Nachfrage in der Region ist groß

Mobile Arztpraxis in Cornberg und Nentershausen: Medibus besonders bei Älteren beliebt

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Das Medibus-Team: Mit der mobilen Arztpraxis unterwegs sind (von links) Arzthelferin Simone Richter, Dr. Matthias Roth, und Fahrer Klaus Schneider. In Cornberg hält der Medibus vor dem Rathaus.

Cornberg/Nentershausen. Eine mobile Praxis für Orte, wo Ärztemangel herrscht: Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Hessen zieht ein positives Zwischenfazit für ihr Pilotprojekt Medibus.

Beteiligt sind fünf Kommunen, darunter mit Nentershausen und Cornberg auch zwei aus dem Landkreis.

Das Angebot wird laut der KV Hessen besonders von älteren Menschen in Anspruch genommen: 30 Prozent der Patienten von Medibus-Arzt Dr. Matthias Roth sind älter als 75, weitere 38 Prozent sind zwischen 55 und 75 Jahre alt. Bei im Schnitt zwei von fünf Behandlungen hat es Roth mit Menschen zu tun, die schon einmal im Medibus waren.

Die KV spricht nach drei Monaten wie schon bei der ersten Zwischenbilanz im August von durchschnittlich 34 Patienten pro Tag. Wie die Werte für die einzelnen Standorte sind, soll ausgewertet werden, wenn „nach der ersten Grippewelle“ valide Daten dafür vorliegen, so KV-Pressesprecherin Petra Bendrich.

Im Arbeitsalltag des Medibusses hat es bislang laut Bendrich lediglich kleinere Probleme gegeben. So musste etwa die Behandlungsliege mit Bremsen ausgestattet werden. Kritik von Patienten gebe es eher selten. „Die Menschen sind froh, dass wir da sind.“

Cornbergs Bürgermeister Achim Großkurth, in dessen Kommune es keinen Allgemeinmediziner mehr gibt, begrüßt das Projekt, gibt aber zu bedenken: „Es könnte sein, dass wir im Winter die Beschränktheit dieses Systems erleben.“ Großkurth fragt außerdem: „Was ist, wenn das Pilotprojekt nach zwei Jahren beendet wird? Das Grundproblem ist der Ärztemangel. Der muss behoben werden.“

Das sieht auch der Nentershäuser Bürgermeister Ralf Hilmes so. Der Medibus könne nur eine Ergänzung sein, dürfe aber nicht zur Notversorgung werden. Außerdem sagt er: „Zu einem Hausarzt braucht man auch ein Vertrauensverhältnis. Das kann nicht alles in einem Bus passieren.“

Hintergrund: KV Hessen: Wir brauchen mehr Ärzte

Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Hessen betont, dass ihr Medibus-Projekt nicht die Lösung für den Ärztemangel ist oder sein kann. „Der Bus ist eine Übergangslösung“, sagt KV-Pressesprecherin Petra Bendrich. Die KV tue alles dafür, Nachfolger für Praxen zu finden. Sie fordere außerdem, mehr Medizinstudienplätze zur Verfügung zu stellen. Am Pilotprojekt Medibus, das in zwei Jahren insgesamt 600 000 Euro kosten soll, ist auch die Deutsche Bahn beteiligt. Sie vermietet den Bus an die Kassenärztliche Vereinigung und stellt den Busfahrer. Neben Cornberg und Nentershausen fährt der Medibus auch Sontra, Sontra-Weißenborn, Ringgau und Herleshausen an. Der Bus hält in Cornberg montags von 13.30 bis 17 Uhr sowie mittwochs von 8.30 bis 12 Uhr und in Nentershausen mittwochs von 13.30 bis 17 Uhr. 

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