Jungvögel-Foto 

Druck auf geplanten Windpark Katzenstirn: Stölzinger Gebirge ist Storchland

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Zehn Schwarzstörche und ein Graureiher: Insgesamt sollen sogar 14 Vögel vor Ort gewesen sein. Der Schwarzstorch sei im Altkreis Rotenburg gut vertreten, heißt es vom Nabu, er steht dennoch auf der Roten Liste für gefährdete Arten der staatlichen Vogelschutzwarte Hessen.

Rotenburg. Bürgerinitiativen wollen Windräder auf der Katzenstirn verhindern und erhöhen den Druck. Ein Foto zeigt jetzt Schwarzstorch-Nachwuchs - die Vögel genießen Schutz. 

Es ist eine bemerkenswerte Aufnahme, die Joachim Wagner gelungen ist: Der pensionierte Lehrer aus Rotenburg hat in den südwestlichen Ausläufern des Stölzinger Gebirges ein Foto von mehr als zehn Schwarzstörchen geschossen. Die Vögel haben nach den europäischen Richtlinien den höchsten Vogelschutzstatus – und könnten zu einem Problem für den geplanten Bau des Windparks auf der Katzenstirn werden.

Das Bild ist auch deshalb außergewöhnlich, weil Schwarzstörche sehr verschwiegen brüten und daher nicht einfach vor die Linse zu bekommen sind. Bei mindestens sechs der fotografierten Störche handelt es sich laut Experten vom Naturschutzbund (Nabu) um Jungvögel. 

Das übersteige das bisher bekannte Ausmaß, so Ingo Kühl (Metzebach) von der Bürgerinitiative Wald vor Windkraft, die die Anlagen auf der Katzenstirn verhindern will. Das Foto zeige mindestens drei Schwarzstorch-Paare und ihre Jungvögel und erweitere damit das ornithologische Gutachten aus dem Jahr 2015, das vom Windkraft-Unternehmen PNE Wind aus Cuxhaven in Auftrag gegeben wurde – und das weder Schwarzstörche in Metzebach, Obergude, Niedergude noch in Heinebach festgestellt habe.

Schwarzstörche haben einen hohen Aktionsradius

Das Stölzinger Gebirge mit seinen vielen kleinen Seitentälern, Gewässern und Bachläufen sei ideal für die Tiere, sagt der stellvertretende Nabu-Kreisvorsitzende Dieter Gothe. „Schwarzstörche sind eifrige Flieger und haben einen Aktionsradius von bis zu 15 Kilometern“, sagt er. Vor allem während der Aufzucht bräuchten sie viel Nahrung – und würden entsprechend weite Wege zurücklegen. Dokumentierte Erfahrungen aus dem Vogelsberg hätten eine große Gefährdung der Vögel durch Windkraft gezeigt.

Das sieht auch Roland Dilchert so, Sprecher der Bürgerinitiative zur Rettung des Stölzinger Gebirges: „Die Distanz zur Katzenstirn ist für die Vögel ein Klacks“, sagt er. Das Foto bestätige, was Vogelschützer schon lange wissen: Das Stölzinger Gebirge ist Schwarzstorchland. 

Die Vögel seien eine sogenannte windkraftrelevante Art. Es bestünde also die erhöhte Gefahr, dass die Vögel in die Schlagblätter der beinahe 240 Meter hohen Windräder fliegen, die auf der Katzenstirn (Windfeld HR 11) zwischen Obergude und Heinebach, Metzebach sowie Eubach gebaut werden sollen.

Ein ornithologisches Gutachten hatte bereits dazu geführt, dass die Betreiberfirma Windfarm Stölzinger Höhe den geplanten Bau von zwölf Anlagen zurückgezogen hatte. An der Katzenstirn lägen vergleichbare Bedingungen vor, so Dilchert.

Das Unternehmen PNE Wind wollte sich auf Anfrage unserer Zeitung zunächst nicht äußern. Zudem muss das Regierungspräsidium Kassel den Windpark noch genehmigen.

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Quelle: HNA

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