Ergebnisse im Sommer

Bergbau-Altlasten: Grundwasser bei Richelsdorf wird untersucht

50 Bohrungen sollen Aufschluss darüber bringen, ob und wie sehr das Grundwasser bei Richelsdorf belastet ist: Das Foto zeigt einen der beiden Geschäftsführer des Ingenieurbüros A+V Geoconsult, Udo Volkmer, (Mitte) und Mitarbeiter Hardy Leuschner bei der Arbeit an dem Bach Weihe. Im Hintergrund ist Dr. Roland Reh vom Ingenieurbüro Geonik zu sehen.

Richelsdorf. Mit großflächigen Untersuchungen wollen sich Experten einen Überblick darüber verschaffen, wie stark das Grundwasser bei Richelsdorf mit Schadstoffen aus dem Bergbau belastet ist. 

Richelsdorf soll in ein paar Jahren wieder ein ganz normales, liebenswertes Dorf werden. Dann soll der Kampf mit den Altlasten aus dem Bergbau der Richelsdorfer Hütte vergessen sein, der vor über 50 Jahren eingestellt wurde. Das ist das große Ziel der Untersuchungen, die seit über einem Jahr um und in Richelsdorf laufen.

Vor Kurzem ist – fast unbemerkt von den Richelsdorfern – eine neue aufwendige Aktion angelaufen: Die Experten wollen sich mit großflächigen Untersuchungen einen Überblick darüber verschaffen, wie stark das Grundwasser mit Schadstoffen aus dem Bergbau belastet ist. Dabei geht es um den Bereich zwischen dem ehemaligen Betriebsgelände und dem etwa 600 Meter entfernt liegenden westlichen Ortsrand von Richelsdorf.

Die Bohrungen

Für die neuen Untersuchungen sind 50 Bohrungen geplant, bei denen Grundwasserproben entnommen werden und die Bodenbeschaffenheit erkundet wird. Die Aktion soll bis Weihnachten beendet sein, berichtet Zrinko Rezic von der Hessischen Industriemüll GmbH, die im Auftrag des Landes für die Sanierung zuständig ist.

Der Bach

Der Bach Weihe hat bis zu seiner Verlegung weg vom Betriebsgelände im Jahr 1999 Schadstoffe bis in den Ort gespült. Aber auch mit dem Grundwasser wurden Schadstoffe vom Betriebsgelände und der dortigen Zink-Halde Richtung Richelsdorf transportiert. Das steht schon fest.

Die Reinigung

Seit über 20 Jahren sorgt eine Reinigungsanlage dafür, dass keine Schadstoffe mehr vom Betriebsgelände und der Halde über das Grundwasser in Richtung Richelsdorf gespült werden können – siehe Bericht unten. Die Hauptquelle, von der die Schadstoffe ausgingen, ist damit gesichert. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass in den 500 Jahren vorher – solange reicht die Bergbaugeschichte zurück – Schadstoffe ungehindert ins Grundwasser gelangen und in Richtung des Wildecker Ortsteils abfließen konnten. „Das können wir nicht zurückholen“, betont Rezic.

Das hohe Gut

Deshalb sollen die neuen Untersuchungen jetzt Aufschluss darüber bringen, wie stark das Grundwasser zwischen Betriebsgelände und Dorf belastet ist – und warum es in manchen Bereichen stark und in anderen nur schwach belastet ist.

Etwa 70 Prozent des Trinkwassers in Deutschland werden aus Grundwasser gewonnen. „Deshalb ist es sehr wichtig, dieses Gut zu schützen“, betont Dr. Roland Reh, der Geschäftsführer des Ingenieurbüros Geonik.

Die gute Nachricht

Die gute Nachricht ist: Erste Ergebnisse von vier Messstellen, die bereits im Sommer im Ort selbst aufgebaut wurden, weisen dort eine relativ geringe Belastung des Grundwassers auf. Die Ergebnisse der neuen, umfangreichen Untersuchungen sollen Mitte 2018 vorliegen und dann auch den Bürgern vorgestellt werden. Wenn bei den Richelsdorfern Interesse besteht, wird es schon Anfang 2018 eine Bürgerinfo geben, bei der die Ergebnisse der Untersuchung der 44 Dorfbewohner und weiterer Grundstücke vorgestellt werden, sagt Zrinko Rezic.

Die Grundwasser-Reinigungsanlage filtert pro Jahr allein eine Tonne Zink aus dem Grundwasser. Wie genau das funktioniert und wie es mit der Zink-Halde weitergeht, auf der tonnenweise schadstoffhaltige Rückstände lagern, erfahren Sie in der gedruckten Mittwochausgabe unserer Zeitung und im E-Paper. 

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