Bürgermeisterwahl in Cornberg: Kandidatenporträts Teil 2

Alfred Knoch: „Bin ein Mannschaftsspieler“

Alfred Knoch am Ortseingang von Rockensüß.
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Der Rockensüßer Alfred Knoch will Bürgermeister von Cornberg werden.

In Cornberg wird am 1. November ein Nachfolger für Bürgermeister Achim Großkurth gewählt. Wir stellen die vier Kandidaten vor.

Rockensüß – Wenn sich ein Erster Beigeordneter nach drei Amtszeiten enger Zusammenarbeit mit dem Bürgermeister selbst zur Wahl stellt, ist das ein Zeichen für Kontinuität. Und Alfred Knoch ist auch überzeugt davon, dass Vieles gut läuft in Cornberg. Doch es gibt auch Dinge, die der 61-Jährige künftig anders machen möchte.

„Es fehlt den Bürgern ein wenig an Transparenz bei der Umsetzung der Beschlüsse des Gemeindevorstands. Deswegen würde ich gerne den Gemeindebrief, in weniger umfangreicher Form als früher, wieder einführen“, sagt Knoch. Dort sollen in einfachen Worten Aktivitäten von Gemeindevorstand und Verwaltung erklärt werden – ein kurzer Text könnte auch von einem Bauhof-Mitarbeiter geschrieben werden. Der Gemeindebrief gehört zu den Dingen, die die Gemeinde im Rahmen des Schutzschirm-Vertrages einstellen musste. Als verpflichtende Auflage, eine Wahl blieb den Cornbergern damals nicht.

„Das ist nun anders. Wir sind aus dem Schutzschirm raus und haben wieder etwas mehr Spielraum. Auch um Ehrenamt und Vereine zu unterstützen, wie sie es verdienen“, sagt Knoch. In seinem Flyer benennt er bereits konkret zwei Straßen je Ortsteil, die in den kommenden Jahren – ohne Beiträge – ausgebaut werden könnten.

Ein Thema, dem sich Knoch bei einem Wahlsieg annehmen würde, ist außerdem der weitere Betrieb von Kloster und Steinbruch. Derzeit zahlt die Gemeinde Pacht an das Land Hessen, dem das Gelände gehört – hat aber selbst keine Einnahmen mehr, weil die Pächter aufgehört haben –wir berichteten. Der Vertrag zwischen Kommune und Land läuft noch bis 2024. „Man muss nachdenken, ob man das nicht auf andere Beine stellen kann. Der Steinbruch könnte wieder mehr von Schulen genutzt werden und als Ort für Kultur könnte das Kloster sicherlich auch mehr gefördert werden. Da könnte man auch die Hand Richtung Landkreis ausstrecken“, sagt der 61-Jährige.

Mit großer Unzufriedenheit in der Bevölkerung ist Knoch im Wahlkampf nicht konfrontiert worden, sagt er. Die meisten wüssten, dass er gegen eine Gemeindefusion sei. Er kritisiert, dass die beiden Mitbewerber um das Bürgermeisteramt, die für einen Zusammenschluss sind, außer Acht lassen würden, welche Konsequenzen das alles haben würde. „Wenn man über eine Fusion spricht, muss man auch wissen, wovon man redet. Wenn man über die Kreisgrenze hinaus nach Sontra gehen würde, hätte das große Auswirkungen nicht nur für die Verwaltung, sondern auch den Alltag der Bürger – auf den Winterdienst, die Feuerwehr und unseren Fußballverein.“ Knoch hat seinen Flyer mit den drei Worten „verlässlich, engagiert und kompetent“ geschmückt, wobei Letzteres noch etwas größer geschrieben ist. Er ist der Einzige der vier Kandidaten, der kommunalpolitische Erfahrung hat.

Die Frage, was er für ein Chef sei, beantwortet er so: „Ein guter. Und ein Mannschaftsspieler. Ich binde Mitarbeiter früh in meine Entscheidungen ein und man kann mich auch belehren, wenn ich mal falsch abgebogen bin“, sagt Knoch. Er stehe nicht für hierarchisches, sondern kollegiales Denken.

Dazu, dass seine eigene Partei ihn nicht als Kandidat aufgestellt hat, möchte Knoch nichts sagen. Er sei aber selbstverständlich weiterhin SPD-Mitglied. Auf die Bundes- und Landespolitik angesprochen moniert er: „Das soziale Verständnis fehlt oft. Das Geld steht zu sehr im Vordergrund. Es wird danach gefragt, was etwas kostet – und nicht, was es bringt.“

7 Fragen

1. Die Feuerwehren müssen in Zukunft ...
mit zwei neuen Fahrzeugen in unseren Ortsteilen ausgerüstet werden, in den nächsten zwei bis drei Jahren. Der Bedarfs- und Entwicklungsplan muss so aufgestellt werden, dass gemeinsame Dienste aller drei Ortsteilwehren stattfinden können.
2. Die Kita in Cornberg ...
ist eine super Einrichtung mit bestens ausgebildetem Personal. Dafür lege ich meine Hand ins Feuer.
3. Diese Marotte würde ich mir am liebsten abgewöhnen:
 Ich hänge sehr an Finanzen. Darunter leiden manchmal meine sozialen Entscheidungen.
4. Als Lesestoff hat mich in letzter Zeit besonders beeindruckt:
Ich habe viel über Corona gelesen und mich mit dem Haushalt unserer Gemeinde beschäftigt.
5. Mit diesen Eigenschaften würden mich meine drei besten Freunde beschreiben: 
bodenständig, zuverlässig, unsportlich.
6. Wenn ich für einen Tag Bundeskanzlerin wäre, würde ich ...
versuchen, mehr Steuergerechtigkeit herzustellen. Dazu gehören für mich höhere Steuern für Besserverdiener und ein besserer Finanzausgleich zwischen Bund, Ländern und Kommunen. Die Kommunen müssen unabhängiger von den Gewerbesteuereinnahmen und damit der gesamtwirtschaftlichen Situation sein, die sie nicht beeinflussen können.
7. Die Bürgermeisterwahl wäre für mich ein Erfolg, wenn ...
 ich gewählt werde, auch wenn es erst in der Stichwahl ist. 

Zur Person

Alfred Knoch (61) ist in Rockensüß aufgewachsen. Nach der Volksschule in Cornberg erwarb er an der Handelsschule in Bebra die Mittlere Reife. Es folgte eine Ausbildung beim Landkreis, wo er seither als Verwaltungsbeamter tätig ist – unter anderem war er stellvertretender Sozialamtsleiter. Nach der vorzeitigen Abwahl von Bürgermeister Frank-Peter Gieseke 2002 führte Knoch elf Monate lang als Erster Beigeordneter die Geschicke der Gemeinde. Die Position behielt er auch, als Bürgermeister Achim Großkurth sein Amt antrat und hatte sie die folgenden drei Amtszeiten bis heute inne. Bereits seit 1997 war er Beigeordneter im Gemeindevorstand gewesen. In seiner Freizeit ist er leidenschaftlicher Unterstützer der Fußballer der SG Cornberg /Rockensüß / Königswald.

Von Christopher Ziermann

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