Essen aus der Region 

Bio zum Kantinenpreis: JGS Rotenburg wird vom Umweltbildungszentrum beliefert 

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Die Jakob-Grimm Gesamtschule wird bald vom Umweltbildungszentrum beliefert.

Rotenburg. Seit zwei Jahren ist im Speisesaal der „großen“ Jakob-Grimm Schule (JGS) Rotenburg, wie sie von den Schülern genannt wird, kein Essen mehr über die Theke gegangen. Und das trotz Ganztagsunterrichts. 

Die Schüler der Jahrgänge 7 bis 13 verbringen nicht selten den ganzen Tag in der Schule. Früher oder später kommt da Hunger auf – und der wird bislang mit mitgebrachten Brötchen oder Snacks aus dem Supermarkt gestillt. Das soll sich jetzt ändern. Mit Unterstützung des Umweltbildungszentrums Licherode will die Gesamtschule in Rotenburg dem Speisesaal seine eigentliche Funktion wiedergeben.

„Es gab mal ein kostenfreies Mittagessen, das vom Landkreis finanziert wurde. Damals haben hier auch noch mehr Schüler gegessen“, erklärt Schulleiterin Sabine Amlung. „Seit es das Angebot nicht mehr gibt, sind die Essenszahlen auch wieder zurückgegangen.“ Stattdessen würden sich die Schüler mittags beim benachbarten Supermarkt mit Snacks eindecken, erzählt die Schulleiterin, die es als Teil ihres Bildungsauftrags begreift, den Schülern ein ordentliches Mittagessen zu bieten.

„Einfach machen“

Und für das wird von nun an Ahmed Al-Samarraie, Geschäftsführer des Umweltbildungszentrums Licherode, zusammen mit seinem dreiköpfigen Küchenteam zuständig sein. Noch vor den Osterferien im April soll es in der JGS Rotenburg in der Braacher Straße ein warmes Essensangebot mit wöchentlich wechselndem Speiseplan geben. Schüler können zwischen einem vegetarischen und einem fleischhaltigen Gericht wählen, eine Portion wird in etwa vier Euro kosten. „Den Schülern geht es darum, dass es schmeckt. Uns geht es darum, dass wir ihnen nicht irgendwas vorsetzen, sondern Qualität“, sagt Al-Samarraie, der betont, kein Moralapostel sein zu wollen. „Wir kochen abwechslungsreich und ausgewogen, was bedeutet, auch mal mehr als nur eine Tomatensauce anzubieten. Dabei verwenden wir frische, regionale, saisonale und überwiegend biologisch erzeugte Produkte, die wir aus einem Umkreis von 30 Kilometern beziehen“, sagt Al-Samarraie.

AhmedAl Samarraie

So zum Beispiel aus Lispenhausen, von der Fleischerei Müller, oder aus Alheim von der Geflügeschlachterei Schäfer oder den Geflügelhöfen der Familie Häde. Der Ketchup stammt aus dem Supermarkt, ist allerdings ein Bio-Markenprodukt. „Jeder redet von Bio und regionalen Lebensmitteln. Wir wollen nicht mit dem Zeigefinger mahnen, sondern einfach machen. Das ist ein selbsternannter Auftrag“, sagt Al-Samarraie. Und der rentiert sich nicht immer, zumindest nicht finanziell.

Nichts zum Reichwerden

Seit mehr als 10 Jahren beliefert das Umweltbildungszentrum Licherode Schulen und Kindergärten im Kreis mit warmem Mittagessen. Und das kostet trotz Bio-Qualität und regionaler Produkte nicht viel mehr als herkömmliches Schulessen. „Nichts zum Reichwerden, aber auch kein Verlustgeschäft“, meint Al-Samarraie. Gekocht werden die Gerichte in Licherode. Anschließend werden sie an die nahe gelegenen Schulen ausgeliefert – per Elektroauto.

Hintergrund: 

Die Kooperation zwischen der JGS Rotenburg und dem Umweltbildungszentrum Licherode besteht bereits seit mehreren Monaten. Nachdem die Schüler der 5. und 6. Klassen am Förderstufenstandort der Schule in der Bernhard-Faust-Straße ihr Mittagessen schlichtweg nicht mehr essen wollten, weil es ihnen so gar nicht schmeckte, veranlasste die Schulleitung im September 2017 einen Wechsel des Caterers. Mit Erfolg: Etwa 50 Schüler nutzen seitdem täglich das Mittagsangebot, das vom UBZ Licherode zur Verfügung gestellt wird. Am „großen“ Standort in der Braacher Straße gibt es seit November 2017 im Bistro „Zum Bis(s)“, ebenfalls ein Projekt des UBZ Licherode, täglich von 7.30 bis 14 Uhr Brötchen, Salate, Süßigkeiten und andere warme und kalte Snacks. Und auch die sind vorwiegend bio-regional. (mol)

Quelle: HNA

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