Hausärzte fehlen

Bürgermeister kämpfen für Medibus: Unterschriften und neue Ideen

Fünf Bürgermeister kämpfen für die Verlängerung des Pilotprojektes: von links Achim Großkurth (Cornberg), Thomas Mäurer (Weißenborn), Thomas Eckhardt (Sontra), Lars Böckmann (Herleshausen) und Ralf Hilmes (Nentershausen). Das Foto entstand vor der Corona-Pandemie.
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Fünf Bürgermeister kämpfen für die Verlängerung des Pilotprojektes: von links Achim Großkurth (Cornberg), Thomas Mäurer (Weißenborn), Thomas Eckhardt (Sontra), Lars Böckmann (Herleshausen) und Ralf Hilmes (Nentershausen). Das Foto entstand vor der Corona-Pandemie.

Das Projekt Medibus darf auf keinen Fall Ende 2020 eingestellt werden. Da sind sich die Bürgermeister der fünf Kommunen einig.

Cornberg/Nentershausen/Sontra – Für die Gemeinden, die er ansteuert, ist der Bus unerlässlich. Die Bürgermeister rufen die Bürger auf, ihre Unterschriftenaktion zur Fortführung des Projekts zu unterstützen, die bis zum 30. September läuft. Seit gut zwei Jahren fährt der Medibus, die mobile Arztpraxis der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KVH), landkreisübergreifend Nentershausen, Cornberg, Herleshausen, Weißenborn und Sontra an. Nun steht das Pilotprojekt auf der Kippe. Die ergänzende Arztversorgung ist nur bis Ende 2020 gesichert. Bislang ist unklar, wie das Projekt weiter finanziert werden soll. Wann eine Entscheidung fällt, ist offen.

„Die Kassenärztliche Vereinigung will ein Konzept vorstellen, wie das Projekt in eventuell abgewandelter Form weitergeführt werden kann“, berichtete der Nentershäuser Bürgermeister Ralf Hilmes in der Sitzung der Gemeindevertreter am Mittwochabend. Geprüft würden interkommunale Beteiligungsformen und eine alternative Trägerschaft durch die Medizinischen Versorgungszentren. „Die Kassenärztliche Vereinigung ist für die ärztliche Versorgung zuständig. Und wir sind stark unterversorgt. Deshalb weiß ich gar nicht, warum wir überhaupt für eine Fortführung des Medibusses kämpfen müssen“, betonte Hilmes. „Die Entscheidung hätte auch schon längst fallen müssen. Die Patienten brauchen genügend Zeit, um sich notfalls einen anderen Arzt zu suchen.“ Und in Zeiten der Corona-Pandemie sei es für die Menschen erst recht nicht zumutbar, mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Heringen oder Rotenburg zu fahren, so Hilmes. Der Bürgermeister wünscht sich, dass der Bus nicht nur vier Tage in der Region unterwegs ist, sondern auch freitags.

Für das interkommunale Gesundheitsversorgungszentrums (IGVZ) in Sontra werden immer noch Hausärzte gesucht. Kleine Orte sollen von Sontra aus über Satelliten-Praxen versorgt werden. Dort müssten dann Räume vorgehalten werden, die von den Ärzten ein oder zwei Mal pro Woche genutzt würden.

„Wenn der Medibus wegfallen würde, wäre das für uns besonders dramatisch, weil wir seit Jahren gar keinen Arzt mehr haben“, sagt Cornbergs Bürgermeister Achim Großkurth. „Wir können auf den Medibus nicht verzichten.“ Überlegenswert sei, den Medibus an das Medizinische Versorgungszentrum anzudocken. Dann müssten in den anderen Orten keine Räume oder Gebäude zur Verfügung gestellt werden. Das könne der Medibus dann abdecken, betont Großkurth. Aber auch für das Zentrum in Sontra seien noch keine Ärzte gefunden worden. „Vielleicht ist ja auch der bundesweite, schmerzhafte Schrumpfungsprozess bei den Kliniken eine Chance, medizinisches Personal für den ländlichen Raum zu bekommen.“

In der Gemeinde Nentershausen liegen die Unterschriftenlisten an folgenden Standorten aus: Gemeindeverwaltung, Tankstelle Gebhard, Edeka Raub, Sparkasse, Marktapotheke und Friseursalon Kapuscinski (Elzebachstraße 3). Die Bürger können ihr Votum auch über ein Onlineformular auf der Homepage der Gemeinde unter nentershausen.de abgeben. In Cornberg liegen die Listen in der Verwaltung aus.

Auch die Nentershäuser Gemeindevertreter ließen an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Das Projekt Medibus zum Ende 2020 auslaufen zu lassen, das geht gar nicht. Darin waren sich alle Parlamentarier einig und stellten sich geschlossen hinter den Antrag der SPD-Fraktion, der forderte, den Medibus über den 31. Dezember hinaus zu erhalten.

Das Parlament unterstützt die Unterschriftenaktion der Bürgermeister. „Der Medibus stellt zwingend ein ergänzendes Angebot zur Sicherstellung der ärztlichen Versorgung in den Kommunen dar“, heißt es in dem Beschluss. Die Bürgermeister sollen die Ergebnisse der Unterschriftenaktion gemeinsam dem Hessischen Sozialministerium und der Kassenärztlichen Vereinigung übergeben. „Die Versorgungssituation in unseren Kommunen spitzt sich immer weiter zu. Der Einsatz des Medibusses muss mindestens so lange verlängert werden, bis die Kassenärztliche Vereinigung Hessen hier eine adäquate ärztliche Versorgung sicherstellen kann“, betonte Carmen Bornschier (SPD).

„Auch wir unterstützen den Antrag voll“, sagte Nico Schmidt (CDU). „Der Medibus ist keine adäquate medizinische Versorgung. Aber besser als nichts. Er hilft uns, die Zeit zu überbrücken, bis wir hoffentlich wieder einen zweiten oder auch dritten Hausarzt hier in Nentershausen haben“, betonte Schmidt.

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