Teil des Bahnhofsensembles

Bebraer Kesselhaus wird zum Veranstaltungsort mit Charme

Traditionsreiches Gebäude: Das Kesselhaus ist ein Bestandteil des Ensembles aus Bahnhofsgebäuden.

Bebra. Das sogenannte Kesselhaus, einst Bestandteil der riesigen Bebraer Bahnhofsanlage, wird derzeit umgebaut und sich in einen Festsaal mit industriellem Charme verwandeln.

Helmut Strube erinnert sich noch an den Flocken-august: Das war unter den Mitarbeitern die spaßige Bezeichnung für denjenigen, der den großen Schornstein des Kesselhauses im Blick behalten und nach hässlichen schwarzen Flocken Ausschau halten musste, über die sich Anwohner zu beschweren begonnen hatten. Das sogenannte Kesselhaus, einst Bestandteil der riesigen Bebraer Bahnhofsanlage, wird derzeit umgebaut und sich in einen kleinen Festsaal mit industriellem Charme verwandeln.

Helmut Strube war in den 1970er und 1980er Jahren als Gruppenleiter zuständig für Triebfahrzeuge und Anlagentechnik und als solcher mit dem Kesselhaus vertraut. Ende des 19. Jahrhunderts, weiß er, wurde das Gebäude gebaut und diente zunächst der Herstellung von Acytelengas, das in den Werkstätten nebenan zum Schweißen verwendet wurde, etwa bei der Reparatur von Dampflokomotiven.

Dach konnte wegfliegen

Anfang der 1960er Jahre wurde das Haus erweitert, der Schornstein gebaut und zwei riesige zylinderförmige Dampfkessel wurden installiert. Der hier erzeugte Wasserdampf verteilte sich durch Rohre über den ganzen Bahnhof und beheizte Sozial- und Verwaltungsgebäude mit Büros und Dienstwohnungen, das Inselgebäude und die Stellwerke. Das Tonnendach aus Wellblech war so konstruiert, dass es im Falle einer Explosion nach oben wegfliegen konnte, weiß Strube.

Veranstaltungssaal mit industriellem Charme: Das Kesselhaus verwandelt sich in ein Stadtteilzentrum.

Die Anlage arbeitete mit schwerem Heizöl, das Probleme bereitete: Bei unsauberer Verbrennung stiegen die schwarzen Flocken empor und legten sich auf Häuser und Gärten. „Auf dem Weg zur Arbeit hat man schon auf den Boden geguckt“, erinnert sich Strube. Ein stärkeres Umweltbewusstsein sei in dieser Zeit aufgekommen, und die Anwohner reagierten empfindlich. Anfang der 1980er Jahre stellte die Bahn deshalb auf Gas um.

"Meine schönste Zeit bei der Bahn"

Rund um die Uhr musste jemand im Kesselhaus nach dem rechten sehen. „Da war ständig ein Handwerker dran“, erinnert sich Strube. Gern denkt er an die Zeit zurück, als bei ihm die Verantwortung für das Kesselhaus lag. „Das war meine schönste Zeit bei der Bahn“, sagt er. „Man hat sich mit den Anlagen identifiziert.“ In den 1990er Jahren wurde das Kesselhaus aus dem Betrieb genommen, da die Beheizung mittels Dampf unwirtschaftlich war. Lange lag das Gebäude brach, bevor jetzt drei Mitarbeiter einer Abrissfirma anrückten, um das Innenleben des Gebäudes zu demontieren. Seit einigen Wochen sind sie dabei, die Kessel, Rohre und Leitungen mittels Schweißbrenner in Einzelteile zu zerlegen. Ein Zeugnis der traditionsreichen Geschichte des Bebraer Bahnhofs wird auf diese Weise entsorgt und zugleich bewahrt, denn das Kesselhaus soll auf andere Weise weiter genutzt werden.

Schwelgen in Erinnerungen: Hemut Strube (links) und Peter Kehm waren bei der Bahn beschäftigt. Kehm betreut heute das Stadtarchiv.

Hintergrund

Während die schweren Kessel zerlegt und abtransportiert werden, sollen das Gebäude als solches und sein industrieller Charme bewahrt werden, sodass das Gebäude künftig eine neue Verwendung finden kann: als Stadtteilzentrum, wie Manfred Knoche von der Bebraer Stadtentwicklungsgesellschaft (SEB) erläutert. Die SEB hat das Gebäude für einen symbolischen Euro vom früheren Besitzer, der Stadt Bebra, erworben und den Plan für den Umbau gemacht: Rohrleitungen an den Wänden bleiben weitgehend erhalten, genau wie die Metalltreppen und Emporen im Inneren. Das Gebäude erhält ein neues Dach und neue Fenster und Türen, eine Heizung und Toiletten sowie eine kleine Küche. Während der Lokschuppen des Bahnhofs zur Multifunktionshalle für über 600 Personen umgebaut wird, werde das Kesselhaus nur etwa 120 Personen fassen, so Knoche. Private Feiern oder Veranstaltungen des Kulturzugs könnten hier zum Beispiel stattfinden. Die Kosten des Umbaus liegen bei etwa 240.000 Euro, so Knoche. Finanziert wird er überwiegend aus Mitteln des Stadtumbau-Programms der Landes Hessen. Im Herbst soll der Umbau abgeschlossen sein. (zmy)

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