"Mein Bruder Robert"

Die dreifache Julia Zange: Schauspielerin aus Niederaula über neuen Film

+
Rollenwechsel: Julia Zange ist mal Autorin, mal Schauspielerin. Jetzt fiebert sie der Premiere ihres Films „Mein Bruder Robert“ bei der Berlinale entgegen.

Berlin. Julia Zange ist Schauspielerin und Autorin. Sie lebt in Berlin, stammt aber aus Niederaula. Jetzt fiebert sie der Uraufführung des Films „Mein Bruder Robert“ bei der Berlinale entgegen.

Im Film spielt Zange die weibliche Hauptrolle: Wir haben Julia Zange in der Hauptstadt getroffen.

Frau Zange, Sie leben seit 2006 in Berlin. Sind Sie hier heimisch geworden oder ist Niederaula immer noch das, was Sie als Ihre Heimat bezeichnen?

Julia Zange: Ich sehe mich tatsächlich mehr als Berlinerin. Ich lebe jetzt mehr als zehn Jahre hier. Es gibt die Faustregel, dass man ab zehn Jahren als Einheimischer gilt. Berlin ist meine Wahlheimat, und ich bin nicht mehr oft in Niederaula.

Ein abgeschlossenes Kapitel also?

Zange: Nö. Abgeschlossen nicht, aber... (überlegt einen Moment) ...zwischengeparkt.

In Ihrem letzten Roman „Realitätsgewitter“ beschreiben Sie eine junge Frau, die durch ihr Leben irrlichtert, bevor sie zu sich selbst findet. Steckt in dieser Figur auch Julia Zange?

Zange: Es ist definitiv eine Figur. Aber in ihr finden sich ganz viele Elemente, die ich von mir selbst kenne. Es ist sehr viel von meinen eigenen Beobachtungen und Gefühlen eingeflossen, aber es ist trotzdem ein Roman und keine Autobiografie. Nichts ist in der Reihenfolge passiert, wie es da drin steht. Die Inspirationen kommen aus der Realität, sind aber umgeformt, überhöht und mit anderen Personen zusammengeschmissen - es ist eine Fiktion.

Aktuell machen Sie als Schauspielerin von sich reden. In Philip Grönings Film "Mein Bruder heißt Robert und ist ein Idiot" spielen Sie die Hauptrolle. Wie kam es dazu?

Zange: Das ist ganz interessant, weil es über ganz viele Umwege passiert ist. Ich denke mittlerweile, das Schicksal wollte es so. Ich hatte vor einigen Jahren eine Statistenrolle in einem französischen Film, war dabei auch für das Casting zuständig und wurde auch selbst gecastet. Philip Gröning hat diese Bänder dann in Paris gesehen, als er die Hauptdarsteller für seinen Film gesucht hat. Zunächst dachte er, ich sei Holländerin, weil beim Casting englisch gesprochen wurde (lacht), aber am Ende habe ich mich in einem sehr langen Prozess durchgeschlagen.

Und Sie mussten nicht synchronisiert werden, weil sie fließend deutsch sprechen ...

Zange (lacht wieder): Zum Glück!

Der Film wird im Rahmen der Berlinale uraufgeführt. Ist das schon so etwas wie eine Auszeichnung oder gar ein Durchbruch?

Zange: Das ist auf jeden Fall eine große Auszeichnung, fast wie der deutsche Oscar. Ganz toll!

Und es garantiert Ihnen eine große Aufmerksamkeit ...

Zange: Hoffentlich!

Schauspielerin oder Autorin? Was wiegt bei Ihnen schwerer?

Zange: Ganz ehrlich: Das wechselt jeden Tag. Oder fast jede Stunde. Wenn Sie mich heute morgen gefragt hätten, hätte ich gesagt: Autorin. Wenn Sie mich jetzt gerade fragen, sage ich: Schauspielerin.

Oder gibt es sogar noch eine dritte Julia Zange?

Zange: Ja, es gibt auch noch die private Julia Zange, wobei man sagen muss, dass sich alle drei überschneiden.

Was kommt jetzt? Das nächste Buch oder ein neuer Film?

Zange: Gerade plane ich, ein Drehbuch zu schreiben. Ich habe einen Roman mit einem historischen Stoff gelesen, den ich sehr mag, und suche jetzt einen Produzenten.

Angenommen, bei Ihnen klopfen die Bad Hersfelder Festspiele an. Sind Sie dabei?

Zange: Puh! Das müsste man ausprobieren, denn ich bin ja keine Theaterschauspielerin. Das bräuchte Einiges an Training, um den Apparat zu haben, um die komplette Stiftsruine zu füllen. Das ist schon anders als vor der Kamera.

Quelle: HNA

Kommentare