Einige werden Erhöhung weitergeben

Bierpreis steigt: Heimische Wirte in Sorge

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Gastwirt Lars Weißflog empfindet eine Preiserhöhung als üblichen Vorgang, ordnet es jedoch als „tragisch“ ein, wenn Bier im Supermarkt weiterhin deutlich günstiger angeboten wird.  

Biertrinker müssen ab März vermutlich tiefer in die Tasche greifen: Mehrere Brauereien haben Preiserhöhungen angekündigt. Den heimischen Wirten bereitet das Sorgen.

  • Radeberger-Gruppe kündigt höhere Abgabepreise für Bier vom Fass an
  • Gastwirte könnten Kosten auf Bierpreis weitergeben
  • Die Wirte aus Hersfeld-Rotenburg sind in Sorge

Gerade für Freunde des frisch gezapftes Gerstensaftes wird es wohl teurer werden. Die Preise für Fassbier werden steigen, kündigt die Radeberger-Gruppe an. Bei den Erhöhungen handelt es sich zunächst nur um höhere Abgabepreise der Brauereien an Getränkefachgroßhandlungen, Gastronomie und Handel. 

Wenn die Gastwirte ihre höheren Kosten aber weitergeben und ihr frisch Gezapftes ebenfalls teurer machen, werden auch die Kunden am Biertresen den Preisanstieg bemerken, wenn sie ihre Deckel bezahlen. „Wenn eine Brauerei anfängt, werden alle anderen sicher auch mitziehen“, vermutet Holger Reichenauer. Der kommissarische Vorsitzende des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) Waldhessen befürchtet daher, dass „alle unsere Gastronomen diese Preiserhöhung wohl zähneknirschend hinnehmen müssen“. 

Bier vom Fass wird teurer: Wirte können Kosten an Gast weitergeben   

Es obliege zwar jedem Gastwirt selbst, wie er seine Preise gestalte – „aber die meisten werden gezwungen sein, die Bierpreiserhöhung an den Gast weiterzugeben“, vermutet der 58-Jährige. Gerade in unserer ländlichen Region sei dies aber besonders schwer. „Die Wirte müssen sich erfahrungsgemäß leider auf Unverständnis und endlose Diskussionen einstellen“, sagt Reichenauer. Problematisch sei auch der hierdurch noch größer werdende Preisabstand zum Flaschenbier, für das nur minimale Erhöhungen erwartet würden. „Die Zahl derer, die bei uns zum Biertrinken in die Gaststätte gehen, hat ohnehin schon stark abgenommen – da ist es nicht hilfreich, dass das Trinken zuhause im Vergleich nun noch billiger wird“, sagt der Dehoga-Sprecher. 

Wirt Damian Drescher macht Paul Rempen für sein gezapftes Bier im Alten Brauhaus in Bad Hersfeld einen Strich auf seinen Deckel. Dieser könnte bald mehr kosten.

Wenn man über die Dörfer fahre und die vielen inzwischen geschlossenen Kneipen sehe, „dann ist das schon ein Bild des Jammers“, sagt Reichenauer. Damit gehe ja auch immer Dorfgemeinschaft und Kultur verloren – „und solche Preiserhöhungen verstärken diese Entwicklung leider noch“.

Hintergrund: Brauereien geben steigende Kosten weiter

Die Radeberger Gruppe, führender deutscher Bierhersteller, hebt für den Großteil seiner Produkte den Fassbierpreis Anfang März an. Auch bei Krombacher und Veltins sollen laut Medienberichten die Fassbierpreise steigen. Nach Auskunft der Radeberger-Gruppe haben höhere Logistik-, Energie- und Verpackungskosten sowie Investitionen in das Mehrwegsystem und Tariferhöhungen zu stetigen Ausgabensteigerungen geführt, die nun nicht mehr intern kompensiert werden könnten.

Höhere Kosten für Bier vom Fass: Christoph Busch: "Bier wird zum Luxusartikel"

Die geplante Bierpreiserhöhung treibt den Wirten Sorgenfalten auf die Stirn. Doch nicht bei allen müssen die Kunden einen Preisanstieg befürchten – zumindest noch nicht.

Christoph Busch, Inhaber der Kneipe New Sun in Bebra, möchte möglichst lange an den bestehenden Preisen festhalten. „Aber wenn wir dazu gezwungen werden, weil die Preise zu sehr steigen, werden wir nicht darum herum kommen, sie zu erhöhen“, sagt er. Vier bis fünf Erhöhungen habe es in den vergangenen zwei Jahren gegeben. „Bier wird zum Luxusartikel, wenn das so weitergeht“, sagt Busch. Sein Vorschlag: „Man sollte die Alkoholsteuer senken.“

Ähnlich sieht es Achim Kniese, der in Bad Hersfeld unter anderem die Gaststätte Altes Brauhaus betreibt. „Wir werden bis auf Weiteres die Getränkepreise nicht erhöhen“, sagt er. „Die Preiserhöhung ist in unserem Unternehmen nicht allein abhängig vom Einkaufspreis. Jeder muss schauen, inwieweit die Preiserhöhungen bei den Kunden durchzubringen sind, ohne diese zu verlieren“, erklärt Kniese.

Bier vom Fass: "Wir werden den Preis um etwa zehn Cent anheben müssen"

Für Lars Weißflog, den Inhaber des Moritz in Rotenburg, kommt die Erhöhung nicht überraschend. „Die Preise werden etwa alle zwei Jahre erhöht. So lange ist das letzte Mal schon her“, sagt er. „Was mir aufstößt, ist, dass man den Kunden kaum noch erklären kann, warum man diese Preise pro Glas nimmt, weil das Bier in Flaschen im Einzelhandel viel billiger ist“, erklärt er. Auf seine Kunden kommt voraussichtlich eine Preiserhöhung zu: „Wir werden den Preis wahrscheinlich um etwa zehn Cent anheben müssen“, sagt Weißflog.

Das ist auch bei den Wirten Heinz Kuhnsch aus Cornberg und Lydia Schlüter von der Kajüte in Bad Hersfeld so. Kuhnsch sagt: „Bisher habe ich noch nichts von der Preiserhöhung gehört – aber sollte sie kommen, werde ich die Preise wahrscheinlich anheben müssen.“ Das ist bei Lydia Schlüter ähnlich: „Preiserhöhungen sind nie gut – dann muss auch ich meine Verkaufspreise erhöhen“, sagt sie.

Höhere Preise für Bier vom Fass: Gast wird am Ende Leittragende sein

Holger Reichenauer, kommissarischer Vorsitzender des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) Waldhessen, bedauert diese Entwicklung, „weil sie die ohnehin angespannte Situation für unsere heimischen Gastronomen noch weiter verschärft“. Denn auch sie hätten mit steigenden Betriebskosten in vielen Bereichen zu kämpfen und daher meist kaum noch Spielraum, um Preiserhöhungen intern ausgleichen zu können. 

„Das ist eine Kettenreaktion bei der am Ende immer der Gast der Leidtragende ist, an dem die Erhöhung hängen bleibt“, sagt der 58-Jährige. Oder der Gastwirt, dem die Kunden wegbleiben, weil sie ihr vermeintlich billigeres Bier dann doch lieber alleine zuhause trinken. Wenn dieser Trend anhalte, sei so langsam wirklich Hopfen und Malz verloren, finden die Gastwirte.

Video: Preishammer: Ab März wird das Fassbier teurer

(pgo/fab)

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Quelle: HNA

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