Coronavirus im Kreis Hersfeld-Rotenburg

Kein Anlass für Hamsterkäufe - Landwirte appellieren: „Bleibt zu Hause, wir versorgen euch weiter!“

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Appell an die Bevölkerung: Mit dieser Fotocollage wenden sich waldhessische Landwirte in der Corona-Krise an die Verbraucher. Ihre Botschaft: Bleibt zuhause, wir sorgen für die Lebensmittel. Die gesamte Collage öffnet sich mit einem Klick auf den Pfeil.

Gegen Corona: Mit einer Fotocollage richten sich die Landwirte im Kreis Hersfeld-Rotenburg an die Bevölkerung.

Hersfeld-Rotenburg - „Bleibt zuhause!“ – diesem Appell vieler Berufsgruppen wie Ärzten, Pflege- und Rettungskräften oder Polizisten, die in der Corona-Krise besonders gefordert sind, haben sich nun auch die waldhessischen Landwirte angeschlossen.

Eine Fotocollage und ein Video, beides wird derzeit über den Nachrichtendienst WhatsApp sowie Internet-Plattformen wie Facebook verbreitet, zeigen Bauern aus dem Landkreis Hersfeld-Rotenburg, die Schilder hochhalten. Zusammen ergeben diese einen Schriftzug: „Wir Landwirtsfamilien aus HEF/ROF versorgen euch weiterhin mit hochwertigen Lebensmitteln. Bitte bleibt ihr Zuhause. Landwirtschaft versorgt groß und klein.“

Hinter der Aktion stehe kein Verband, sondern eine Gruppe von Landwirten aus dem Kreisgebiet, betonen Sven Mares aus dem Hohenrodaer Ortsteil Soislieden und Stefan Böss aus dem Schenklengsfelder Ortsteil Landershausen, die zu den Initiatoren gehören.

Corona in Hersfeld-Rotenburg: Angst vor Versorgungsengpässen nehmen

„Auch in der Krise gehen wir unserer Arbeit nach, um die Lebensmittelversorgung der Bevölkerung zu sichern“, erklärt Mares. Mit ihrem Appell wollen die Bauern der Bevölkerung zugleich die Angst vor Versorgungsengpässen nehmen. Bei Grundnahrungsmitteln wie Getreide, Milch und Fleisch liege der Selbstversorgungsgrad in Deutschland bei 100 Prozent und höher, unterstreicht Stefan Böss. Hinzu komme, dass die Lebensmittelerzeugung in der Region durch die in der Regel familiengeführten Höfe dezentral organisiert sei. „Diese Struktur zahlt sich in der Krise aus“, ist der Landwirt überzeugt.

Anlass für Hamsterkäufe gebe es deshalb auch weiterhin nicht. Kurzfristige Lücken in den Supermarktregalen seien nicht etwa einem Engpass bei den Erzeugnissen geschuldet. Vielmehr müssten Logistik und Produktion erst den veränderten Rahmenbedingungen angepasst werden: Bei Großverbrauchern wie der Gastronomie sei die Nachfrage durch die Krise stark gesunken, für eine Vermarktung über den Einzelhandel seien hingegen kleinere Verpackungseinheiten gefragt.

Corona in Hersfeld-Rotenburg: Bedeutung der Landwirtschaft

Für die Molkereien werde mitunter die Beschaffung des Verpackungsmaterials zur Herausforderung. Nicht absehbar sei bislang, wie sich die aktuelle Situation auf den Obst- und Gemüseanbau auswirkt. In deutschen Anbaugebieten fürchten die Landwirte derzeit um ihre Ernte, weil osteuropäische Saisonkräfte durch die Grenzschließungen fehlen. Zudem werden viele Früchte und Gemüse aus Italien und Spanien – also derzeit besonders hart von der Pandemie getroffenen Ländern – importiert.

Unterm Strich zeige sich in der Krise die Bedeutung einer Landwirtschaft, die die Bevölkerung im eigenen Land ernähren könne. „Das ist ein hohes Gut, mit dem man keine politischen Spielchen treiben sollte“, sagt Stefan Böss. Mit ihrem Appell via Facebook und WhatsApp wollen die Landwirte deshalb auch zum Nachdenken darüber anregen, ob bestimmten Berufsgruppen in der Vergangenheit genügend Wertschätzung entgegengebracht wurde. Gemeint sei damit ausdrücklich nicht nur die eigene Branche, sondern auch all diejenigen, die die derzeit in der Corona-Krise besonders gefordert sind.

Von Jan-Christoph Eisenberg

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