Eine Kontrollsäule bei Obergeis

Bundesstraßen-Maut trifft Mittelständler: Auswirkungen auf Verkehr unklar

Hersfeld-Rotenburg. Seit 1. Juli sind sämtliche deutschen Bundesstraßen mautpflichtig für Fahrzeuge mit mehr als 7,5 Tonnen Gesamtgewicht. 

Im Kreis Hersfeld-Rotenburg betrifft das unter anderem die viel befahrenen B 27, 62,  83 und 324 – insgesamt etwa 144 Kilometer.

Wie sich das auf die Verkehrsströme im Kreis auswirkt, kann auch bei Hessen Mobil noch niemand sagen. „Da bräuchten wir eine Glaskugel“, sagt Annette Kümpel, Sprecherin der Hessen-Mobil-Niederlassung in Fulda, die auch für den Kreis Hersfeld-Rotenburg zuständig ist. Es könne vermutet werden, dass die Bundesstraßen, von sogenannten „Mautflüchtlingen“, die aus Kostengründen früher die Autobahnen mieden, nun eventuell entlastet würden. Ob sich der Lkw-Verkehr auf Landes- und Kreisstraßen verlagere, sei nicht sicher. Kümpel: „Es gibt Regionen, da bringt das zu große Zeitnachteile.“

Betroffen von den neuen Regelungen werden auch mittelständische Betriebe und Handwerksunternehmen, die bislang nicht überregional unterwegs waren. „Die müssen erst mal die Technik in den Griff bekommen und in ihr Abrechnungssystem integrieren“, erklärt Ulrich Spengler, stellvertretender Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Kassel/Marburg. Klar ist für Spengler: „Die Kosten werden, wenn es für das Unternehmen irgend möglich ist, an den Kunden weitergegeben.“

Deutliche Kritik

Deutliche Kritik an der Bundesstraßen-Maut kam bereits vom deutschen Speditions- und Logistikverband. Er warnt vor einem „erheblichen Kostenschub“ in Milliardenhöhe. In welchem Umfang die Mehrkosten an Hersteller, Händler und Kunden weitergegeben werden, müsste jeder Betrieb selbst entscheiden.

Übrigens: Nur eine der neuen Kontrollsäulen wird im Kreis errichtet werden – an der B 324 bei Obergeis.

Bund rechnet mit 7,2 Milliarden im Jahr

Vor 13 Jahren wurde die Maut für Lastkraftwagen auf deutschen Autobahnen eingeführt – seit dem 1. Juli dieses Jahres gilt sie nun auch auf dem gesamten etwa 40 000 Kilometer langen Bundesstraßennetz – bisher waren nur 2300 Kilometer Bundesstraßen gebührenpflichtig. Der Bund rechnet mit Gesamteinnahmen von jährlich 7,2 Milliarden Euro aus der Lkw-Maut. Das sind 2,5 Milliarden mehr als bisher. Was nach Abzug der Betriebskosten davon übrig bleibt, soll in das Straßennetz investiert werden. Kontrolliert werden die Mautzahlungen, so Betreiber Toll Collect, an bundesweit 600 blauen, etwa vier Meter hohen Säulen. Die von Autobahnen bekannten Kontrollbrücken soll es auf Bundesstraßen nicht geben. Die Mauthöhe richtet sich nach Schadstoffklasse und Achszahl und beträgt zwischen 8,1 und 21,8 Cent pro Kilometer. 

Quelle: HNA

Rubriklistenbild: © Archivfoto: Maximilian Beer/nh

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