs. Ihre Vernehmung im Zeugenstand brach Richter Krusche nach wenigen Sekunden ab, weil seine Fragen offenbar nicht verstanden wurden.

Der Betreuer und die Haushaltshilfe schilderten den 48-Jährigen als liebevollen Ehemann, der seine Frau täglich bekoche, sie wasche und der die Wohnung in Schuss hält. „Respekt“ meinte dazu Richter Krusche, denn auch der Frührentner benötigt Gehhilfen.

Während der Angeklagte den Vorfall als unglückliches Versehen schilderte, nach dem er selbst den Notruf gewählt hatte, ergaben die Aussagen der eingesetzten Polizisten ein etwas anderes Bild: Man habe die Wohnungstür aufbrechen müssen, und der Hausherr sei in bedrohlicher Haltung auf die Ordnungshüter zugekommen.

Auch bei den anschließenden Vernehmungen habe der Hersfelder die Anklageversion mehr oder weniger eingeräumt, jedoch betont, dass er seine Frau nicht habe umbringen wollen. Das Gericht attestierte dem Angeklagten im Urteil verminderte Schuldfähigkeit.

Von Karl Schönholtz

Quelle: HNA

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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