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Angelika Albrecht aus Braach kämpft um höheren Pflegegrad

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Von: Jenny Breiding

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Angelika Albrecht aus Braach ist mittlerweile auf den Rollstuhl angewiesen und kämpft für eine Höherstufung ihres Pflegegrades.
Angelika Albrecht aus Braach ist mittlerweile auf den Rollstuhl angewiesen und kämpft für eine Höherstufung ihres Pflegegrades. © Jenny Breiding

Durch ihre kaputten Gelenke und Knochen ist Angelika Albrecht auf einen elektrischen Rollstuhl angewiesen – und auf die Höherstufung ihres Pflegegrades.

Braach – Angelika Albrecht aus Braach präsentiert sich als lebensfrohe Person, eine, die nicht schnell aufgibt. Doch die Anzahl ihrer Krankheiten stellt die 70-Jährige seit langer Zeit auf eine harte Probe, sagt sie. Nachdem sie sich 32 Jahre lang um ihren pflegebedürftigen Mann kümmerte, eigene und Pflegekinder großzog, in Vollzeit arbeitete und sich in ihrer Freizeit über 20 Jahre in der Kommunalpolitik engagierte, hat ihr Körper zu streiken begonnen.

Ein Vorfall jagte nun den nächsten – Frau Albrecht erlitt insgesamt zwölf Bandscheibenvorfälle, die die Nerven in ihren Beinen beschädigten, sodass diese heute zum größten Teil taub sind. Es folgten unzählige Stürze sowie Knie-, Hüft- und Schulteroperationen, die es ihr schwer machen, sich eigenständig zu bewegen.

Angelika Albrecht erzählt, dass das Schicksal selten zu ihren Gunsten entschied. Mit 18 heiratete sie ihren Mann, der wenige Jahre später schwer erkrankte.

Sie, die selbst Krankenschwester ist, entschied sich für eine Fortbildung, um danach die Dialyse ihres Mannes für die nächsten 32 Jahre selbst zu übernehmen. Den Tränen nah erzählt sie davon, wie sie nach seinem Tod den Verfall ihrer eigenen Knochen förmlich spürte.

Albrecht möchte unbedingt Unterstützung in Anspruch nehmen. „Ich bin auf Hilfe angewiesen, ich kann mir allein nicht mehr helfen“, sagt sie.

Durch ihre kaputten Gelenke und Knochen ist Albrecht auf einen elektrischen Rollstuhl angewiesen – und auf die Höherstufung ihres Pflegegrades, sagt sie. Damit müsste sie Termine, wie zum Beispiel Fußpflege, die durch eine Höherstufung häuslich stattfinden könnten, weil sie finanziert würde, nicht mehr außer Haus wahrnehmen. Mit der Bewilligung des Rollstuhls durch die Krankenkasse beantragte sie also die Höherstufung im März dieses Jahres.

Der Medizinische Dienst Hessen (MD) ist dem Hessischen Ministerium für Soziales und Integration untergeordnet und für die Beratung der Krankenkassen in Fragen der Begutachtung zuständig.

Auf Nachfrage unserer Zeitung teilt ein Mitarbeiter des MD mit, dass der MD „nicht über die Anpassung der Pflegegrade“ entscheide, sondern lediglich „Empfehlungen für die Pflegekasse“ ausspreche.

Nach der Begutachtung der Situation von Angelika Albrecht empfahl der MD mit der Begründung „Frau Albrecht könne, da sie medikamentös gut eingestellt sei, ihren Alltag jetzt besser als bei der letzten Begutachtung im Jahr zuvor meistern“ jedoch keine Höher-, sondern eine Runterstufung von Pflegegrad 3 in den Pflegegrad 2. Das teilt die Techniker Krankenkasse auf Nachfrage mit. Albrecht selbst berichtet, das Gegenteil sei der Fall. Auch die Krankenkasse kam dieser Empfehlung „aufgrund des fehlenden Nachweises einer wesentlichen Besserung des Gesundheitszustandes von Frau Albrecht durch den MD“ nicht nach, sagt die Mitarbeiterin der Krankenkasse.

Dennoch hänge eine Höherstufung nicht mit der Benutzung eines Hilfsmittels zusammen, sagt sie darüber hinaus. Bei der Begutachtung gehe es um „den Hilfebedarf, der dem/der Versicherten durch eine weitere (Pflege-) Person gewährt“ würde.

Im Fall einer Verbesserung des gesundheitlichen Zustandes durch ein Hilfsmittel „kann sich der anzuerkennende Hilfebedarf dadurch sogar verringern“ und der Pflegegrad gemindert werden.

Angelika Albrecht verblieb also in der bisherigen Pflegestufe und stellte Ende Oktober einen erneuten Antrag – der nun wieder, mit der entsprechenden Empfehlung des MD, abgelehnt wurde. Dieser Prozess, in dem sie nun seit beinahe einem Jahr versucht, Pflegedienstleistungen genehmigt und bezuschusst zu bekommen, ist für Albrecht nervenzehrend. Sie sei am Ende ihrer Kräfte, betont sie immer wieder. Die Bearbeitung ihrer Anträge dauere zu lang, die Hilfe der Krankenkasse und des MD Hessen sei längst überfällig.

Ihr Medikamentenplan, der hauptsächlich stark wirkende Morphine umfasst, gibt darüber hinaus Auskunft über ihren Zustand. Ohne Fentanylpflaster halte sie die körperlichen Schmerzen nicht aus, sagt sie. Dem Medizinischen Dienst liegen diese Dokumente seit langer Zeit vor.

Dieser betont jedoch weiterhin: „Die Entscheidung über den Pflegegrad trifft die für die Versicherte zuständige Pflegekasse.“

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