Neuer Radweg

CDU in Bebra schlägt Fahrrad-Strecke durch Cornberger Tunnel vor

Eine Sanierung ist für die Bahn unwirtschaftlich: Der Cornberger Tunnel wird ab 2025 neu gebaut. Die Portale – hier auf Cornberger Seite – bleiben aber erhalten.
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Eine Sanierung ist für die Bahn unwirtschaftlich: Der Cornberger Tunnel wird ab 2025 neu gebaut. Die Portale – hier auf Cornberger Seite – bleiben aber erhalten.

Für einen neuen Radweg von Rautenhausen nach Cornberg will die Bebraer CDU die Gunst der Stunde nutzen und unter anderem eine Strecke durch den alten Cornberger Tunnel prüfen lassen.

Bebra/Cornberg – Das 150 Jahre alte Bauwerk wird voraussichtlich ab 2029 von der Bahn aufgegeben. In der Stadtverordnetenversammlung gab es dafür zunächst keine Mehrheit, die Ausschüsse sollen erneut beraten.

Oder um es mit den Worten von Ulrich Völke (Gemeinsam für Bebra) zu sagen: „Das ist mir alles zu wirr.“

CDU will touristischen Höhepunkt

Und in der Tat wurde es bei der Diskussion im Stadtparlament schnell kompliziert – obwohl die Grundidee denkbar einfach ist. Die Christdemokraten versprechen sich einen „touristischen Höhepunkt“ durch eine Nachnutzung des Eisenbahntunnels aus den 1870er-Jahren. Das Radfahren auf der stark befahrenen Bundesstraße 27 zwischen Rautenhausen und Cornberg sei durch die Steigung auf die Cornberger Höhe unattraktiv und unangenehm bis gefährlich. Ein Radweg durch den Cornberger Tunnel würde diese Probleme unterlaufen.

Die CDU wollte dafür die technischen und wirtschaftlichen Voraussetzungen prüfen lassen. Sollte sich der Eisenbahntunnel als ungeeignet erweisen, schlagen die Christdemokraten neben weiteren Ideen für einen Radwegverlauf vor, zumindest die Baustraßen der Bahn zu nutzen, um Kosten zu sparen.

Die anderen Fraktionen fühlten sich durch den Vorstoß überfahren – auch, weil das Stadtparlament erst im Sommer 2020 den Radwegeausbau beschlossen und das im Juli 2021 noch einmal bekräftigt hatte. Erst nach langer Diskussion samt Sitzungsunterbrechung konnten sich die Parlamentarier vor über einem Jahr auf eine Priorität der Strecken einigen, vor Rautenhausen-Cornberg sollten zunächst Iba-Weiterode und Bebra-Gilfershausen-Imshausen-Solz an der Reihe sein. Bürgermeister Stefan Knoche hatte bereits in der Juli-Sitzung gewarnt: „Wir können nicht 40 Radwege gleichzeitig planen und bauen.“

CDU-Vorstoß stößt auf Kritik

Auf Widerstand stieß daher der Vorstoß der CDU, „unverzüglich“ Gespräche für die Planung und Kostenermittlung des Radwegs Rautenhausen-Cornberg aufzunehmen und mit dem Bauen anzufangen, sobald es Fördergeld gibt. Es mache keinen Sinn, einen Radwegeausbau zu beschließen und dann „ständig neue Vorschläge an der Verkehrskommission vorbei einzureichen“, so Hilmar Schmidt für die SPD. Auch Bernd Holzhauer kritisierte: „Ein Schritt nach dem anderen und nicht drei auf einmal – da stolpert man leicht.“

Der FWG-Fraktionschef räumt dem Tunnelradweg zudem keine großen Chancen ein, die Bahn lege das wohl baufällige Bauwerk „nicht zum Spaß lahm“. Zudem sei der Tunnel als Winterquartier für Fledermäuse vorgesehen. „Wir wollen einen Radweg von Bebra nach Cornberg, der möglichst das ganze Jahr befahrbar ist“, so Holzhauer. Auch die SPD warnte davor, die Verwaltung und Finanzen der Stadt Bebra beim Radwegebau nicht zu überstrapazieren. „Geld schießt keine Tore. Und Anträge bauen keine Radwege“, sagte Hilmar Schmidt. Eine aufwendige Prüfung der Tunnel-Idee sei darüber hinaus unnötig: „Die Nachfrage bei der Bahn kostet uns eine Briefmarke.“

22 Stadtverordnete stimmten für eine erneute Diskussion in den Ausschüssen – sieben dagegen. Zwei Änderungsanträge der Grünen werden nun dort diskutiert. Die Fraktion hatte einen Radweg vorgeschlagen, der in Richtung Cornberg links und parallel zur B 27 verläuft sowie alternativ einen Radstreifen auf der Bundesstraße selbst, für den ein Teil der rechten Spur abgesperrt würde. Letzteres hat die CDU bereits abgelehnt. (Clemens Herwig)

Tunnel wird zum Fledermaus-Refugium

Der Neubau des Cornberger Tunnels soll bereits im März 2025 beginnen. Bis zur Fertigstellung wird das alte Bauwerk durchfahren. Es wird wohl erst Anfang 2029 und dann nur teilweise verfüllt, weil der Tunnel ein Schwärmquartier von Zwergfledermäusen ist – diese sind in Hessen selten. Ähnlich ist es im 1172 Meter langen Milseburgtunnel (Landkreis Fulda), den die CDU als positives Beispiel anführt. Der Milseburgradweg führe mit nur drei Prozent Steigung durch ein Mittelgebirge – möglich mache das auch der Tunnel. Als Winterquartier für Fledermäuse ist er nur von Mitte April bis Ende Oktober geöffnet. Der Umweg in der Sperrzeit: vier Kilometer.

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