Als bargeldloses Zahlen noch neu war

50 Jahre EC-Karten in der Region: Das sagen Experten heute zum Ende des Bargelds

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Scheckkarten-Herstellung vor 40 Jahren: Alfons Rettig (links) und Jens Hansen von der Sparkasse Bad Hersfeld-Rotenburg zeigen eine historische Drehstanze, die im Museum des Geldinstituts zu bestaunen ist. 

Hersfeld-Rotenburg. Vor 50 Jahren haben deutsche Kreditinstitute in der Region erstmals Scheckkarten ausgegeben. Wir blicken zurück – und verraten, was Experten heute zum Ende des Bargelds sagen.

Wir Deutschen lieben unser Bargeld. Das war schon immer so. Nicht schlecht staunte man da, als am 15. Januar 1968 die erste Scheckkarte von deutschen Kreditinstituten ausgegeben wurde. Die sogenannte Eurochequekarte, kurz EC-Karte, sollte das bargeldlose Bezahlen vereinfachen. Was viele nicht wissen: Inzwischen gibt es die EC-Karte nicht mehr. Bis 2001 diente sie als Garantiekarte für die Einlösung von Eurocheques, die ebenfalls ausgedient haben. Aus der Eurochequekarte wurde die Electronic-Cash-Karte. Seit 2007 heißt sie offiziell Girocard – und gehört fest zum Alltag der Deutschen.

Gänzlich auf Bares verzichten will hierzulande trotzdem fast niemand. Alfons Retting von der Sparkasse Bad Hersfeld-Rotenburg kennt dieses Phänomen: „Deutschland ist Bargeldland. Mehr als die Hälfte aller Geldgeschäfte werden immer noch bar beglichen.“

Bargeld für Kostenkontrolle

Michael Wollweber

Woher diese beständige Treue zu Münzen und Scheinen kommt? Für Michael Wollweber, Vorstandsmitglied der Raiffeisenbank Werratal-Landeck, ist klar: „Der Verbraucher hält etwas in den Händen. Er sieht, was er ausgibt und hat damit die volle Kostenkontrolle.“ Allein deswegen gibt Wollweber dem Bargeld, auch wenn immer wieder vom Ende des Bargelds gesprochen wird, „noch mindestens 20 Jahre“.

Ginge es nach Banken und Händlern, wäre das Bargeld längst Geschichte. Klar, denn die Scheine und Münzen verursachen vor allem Kosten. Für Personal, das Münzen und Scheine zählt, auf ihre Echtheit prüft, verbucht und transportiert, aber auch für den Bankautomaten, der gewartet und überwacht werden muss.

Neben der Kostenersparnis zählten auch sicherheitstechnische Gründe, meint Jens Hansen von der Sparkasse: „Seit wir in unseren Bankfilialen nur noch geringe Bestände an Bargeld lagern, ist auch die Zahl der Überfälle drastisch zurückgegangen.“ Geldinstitute wie die Sparkasse, aber auch Telekommunikationsunternehmen werben seit Jahren für kontaktloses Bezahlen. Hierbei hält der Kunde einfach sein Handy an ein entsprechendes Karten-Terminal, um seine Rechnung im Supermarkt zu begleichen. Klingt bequem, ist den Deutschen aber nicht ganz geheuer. Unsicherheit und die Furcht vor Datenverlust oder Hackerangriffen sind nach wie vor präsent.

Bis zu 90 Jahre alt: Schecks und Scheckhefte, die die Sparkasse Bad Hersfeld-Rotenburg über die Jahre gesammelt hat.

Überraschend ist die heutige Skepsis allerdings nicht. Jens Hansen erinnert sich noch, wie groß der Widerstand in der Bevölkerung war, als 1981 der erste Sparkassenautomat in Bad Hersfeld aufgestellt wurde. Plötzlich war da eine Maschine, die den klassischen Kassierer ersetzen sollte. „Muss man nicht ausprobieren“, tönte es damals aus den Reihen.

Museum der Sparkasse Bad Hersfeld-Rotenburg

Seit 2006 betreibt die Sparkasse Bad Hersfeld-Rotenburg ein eigenes Museum im Obergeschoss ihrer Filiale. Hier finden sich knapp zwei Jahrhunderte regionaler Sparkassengeschichte in Form von ausrangierten Maschinen und historischen Originaldokumenten. 60-minütige Führungen werden für Privatpersonen, Vereine und Institute kostenlos angeboten. Mehr Infos bei Alfons Rettig: Tel. 0 66 21 /85 1371. 

Quelle: HNA

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