Protest gegen Schließung

KfH will Dialyse in Rotenburg einstellen: Protest der Bürgermeister 

Eingeschränkte Lebensqualität: Ein Patient mit Kopfhörern und geschlossenen Augen versucht sich bei Musik während der Blutwäsche am Dialyse-Gerät zu entspannen.

Rotenburg. Bürgermeister Christian Grunwald spricht sich vehement gegen die Schließung der Außenstelle für Dialysepatienten im Rotenburger Herz- und Kreislaufzentrum aus.

Ein derartiger Schritt und großer Einschnitt für die betroffenen Menschen in der zurzeit ohnehin sensiblen Situation der Neustrukturierung der hiesigen Krankenhauslandschaft im Landkreis sei nicht nachvollziehbar.

Dies sei umso unverständlicher, da die Entscheidung offensichtlich im fernen Neu-Isenburg im Zentrum des Kuratoriums für Dialyse (KfH) ohne Beteiligung der regionalen Entscheidungsträger und im Wissen um die deutliche Verschlechterung für die Patienten gefallen sei.

„Es ist nicht hinnehmbar, dass durch diese Nacht- und Nebelentscheidung Menschen, die durch ihre Krankheit ohnehin schon stark in ihrer Lebensqualität eingeschränkt sind, künftig neben der rund vierstündigen Blutwäsche dreimal wöchentlich noch mindestens eine Stunde zusätzliche Fahrtzeit aufgebürdet bekommen“, kritisiert Grunwald. Gerade diese Menschen müssten Bedingungen haben, die ihnen trotz der Krankheit ein selbstbestimmtes Leben ermöglichten.

Georg Lüdtke

Vor allem im ländlichen Raum seien wohnortnahe Dialysezentren ein besonderer Standortfaktor, längere Fahrtzeiten nicht zumutbar, erklärt Grunwald (CDU), der von seinem Amtskollegen Georg Lüdtke (SPD) aus Alheim voll unterstützt wird. Es sei vollkommen unverständlich, so Lüdtke, den Betroffenen aus Alheim den weiten Weg nach Bad Hersfeld mehrmals in der Woche zumuten zu wollen. Diese Entscheidung habe mit Bürgernähe von Versorgungsstrukturen nichts mehr zu tun und passe nicht in die heutige Zeit, betont im Einklang mit Grunwald Bürgermeister Lüdtke.

Strukturunterschiede

Die Entscheidung sei ein Paradebeispiel dafür, wie in Neu-Isenburg das Großstadtdenken des Rhein-Main-Gebiets 1:1 auf den ländlichen Raum übertragen wird“, sagt Grunwald. Das könne aufgrund der Strukturunterschiede keinesfalls funktionieren. Die KfH torpediere die Bemühungen um eine wohnortnahe Gesundheitsversorgung nachhaltig. „Die KfH muss wissen, dass wir diese mit niemandem vor Ort abgestimmte Entscheidung keinesfalls hinnehmen werden“, sagt Grunwald und dankt Landrat Dr. Michael Koch, dass er ebenfalls klar Stellung bezogen habe.

Der Bürgermeister will zusammen mit den Betroffenen und der Politik alle Hebel in Bewegung setzen, dass das KfH seine Entscheidung zurücknimmt. (ank)

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