Jagen wie der Adel

Mittelaltermarkt in Cornberg lockte viele Besucher an

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Eine der Attraktionen: Ian Hussy (rechts) präsentierte dem Publikum einen „Lachenden Hans“.

Cornberg. Jochen Rösner ist daran gewöhnt, dass er auf Märkten und Festen alle Aufmerksamkeit auf sich zieht, wenn er dem Publikum seine exotischen und stolzen Vögel vorführt. So war es auch beim Mittelaltermarkt in Cornberg, wo Rösners Vögel eine von vielen Attraktionen waren.

Erfahrener Falkner: Jochen Rösner kam zum Mittelaltermarkt nach Cornberg mit zwei Uhus (Foto), einem Steppenadler, einem Kolkraben und einem Kookaburra.

„Im Mittelalter war die Falkenjagd Pflicht für den Adel“, erklärt der 45-Jährige den Gästen. Dabei, so Rösner, habe die Jagd mit Hilfe von Raubvögeln eine viel längere, Jahrtausende alte Tradition. Nach Cornberg brachte Rösner keine Falken mit, sondern zwei Uhus, einen Kolkraben, einen Steppenadler sowie einen australischen Kookaburra, auch „lachender Hans“ genannt, dessen laute Rufe durch den Cornberger Steinbruch schallten. In geringem Abstand zueinander hockten die Vögel im Schatten eines großen Leinensegels auf ihren Blöcken, stolz, aufrecht und mit gepflegtem Gefieder.

Rösner sammelte als Kind leidenschaftlich Vogelfedern, arbeitete später in einer Falknerei und machte sich dann selbstständig. Mit Bussarden und Steinadlern geht er auf die Jagd nach Hasen, Füchsen, sogar Rehen, und präsentiert seine Tiere auf Mittelaltermärkten. Nebenher arbeitet er bei der Post. Den Marktbesuchern will er das Wesen der Tiere näherbringen, während die Kinder mit offenen Mündern um den großen Uhu auf Rösners Arm herum sitzen oder sehen, wie die Tiere ihre Schwingen ausbreiten und durch den Steinbruch fliegen.

Fliegen nur, wenn sie wollen

„Man kann den Vögeln keine Befehle geben“, ist Rösners wichtigste Botschaft. Die Tiere flögen nur, wen sie wollten, und eigentlich nie ohne Grund, denn der Energie-Aufwand für einen Flug sei enorm. Darüber hinaus seien die Vögel sehr intelligent. Der Kolkrabe habe schon angefangen zu sprechen, und ganz ohne Ironie, sagt Rösner: „Der weiß, wovon er spricht.“

Es sind Attraktionen wie diese, die den Mittelaltermarkt in Cornberg seit vielen Jahren zum Publikumsmagneten machen. Auch in diesem Jahr wurde er organisiert von der Bebraer Gruppe „Freies gelebtes Mittelalter“. Knapp 40 Mitglieder hat der Verein, und diese besuchen auch andere Märkte, treffen sich zum Stammtisch und bieten Kochkurse an. Es gehe bei dem Markt nicht um finanziellen Gewinn, sondern um „Gewinn für die Seele“, wie Vereinsmitglied Daniela Heckmann erklärt. In der Mittelalterwelt, die alle gemeinsam zum Leben erwecken, werde jeder gleich geschätzt, und die Gemeinschaft stehe im Vordergrund.

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