Projekt kann nun vor Ort stattfinden

Deutschunterricht für Flüchtlinge: Lehrer dürfen in Kaserne

Rotenburg. Seit zwei Wochen bringen pensionierte Lehrer den Bewohnern der Erstaufnahmeeinrichtung Rotenburg Deutsch bei. Ein Hindernis für das Projekt ist nun beseitigt.

Weil der Unterricht bislang nicht in der Alheimer-Kaserne stattfinden durfte, mussten die Flüchtlinge quer durch die Stadt zum Bahnhof laufen. Auf Nachfrage der HNA wird diese Praxis nun verändert.

Die Initiative ist nicht einmalig in Hessen, aber schon etwas Besonderes: Seit 12. Oktober geben etwa 20 ehemalige Lehrer den Bewohnern der Erstaufnahmeeinrichtung in der Alheimer-Kaserne Deutschunterricht. Doch bislang gab es für das ehrenamtlich organisierte Projekt ein Hindernis.

Standard ist die Sprachschulung erst für Flüchtlinge, die bereits den Kommunen zugewiesen sind. Doch warum sollen die zehn bis zwölf Wochen, die Asylbewerber nach ihrer Ankunft in Deutschland in einer Erstaufnahme verbringen, nicht schon genutzt werden? „Die Sprache ist der erste Indikator für eine gelungene Integration“, sagt der Leiter der Rotenburger Erstaufnahme, Thomas Baader. Der Verein Gemeinsam in Rotenburg (GIR) nahm sich das zu Herzen und organisierte den Sprachunterricht.

Das Problem: Bislang durften ehrenamtliche Helfer die Erstaufnahme nicht betreten. Zum Schutz der Bewohner, hieß es vonseiten des Regierungspräsidiums Gießen. Deshalb wurden Räume im Bahnhofsgebäude gesucht, um den eineinhalbstündigen Unterricht dort abzuhalten. Mitte Oktober lief das Projekt an, das der GIR-Vorsitzende Karl-Heinz Lies beim jüngsten Bürgerforum zur Erstaufnahme vorgestellt hat.

Das Interesse der Flüchtlinge sei groß, hatte Lies da gesagt. Doch die bis zu zehn Kinder und Erwachsenen pro Kurs mussten für ihre Deutschstunde einmal quer durch die Stadt laufen - hin und zurück weit über eine Stunde Gehweg. Gerade im Winter bei schlechtem Wetter hätte sich das als ein Hindernis für das Projekt erweisen können, das zunächst bis Jahresende auf Probe läuft. Doch warum durfte der Deutschunterricht nicht in der Kaserne sein? Passende Räume gibt es, und die Lehrer sind alle persönlich bekannt. Dass sie keine üblen Absichten verfolgen, kann kontrolliert werden. Als die HNA eine entsprechende Nachfrage gestellt hat, sah das nun auch das Regierungspräsidium ein.

Die stellvertretende Pressesprecherin Ina Velte überbrachte die gute Nachricht: Die Regelung, dass außer Bewohnern und Mitarbeitern niemand Zugang zur Kaserne erhält, wird für die Deutschlehrer gelockert. Ab sofort kann der Unterricht direkt in der Einrichtung stattfinden. „Uns ist absolut wichtig, dass Ehrenamtler helfen können, aber wir müssen es kontrollieren“, warb Velte um Verständinis. Deshalb habe es bisher eine strenge Regelung gegeben, die nach unserer Anfrage angesichts der speziellen Verhältnisse in der Alheimer-Kaserne überprüft wurde. „Wir sind dankbar für jeden, der helfen will“, betonte Velte. Ab sofort ist das ein bisschen einfacher möglich.

Liebe Nutzer, anders als die meisten Artikel auf HNA.de können Sie diesen Text nicht kommentieren. Leider erreichen uns zum Thema Flüchtlinge so viele unangemessene und beleidigende Beiträge, dass eine gewissenhafte Moderation nach den Regeln unserer Netiquette kaum mehr möglich ist. Deshalb können Sie nur ausgewählte Artikel zu diesem Thema kommentieren. Wir bitten um Verständnis.

Quelle: HNA

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion