Eskalation in Nachbarschaftsstreit

Blutiges Handgemenge: Mutter und Tochter aus Bad Hersfeld vor Gericht

Bad Hersfeld. Ein schon lange schwelender Nachbarschaftsstreit in Bad Hersfeld eskalierte im Herbst 2015: Autos wurden systematisch zerkratzt, man bedrohte sich mit Messern, und schließlich gab’s im Handgemenge blutige Schnittwunden.

Auf der Anklagebank vor dem Jugendschöffengericht saßen am Montag Mutter und Tochter, 39 und 18 Jahre alt, denen Sachbeschädigung, Bedrohung und Misshandlung vorgeworfen wurde – Letzteres wegen einer Backpfeife mit blutverschmierter Hand.

Doch am Ende wurde lediglich die Mutter verurteilt, und das auch nur zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu acht Euro wegen der Autokratzer.

Denn in der Beweisaufnahme vor Jugendrichterin Michaela Kilian-Bock und ihren beiden Schöffen stellte sich heraus, dass die Eskalation der Ereignisse wohl nicht einseitig betrieben worden war.

Die beiden – durchaus streitbaren – Angeklagten müssen sich im Stadtteil Helfersgrund mit ihren Nachbarn immer wieder in der Wolle gehabt haben und waren dabei wohl auch Zielscheibe für Spott und Nachstellungen.

Als die beiden an einem Septemberabend durch mehrfache Klingelstreiche gereizt wurden, schnappten sie sich spitze Gegenstände und gingen auf die vor den Häusern geparkten Autos los – und erwischten dabei auch zwei Pkw von Unbeteiligten.

Was an diesem Abend und ein paar Wochen später bei drei Konfrontationen größerer Gruppen mit den beiden Frauen geschehen ist, war nicht genau aufzuklären: Die Zeugen der Gegenseite ließen sich im Gericht nicht blicken. Konsequenterweise wurden diese Anklagepunkte eingestellt.

Für die Tochter blieb der Prozess sogar völlig folgenlos: Der psychiatrische Gutachter erkannte auf Schuldunfähigkeit, weil die Jugendliche ohne die Aufforderung durch die Mutter nichts unternommen hätte.

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