Die Wengels brauchten viel Geduld

Corona-Impfung: Ehepaar erhält acht Impftermine - Irrtum kann nur schwer aufgeklärt werden

Die einen bekommen gar keine Termine, er hatte zu viele: Burghard Wengel aus Bad Hersfeld. Als pflichtbewusster Bürger wollte er den Irrtum melden, brauchte dafür aber viel Geduld. Das Bild zeigt Burghard Wengel mit dem Telefonhörer und den Briefen in der Hand.
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Die einen bekommen gar keine Termine, er hatte zu viele: Burghard Wengel aus Bad Hersfeld. Als pflichtbewusster Bürger wollte er den Irrtum melden, brauchte dafür aber viel Geduld.

Nach einer Umbuchung hatte das Ehepaar Wengel aus Bad Hersfeld plötzlich acht Impftermine. Doch den Irrtum aufzuklären, war gar nicht so einfach.

Hersfeld-Rotenburg – Eigentlich wollte Burghard Wengel aus Bad Hersfeld für seine Frau und sich nur Impftermine für die Corona-Schutzimpfung vorverlegen. Als er wenig später jedoch die schriftliche Umbuchungsbestätigung im Briefkasten fand, traute er seinen Augen nicht. Denn plötzlich hatte das Ehepaar Einladungen für gleich acht Impftermine. Pflichtbewusst versuchten die Wengels, den offensichtlichen Irrtum zu melden – doch das war gar nicht so einfach.

„Egal wo ich anrief: Man konnte uns nicht helfen“, sagt der 80-jährige Burghard Wengel, der es erst im Gesundheitsamt versuchte, dann im Landratsamt und natürlich auch bei der Impftermin-Hotline 116 117, über die er vorher seine ursprünglichen Termine umgebucht hatte. „Aber da geht ja gar nichts“, berichtet er. „Ich habe noch nicht mal die Taste für die Sieben losgelassen, da heißt es schon, die Leitung sei überlastet.“

Corona-Impfung: Ehepaar erhält doppelte Einladungen

Burghard Wengel versuchte immer wieder, das Impfzentrum in Rotenburg direkt anzurufen, fand aber partout niemanden, der ihm einen Kontakt herstellen konnte. „Man hat das Gefühl, das Impfzentrum ist eine Rakete irgendwo im Orbit, zu der es keine Verbindung gibt. Ich hatte schon in Erwägung gezogen, direkt dort vorbeizufahren.“

Los ging der Spießroutenlauf im Grunde, als das Land Hessen verkündet hatte, dass kurzfristig doch mehr Impfdosen zur Verfügung stehen als gedacht und dass bereits vereinbarte Impftermine vorgezogen werden könnten. Prima, dachte sich Burghard Wengel, und buchte die Termine für seine 77-jährige Frau und sich um: von April auf Anfang März, und zwar als Paar-Termin, also zu ähnlichen Zeiten und am selben Tag. „Abgesehen von ein paar sprachlichen Schwierigkeiten der Mitarbeiter an der Hotline klappte das auch ganz gut.“ Bis der Brief mit den doppelten Einladungen kam: vier für den ersten Piks mit Biontech/Pfizer, vier für die Zweitimpfung – einmal als Paar-Termin an einem Montag, und einmal an einem Dienstag und dann jeweils für drei Wochen später.

„Das konnte ja nicht stimmen. Wir wollten diesen Fehler gleich aufklären, auch in der Hoffnung, dass man die überschüssigen Termine, die wir ja gar nicht benötigen, kurzfristig an andere Leute vergeben kann, die selbst noch auf einen Termin warten“, sagt Burghard Wengel.

Corona-Impfung: So einen Fall habe es noch nie gegeben

Nachdem ihm nach ungezählten Kontaktversuchen niemand helfen konnte, rief er in unserer Redaktion an, die daraufhin im Innenministerium um Klärung bat. „So einen Fall hatten wir ehrlich gesagt noch nie“, sagte Ministeriumssprecher Marcus Gerngroß einigermaßen verblüfft.

Wenig später war der Fall dann aufgeklärt: Eine Überprüfung habe ergeben, hieß es aus dem Ministerium, dass im tatsächlichen Terminvergabesystem keine Doppelbuchungen hinterlegt seien. Die Termine, zu denen irrtümlich per Post eingeladen wurde, seien storniert worden. „Das Paar kann sich also wie gewünscht impfen lassen und wurde vom Impfzentrum informiert.“ Burghard Wengel bestätigt das, sagt aber auch: „Wenn man einfach im Impfzentrum anrufen könnte, hätten wir uns viel ersparen können.“ (Sebastian Schaffner)

Technische Gründe: Impfzentrum kann keine Termine stornieren

Thorsten Bloß, Fachdienstleiter Gefahrenabwehr, erklärt auf Nachfrage, warum es keinen direkten Draht ins Rotenburger Impfzentrum gibt. „Da die Impfterminvergabe über das Land Hessen läuft, können wir hier vor Ort auch keine Termine stornieren oder ändern.“ Technisch sei das einfach nicht möglich. Doppelte Termine ließen sich aber online unter den Internetadressen impfterminservice.de und impfterminservice.hessen.de stornieren. „Das geht mit der Vorgangskennung und dem Passwort“, sagt er. Als ehrenamtlicher Impflotse für Bebra habe Bloß selbst online bereits Termine für Bürger storniert. Menschen, die keinen Zugang zum Internet haben, bleibt sonst nur die Hotline des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes 116 117 – oder die Impflotsen. Einen Kontakt zu den Ehrenamtlichen stellen die jeweiligen Städte und Gemeinden her.

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