Amtsinhaber Koch erhält in der Fuldastadt nur 20 Prozent

Nach der Landratswahl: Rotenburger sprechen von Abstrafen

Während die meisten CDU-Wahlplakate in Rotenburg am Montagnachmittag bereits verschwunden waren, war das am Heienbach-Kreisel noch da – allerdings am Boden liegend. Im Hintergrund ist das HKZ zu sehen.
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Während die meisten CDU-Wahlplakate in Rotenburg am Montagnachmittag bereits verschwunden waren, war das am Heienbach-Kreisel noch da – allerdings am Boden liegend. Im Hintergrund ist das HKZ zu sehen.

Amtsinhaber Dr. Michael Koch hat die Landratswahl in Rotenburg mit 19,8 Prozent besonders krachend verloren. Viele kreiden ihm das HKZ-Aus persönlich an.

Rotenburg - Unsere Zeitung berichtet gelegentlich in Straßenumfragen über Meinungen der Bevölkerung – zu Alltagsthemen wie Wetter oder Valentinstag, aber auch zu politischen Themen. Viele Passanten sind eher zurückhaltend, wenn sie namentlich in der Zeitung auftauchen sollen oder gar mit Foto. Trotzdem finden sich immer genügend Teilnehmer. Diesmal ist es anders. Warum hat der Landrat in Rotenburg so kolossal schlecht abgeschnitten? Auf dem Marktplatz, im Steinweg und im Rotenburg Center reagieren viele am Montag ungefähr so: „Ich find’s gut, aber ich will mir jetzt nicht den Mund verbrennen“ oder „Frag lieber wen anders, ich werd sonst noch ausfällig“. Ein paar wenige sprechen dann doch mit unserer Zeitung – aber nur anonym.

„Der Landrat hat bei der Schließung des HKZ kräftig mitgemacht. Er hat es nicht anders verdient“, meint eine ältere Frau. Sie hat mehrere Verwandte, die in der Herzklinik arbeiten. „Das hätte alles nicht so kommen müssen. Das war politisch gewollt.“ Von Wahlsieger Torsten Warnecke erhofft sie sich nun, dass doch noch mal ein Erhalt des HKZ-Standorts Rotenburg geprüft wird.

Ungezwungener als mit der Zeitung redet man meist beim Haareschneiden. Ein Friseur sagt am Nachmittag: „Dass der Landrat in Rotenburg keine Stimmen bekommt, war doch klar. Das ist so, als wenn du in Dortmund die Leute fragst, was sie von Schalke halten.“ Koch sei abgestraft worden. Das habe bei vielen seiner Kunden auf jeden Fall für Schadenfreude gesorgt. Aber ob jetzt mit Warnecke alles besser wird? „Ganz ehrlich, das Ding mit dem HKZ ist doch durch. Und Warnecke ist ja auch Hersfelder.“

Bemerkenswert ist, dass in Rotenburg auch der zweitgrößte Anteil an ungültigen Stimmen unter den 20 Kreiskommunen gezählt wurde: 5,8 Prozent der Wähler machten ihr Kreuz bei keinem der beiden Kandidaten. Mehr waren es nur in Cornberg (6,5 Prozent).

Große Hoffnungen, dass das HKZ nun doch in Rotenburg bleibt, hat auch ein Paar mit Kinderwagen, das im Nieselregen über die Alte Fuldabrücke spaziert, nicht. Der junge Vater meint, der Landrat hätte auch viel Gutes für den Kreis getan. Das HKZ sei schon vor vielen Jahren nicht mehr zu retten gewesen. „Koch ist jetzt der Buhmann. Das Wahlergebnis ist Rache. Ganz klar.“ Kritischer ist seine Frau, die selbst Krankenschwester in Bad Hersfeld ist. „Ich kann nicht nachvollziehen, warum man nicht einige Abteilungen nach Rotenburg holen konnte, wo in Bad Hersfeld teilweise der Platz eng geworden ist. Das hätte man auch anders lösen können.“

Einig sind sich die beiden aber darin, dass das Wahlergebnis mehr ist als nur eine Watschen für Koch. Nämlich auch ein Zeichen an Warnecke. „Seit Jahren wird immer mehr aus Rotenburg nach Bad Hersfeld geholt, nicht nur beim Klinikum. Am Wahlergebnis sieht man jetzt, dass die Leute sich hier nicht alles gefallen lassen“, sagt die Frau. Vielleicht werde in Zukunft in Bad Hersfeld mehr Wert darauf gelegt, was die Leute in Rotenburg und den Nachbarkommunen wollen.

Christopher Ziermann

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