Erfolgreicher Start für Medibus in der Region

Patienten nehmen mobile Hausarztpraxis gut an

Auch Labor-Schnelltests zum Beispiel für Herzinfarkt oder Beinvenenthrombose sind im Medibus möglich: Das Foto zeigt Dr. Matthias Roth, den Arzt der mobilen Praxis. 

Nentershausen/Cornberg/Sontra. Es ist gut möglich, dass der Medibus in ein paar Jahren zum gewohnten Alltagsbild in ganz Deutschland gehört.

Seit 2. Juli läuft in unserer Region ein Pilotprojekt der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KV) – offenbar mit Erfolg: Das Interesse der Patienten an der mobilen Hausarztpraxis, die in fünf Kommunen ein oder zwei Mal pro Woche Station macht, ist schon in den ersten Wochen groß. Es gibt aber auch Bedenken. An dem Pilotprojekt nehmen zwei Kommunen aus dem Kreis Hersfeld-Rotenburg teil – Cornberg und Nentershausen sowie drei Kommunen mit vier Standorten aus dem Werra-Meißner-Kreis – Sontra, Sontra-Weißenborn, Ringgau und Herleshausen. Das Pilotprojekt soll über zwei Jahre laufen. Von Montag bis Donnerstag hält der Bus täglich an zwei Standorten. 28 Stunden pro Woche ist die mobile Praxis mit dem Allgemeinmediziner Dr. Matthias Roth geöffnet. „Das Resümee des Mediziners nach einem Monat ist durchweg positiv. Durchschnittlich 34 Patienten behandelt er pro Tag“, teilt die Pressesprecherin der KV, Petra Bendrich, auf Anfrage mit. „Die Rückmeldungen der Patienten sind ausgesprochen positiv und motivieren das gesamte Medibusteam“. Vor Ort sind Arzt und zwei Mitarbeiterinnen. Selbst an Orten, wo es noch zwei Hausärzte gibt wie in Nentershausen, wird das Angebot angenommen. „Von Beginn an ist das Patientenaufkommen an den ausgewählten Standorten so hoch, dass man aktuell nichts ändern sollte“, heißt es bei der KV. Kritische Stimmen betonen aber, dass der Medibus ein gutes Projekt sei, aber nicht die grundlegenden Probleme löse. Die Versorgung könne auf Dauer nur durch eine ausreichende Anzahl niedergelassener Ärzte sichergestellt werden, sagt zum Beispiel Cornbergs Bürgermeister Achim Großkurth.

Pilotprojekt kostet 600 000 Euro

Der Medibus kostet für die zweijährige Pilotphase etwa 600 000 Euro. Dazu gehören unter anderem der Bus, den die Kassenärztliche Vereinigung gemietet hat, das Gehalt für den Fahrer, den Arzt und die Helferinnen sowie die medizinische und technische Ausstattung. „Damit ist der Medibus teurer als eine Hausarztpraxis vor Ort“, betont die KV-Sprecherin. Das sei die Konsequenz aus den aktuellen Rahmenbedingungen, die von der Politik gemacht würden. Die KV habe schon lange vor einem drohenden Ärztemangel gewarnt. Das Projekt sei auf zwei Jahre angelegt. Ein niedergelassener Arzt könne seine Investitionskosten über einen Zeitraum von 15 bis 20 Jahren abtragen. In Nentershausen hält der Bus mittwochs von 13.30 bis 17 Uhr, in Cornberg montags von 13.30 bis 17 Uhr und mittwochs von 8.30 bis 12 Uhr. 

Der Medibus wird vor allem von älteren Menschen genutzt, aber auch von Jüngeren. Jeder zweite Patient ist über 75 Jahre alt. Fast dreiviertel der Patienten sind über 55 Jahre alt. Darunter sind viele mit mehreren chronischen Erkrankungen und oft verbunden mit Mobilitätseinschränkung, berichtet Dr. Matthias Roth, der Arzt der mobilen Praxis. Dadurch sei der medizinische Versorgungs- und Verordnungsbedarf sehr hoch.

„Bei einigen Patienten, die erstmalig zur Behandlung in den Medibus kamen und in der letzten Zeit keinen Hausarzt mehr hatten, wurdenEs ist gut möglich, dass der Medibus in ein paar Jahren zum gewohnten Alltagsbild in ganz Deutschland gehört. bisher nicht erkannter Bluthochdruck und teils ausgeprägte Stoffwechselstörungen der Schilddrüse neu diagnostiziert“, berichtet Dr. Roth. Die erforderliche Diagnostik und Therapie würden veranlasst.

Die Haltezeiten des Medibusses in den Orten sind unverändert. In Sontra wurde der Standort verlegt. Er befindet sich jetzt hinter dem Bürgerhaus. Im Bürgerhaus können Patienten des Medibusses einen Aufenthaltsraum und Toiletten in Anspruch nehmen. Auch im Bus gibt es eine Toilette.

Seit Langem ohne Hausarzt

„In Cornberg wird das Angebot des Medibusses sehr dankbar angenommen“, berichtet Bürgermeister Achim Großkurth. In Cornberg gibt es seit über einem Jahr keinen Hausarzt mehr. Manche Ältere machen sich allerdings Gedanken, ob das Angebot im Winter genauso gut funktioniere. Sie sorgen sich zum Beispiel, im Umfeld des Busses zu stürzen. Im Cornberger Rathaus stehen ein Aufenthaltsraum und Toiletten für die Patienten zur Verfügung. „Das Projekt ist lediglich eine Überbrückung und keine nachhaltige Lösung“, sagt Großkurth. „Das Team des Busses macht einen guten Job“, lobt der Bürgermeister.

Ziel müssten dauerhafte interkommunale Lösungen sein mit Gesundheitsversorgungszentren mit mehreren Ärzten – wie es in Sontra geplant ist. Daran arbeiten Sontra, Nentershausen, Herleshausen und Cornberg gemeinsam. Aber auch dafür müssten Ärzte gefunden werden, sagt Bürgermeister Großkurth.

Auch in Nentershausen, wo es zurzeit noch zwei Hausärzte gibt, wird das Angebot angenommen. „Der Bus wird aber nicht von Patienten überrannt“, berichtet Bürgermeister Ralf Hilmes. Die Reaktionen der Patienten seien unterschiedlich. „Man wird dort ordentlich behandelt“, sagen die einen. „Der Bus ist nicht die Lösung der Probleme. Er kann keinen niedergelassenen Hausarzt ersetzen“, sagen die anderen. „Der Bus kann nur eine Ergänzung sein, nicht die Lösung der Probleme“, sagt auch Bürgermeister Hilmes.

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