Die gute Seele im Dorf

Dieter Etzel ist ein Baumbacher Original mit bewegender Lebensgeschichte

Blühstreifen: Den hat Dieter Etzel zusammen mit dem Alheimer Bauhofchef Lothar Brethauer am Baumbacher Fußballplatz gesät und pflegt ihn jetzt mit Hingabe. Auch von der Straße aus ist die Blütenpracht gut zu sehen. Foto:  Schankweiler-Ziermann

Baumbach. Er gehört zu Baumbach wie die Fußballer und die Kirche: Dieter Etzel ist überall dort, wo angepackt werden muss.

Er kehrt nicht nur die Straßen im Dorf und beseitigt Unkraut, sondern pflegt mit viel Liebe auch einen bunt blühenden Blumenstreifen am Baumbacher Sportplatz. Zusammen mit Lothar Brethauer hat er den Streifen angelegt, bei Trockenheit gewässert und die Pflänzchen gehegt und gepflegt.

Rund um den Sportplatz mäht der 74-Jährige regelmäßig den Rasen. Den Mäher schiebend, so kennen ihn die Fußballer, die er gerne zu Auswärtsspielen begleitet. Dann fährt er mit seinem Roller bis nach Bad Hersfeld.

Auch im Dorf ist er mit Besen und Schippe unterwegs und hält Ordnung, hilft mal im Edeka oder fährt nach Heinebach und packt bei Schnappi Wolfgang Viereckt im Gänsemarkt mit an.

Baby im Gepäcknetz

In Baumbach kennt man ihn seit frühester Kindheit. Hier ist er aufgewachsen, aber nicht geboren. Es war Krieg in Deutschland, als Dieter Etzel ein Baby war. Im Gepäcknetz eines Zuges fand die Frau des Baumbachers August Steinbach im Jahr 1943 den kleinen Dieter und nahm ihn mit nach Hause. Sie war Schaffnerin und das Ehepaar hatte keine Kinder.

Doch seine Ziehmutter starb und das Kind wurde weitergereicht von Familie zu Familie, aß überall mal mit, denn nach dem Krieg hatten viele nicht mehr als das Notwendige zum Leben. Seit dieser Zeit weiß er ganz besonders eine wärmende Heizung zu schätzen.

Haus brannte ab

Ursula Suck kennt Dieter Etzel von klein auf. Er war Mieter in ihrem Elternhaus, als er eines Tages um halb fünf Uhr in der Frühe Brandgeruch wahrnahm. Schnell weckte Dieter Etzel die ganze Familie, alle mussten das Haus verlassen, das restlos niederbrannte, wie sich Elke Suck erinnert. Heute hat er wieder eine Wohnung bei ihr im Haus.

Auf der faulen Haut liegt Dieter Etzel nie. Er hat auf den Bauernhöfen im Dorf gearbeitet, beim Bauunternehmen Knierim, in der Ziegelei Sandrock und bis zur Rente beim Bauhof der Gemeinde.

„Du sitzt niemals irgendwo“, sagt denn auch Ursula Suck. Ob Hecke schneiden oder den Hof kehren – überall packt er schon seit seiner Kindheit mit an. „Er ist die gute Seele im Dorf“, sagt die Baumbacherin.

Das weiß man in Alheim zu schätzen. So ist er bereits von der Gemeinde geehrt worden.

Gerne ist er auch unterwegs mit dem TSV Baumbach im Trainingslager oder mit einem Rotenburger Busunternehmen. Er war schon in Norwegen und mehrmals in den Alpen. Dort gefällt es ihm am besten in Großarl.

Nur am Abend sitzt der 74-Jährige dann doch mal und guckt bevorzugt Krimis und Autorennen im Fernsehen.

Quelle: HNA

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