Kritik kommt von Gudegrunder Genossen

Bürgermeisterwahl in Alheim: Teile der SPD entziehen Riekhof die Unterstützung

In der Gudegrunder SPD gibt es Kritik an Bürgermeisterkandidatin Monika Riekhof. Das Bild ist in der Ortsmitte von Obergude entstanden.
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In der Gudegrunder SPD gibt es Kritik an Bürgermeisterkandidatin Monika Riekhof. Das Bild ist in der Ortsmitte von Obergude entstanden.

Dass die Alheimer SPD gemeinsam mit der CDU eine Bürgermeisterkandidatin unterstützt, die CDU-Mitglied ist, schmeckt einigen Sozialdemokraten nicht.

Alheim – Ein Parteimitglied aus dem Gudegrund hat sich nun an unsere Zeitung gewandt. Der Vorstand des Ortsvereins will dazu keine Stellung beziehen. Riekhof wehrt sich gegen die Kritik.

Das SPD-Mitglied, das nicht namentlich genannt werden möchte, erklärt, dass der Ortsverein sich – bereits vor dem ersten Wahlgang – einstimmig dafür ausgesprochen hatte, nicht die gemeinsame Kandidatin Monika Riekhof, sondern Jochen Schmidt zu unterstützen. Beide gehen am 29. November in die Stichwahl. „Wir wollen jetzt noch mal richtig Wahlkampf für Herrn Schmidt machen.“ Er sei der kompetentere Kandidat.

Der SPD-Mann kritisiert, dass Jochen Schmidt der Mitgliederversammlung des Alheimer SPD-Verbands gar nicht zur Abstimmung vorgestellt wurde. Eine interne Kommission hatte unter drei möglichen Kandidaten eine Vorauswahl getroffen, wobei SPD-Genosse Schmidt aussortiert wurde. Der gab sein Parteibuch daraufhin ab und kandidierte unabhängig. Die Mitgliederversammlung hatte die Wahl zwischen einem SPD-Mitglied aus der Region und der CDU-Frau Monika Riekhof, die mit 19:13 gewann. Der SPD-Mann habe nicht überzeugen können. „Es ist mir unerklärlich, warum Herr Schmidt im Vorfeld aussortiert wurde.“ Davon, dass dieser zur Verfügung gestanden hätte, habe er erst nach der Abstimmung erfahren, so das SPD-Mitglied, das keine Funktionen bei den Sozialdemokraten innehat.

Trotzdem habe er anfangs einen guten Eindruck von Riekhof gehabt. Das habe sich im Laufe des Wahlkampfes geändert. „Nach meinem Eindruck ist nicht immer die Wahrheit gesagt worden. An dem Abend der Abstimmung wurde die Frage nach ihrem Wohnort noch anders beantwortet als jetzt. Da hieß es, ihr Lebensmittelpunkt bleibe weiter in Norddeutschland und sie wolle nur vier Tage pro Woche vor Ort sein. Diese Ehrlichkeit hat mir eigentlich imponiert. Nun wird es aber in der Öffentlichkeit so dargestellt, dass Alheim ihr Lebensmittelpunkt sein soll. Das ist für mich eine wahltaktische Schutzbehauptung“, sagt der Sozialdemokrat.

Georg Knierim, Vorsitzender des SPD-Verbands Alheim, der aus den fünf Ortsvereinen besteht, sagt auf Nachfrage unserer Zeitung: „Herr Schmidt wollte ursprünglich, so wie es dann Frau Riekhof getan hat, als gemeinsamer Kandidat von CDU und SPD antreten. Er hat beim Auswahlverfahren aber auch gesagt, dass er so oder so kandidieren will, auch wenn wir ihn nicht nominieren. Warum sollten wir uns dann mit ihm als Kandidaten befassen?“ Tatsache sei, dass es bei dem Auswahlverfahren für die Bürgermeisterkandidatur in der Alheimer SPD „heftige verbale Auseinandersetzungen“ gegeben habe. Es sei aber eine Mehrheitsentscheidung für Riekhof getroffen worden. Wenn nun einige SPD-Mitglieder den politischen Mitbewerber Schmidt unterstützen wollten, finde er das sehr schade – aber tun könne man dagegen nichts.

Riekhof selbst sagt: „Ich habe im Leben nicht gesagt, dass ich nur vier Tage pro Woche hier sein werde. Ich habe die Wohnort-Frage anfangs nicht als große Problematik für die Wähler in diesem Ausmaß gesehen und deswegen nicht ausführlich erläutert.“ Es sei aber eine Selbstverständlichkeit, dass eine Bürgermeisterin Montag bis Freitag vor Ort sei und auch Wochenendtermine wahrnehme. „Ich finde es schade, dass es so viel um den Wohnort geht und nicht um Kompetenz und Erfahrung.“

Kommentar von HNA-Redakteur Christopher Ziermann

Dass eine Partei um den richtigen Weg ringt und nicht alles einstimmig durchgewinkt wird, ist zunächst mal ein gutes Zeichen. Im deutschen Parteiensystem ist es üblich, dass sich dann die Minderheit der Mehrheit fügt und die Partei nach außen ein geschlossenes Bild abgibt. Dass nun einige SPD-Mitglieder auch öffentlich ihre abweichende Meinung kundtun, ist Ausdruck davon, dass sie sich nicht verbiegen lassen.

Allerdings müssen die Genossen aufpassen, dass die viel zitierten Alheimer Verhältnisse, womit die jahrelangen eher persönlichen als inhaltlichen Auseinandersetzungen zwischen SPD und CDU gemeint sind, nun nicht in der eigenen Partei entstehen. Ist für den Wähler entscheidend, welche Ortsvereine und Parteimitglieder welchen Kandidaten unterstützen? Oder wie die Kandidatensuche abgelaufen ist? Wohl kaum.

Demokratie sollte ein Wettstreit der Ideen sein. In so manchen Wahlkämpfen rücken diese Ideen aber in den Hintergrund. So auch bei der andauernden Wohnort-Diskussion um Monika Riekhof. Dass Jochen Schmidt bei seinen damaligen Parteigenossen als Erster aussortiert wurde, hatte offenbar auch nicht vordergründig mit seinen Ideen oder denen der Mitbewerber zu tun.

Eben das – die Ideen für die Gemeinde Alheim – sollten von den Wahlkämpfern nun aber in den Vordergrund gerückt werden.

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