47-Jähriger jagte Geschäftsleuten Angst ein

Bewährungsstrafe für Bad Hersfelder  Bomben-Droher

Bad Hersfeld. Als fast freier Mann durfte ein 47-Jähriger aus Bad Hersfeld am Mittwoch das Bad Hersfelder Amtsgericht verlassen, der bis zur Verhandlung wegen Androhung von Straftaten und versuchter räuberischer Erpressung fast vier Monate in Untersuchungshaft gesessen hatte.

Der offenbar alkoholkranke Mann gab zu, Ende Oktober 2017 insgesamt dreimal den Notruf der Polizei angerufen und mit Bomben in zwei am Lingg- beziehungsweise Marktplatz befindlichen Gaststätten gedroht zu haben, die in Kürze explodieren würden. Anfang November hinterlegte er zudem vor einer der beiden Lokalitäten sowie bei einem benachbarten Friseurgeschäft Briefe, in denen er Geld forderte und drohte, „den Laden abzubrennen“. Bei allen Taten soll der 47-Jährige, der sich selbst als Quartalstrinker bezeichnete, erheblich alkoholisiert gewesen sein.

Ursprünglich waren ihm auch zwei unverständliche Anrufe beim Notruf im August vergangenen Jahres vorgeworfen worden, in denen er ebenfalls Bomben im Bereich des Lingg- und Marktplatzes ankündigte. Diese Punkte wurden allerdings fallengelassen, weil sie ihm nicht zweifelsfrei zugeordnet werden konnten.

Erklären konnte der Angeklagte die Taten weder sich selbst noch dem Gericht, lediglich im Fall des Friseurgeschäfts – das sich unter der Wohnung des 47-Jährigen befindet – berichtete er von Streit. Er habe der „blonden Friseurin“ deshalb wohl einen Denkzettel verpassen wollen.

Verurteilt wurde der Bad Hersfelder schließlich wegen Störung des öffentlichen Friedens und Bedrohung in jeweils drei Fällen zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von einem Jahr, die für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wird – verbunden unter anderem mit der Auflage, sich bis nächsten Freitag um einen bereits in Aussicht gestellten Therapieplatz samt Wohnmöglichkeit zu bemühen. Zudem muss er 100 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten.

Um Geld ging es dem mit Bomben und Brandstiftung drohenden Bad Hersfelder, der sich am Mittwoch vor dem Schöffengericht mit Richter Michael Krusche verantworten musste, anscheinend nicht. Weder habe er sich weiter um seine Forderungen gekümmert, noch sie wohl wirklich ernst gemeint. So viel schien nach kurzer Verhandlungszeit klar, weshalb zumindest der Vorwurf der räuberischen Erpressung letztlich wegfiel. Schockiert und ratlos angesichts der ganzen Geschichte zeigte sich auch die als Zeugin geladene Noch-Ehefrau des 47-Jährigen, die zwar von selbigem getrennt lebt, sich gemeinsam mit einem Berufsbetreuer aber weiterhin um den physisch und psychisch erkrankten Frührentner kümmert und ihn aktuell auch bei der Suche nach einem Therapieplatz unterstützt. 

Sie bestätigte, dass sich der Angeklagte zum Tatzeitpunkt in einer besonders schlimmen Phase des Trinkens befand (Stichwort: verminderte Schuldfähigkeit), ebenso wie seine Handschrift und typische Formulierungen in den Briefen. Verhaftet worden war der Bad Hersfelder, der von einer Dummheit sprach und die Gerichtsverhandlung teilweise grinsend verfolgte, kurz nachdem er den Brief am Friseursalon hinterlegt hatte. Bei der Durchsuchung seiner Wohnung habe er sich denn auch kooperativ verhalten, berichtete ein ebenfalls als Zeuge geladener Kommissar. Einen guten Eindruck zu hinterlassen empfahl Richter Krusche dem nun auf Bewährung freigelassenen 47-Jährigen auch mit Blick auf das anstehende Therapiegespräch. Sollte er scheitern, müsse er die verbliebenen Monate gegebenenfalls absitzen. 

Für eine Bewährungsstrafe hatten sich auch die Staatsanwältin und der Verteidiger ausgesprochen, der das Geschehen dennoch nicht verharmlosen wollte und auf die Angst der Betroffenen verwies. Er sagte aber auch: „Wenn er nicht säuft, begeht er keine Straftaten.“ Vorbelastet ist der 47-Jährige mit Sachbeschädigung, Trunkenheitsdelikten und zuletzt einem kleineren Verkehrsdelikt. Mahnende Worte gab es zum Abschluss vom Verteidiger des Angeklagten auch für dessen Bekannte, die ihn nicht in Versuchung führen sollen. (nm)

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