Ordnungsamt, Aufklärer, Naturschützer

Bebra: Zwei Ranger sind jetzt am Breitenbacher See unterwegs

Arbeitsplatz: Jürgen Rieger (links) und Wolfgang Engel am See. Im Hintergrund der Breitenbacher Kirchturm.

Breitenbach. Rund um die Breitenbacher Baggerseen entwickeln sich in enger Nachbarschaft zwei ganz unterschiedliche Welten.

Während immer mehr Menschen sich am vorderen Ufer aufhalten und den großen See zum Baden, Bootfahren oder Angeln nutzen, entfaltet sich auf der gegenüberliegenden Seite, abseits von Straßen und Häusern und dadurch von vielen unbemerkt, auf fantastische Weise die Natur. Zwei Ordnungskräfte, Ranger genannt, sorgen seit einiger Zeit im Auftrag der Stadt dafür, dass beide Welten sich nicht in die Quere kommen.

Wolfgang Engel und Jürgen Rieger sind beide im Ruhestand. Der eine war im Außendienst tätig, der andere Berufssoldat. Ihr neues Revier haben sie sich zu eigen gemacht: Beide wissen genau, wie viele Junge die einzelnen Schwanenpaare haben, die hier im Frühjahr brüteten. Ihrem aufmerksamen Blick entgeht nicht die kleine Gelbbauchunke in einer Pfütze, nicht die Kamille am Wegesrand und nicht der Biber, der sich ab und zu blicken lässt. „Man lernt jeden Tag dazu“, sagt Jürgen Rieger.

Das Reich, dem sie sich verpflichtet fühlen, gleicht inzwischen einem Paradies: Zwei Gänse landen auf dem See, während weiter hinten die Schwäne ihre Hälse recken und Silberreiher stumm im flachen Wasser hocken. Im Schilf leuchten die roten Köpfchen der jungen Blesshühner.

Nicht jeder der vielen Menschen, die am See ihre Freizeit verbringen, hat das Gespür für die Empfindsamkeit der Tiere und Pflanzen. Dieses Bewusstsein zu schaffen, darin sehen Engel und Rieger ihre Mission. „Wir sind Ordnungsamt, Aufklärer, Naturschützer“, sagt Jürgen Rieger. Die beiden weisen Menschen auf dummes oder unbedachtes Verhalten hin, etwa wenn Jugendliche nahe der Eisvogel-Brutwand Steine ins Wasser werfen. Engel: „Wenn man mit Menschen spricht, dann staunen die Leute und sagen: Sie haben recht.“

Keine Spielverderber

Die beiden Ranger wollen keine Spielverderber sein. Es gilt: „Die Leute sollen ihre Freizeit genießen können“, sagt Engel. Aber um eine klare Linie zu zeigen, sind sie rigoros. Schwarzangler oder Falschparker werden angezeigt.

Beide, Engel und Rieger, sind auf 450-Euro-Basis bei der Stadt angestellt. Aber die Ranger halten sich nicht streng an die dadurch vorgegebenen Zeiten. Er fühle sich, erklärt Jürgen Rieger, 24 Stunden lang an sieben Tagen in der Woche verantwortlich. Seine Hündin Frieda hat er bei den Rundgängen immer dabei. Sie hilft dabei, mit den Menschen ungezwungen ins Gespräch zu kommen. Rieger: „Frieda ist ein Menschenöffner.“

Dass die beiden Ranger tätig werden konnten, dafür hatte sich Bürgermeister Uwe Hassl eingesetzt. Die Ranger seien die beste Möglichkeit, um für ein reibungsloses Miteinander der Belange von Mensch und Natur zu sorgen, sagt der Bürgermeister.

Hintergrund

Die Schaffung eines sogenannten Fuldaauen-Erlebnisparks bei Breitenbach ist ein langfristiges Projekt und noch lange nicht abgeschlossen. Das Konzept sieht vor, dass sich das weitläufige Gelände auf lange Sicht in drei Zonen gliedern wird, wie Heinrich Wacker erklärt, der mit seinem Planungsbüro die Landschaftsplanung übernommen hat.

 •Zone eins solle einer „intensiven Freizeitnutzung“ gewidmet sein, erklärt Wacker. Hier, im vorderen Bereich, ist Platz für Badegäste, für Beachvolleyballer, Angler und Segler. Nahe dem Wohnmobilplatz soll eventuell noch ein Restaurant entstehen, außerdem eine Art Amphitheater für Kulturveranstaltungen. Das Seglerheim werde erweitert und erneuert.

 • Eine zweite Zone diene der „Stillerholung“, wie Wacker erklärt. Hier ist das Baden verboten, aber Spaziergänger dürfen die Natur erkunden. Bänke und ein Aussichtshäuschen finden Spaziergänger hier vor, darüber hinaus aber keine Gebäude. Diese, an der gegenüberliegenden Seite des Sees gelegene Zone, stelle eine Art Puffer dar, um den Freizeitbereich von Zone drei zu trennen. Diese bezeichnet Wacker als Naturschutzzone. Menschen dürfen sie nicht betreten, und die Natur soll sich hier ungestört entfalten können. Die Schaffung der Naturschutzzone sei, rechtlich gesehen, eine Kompensation für Eingriffe in die Natur im vorderen Bereich. 

•Entstanden ist auch ein Nebenarm der Fulda. Dieser diene dazu, kleinere Hochwasser abzufangen, damit diese nicht in den See schwappten und übermäßig viele Nährstoffe hinein beförderten, erklärt Wacker. Weiter oberhalb werde die Fulda außerdem geweitet. Noch in diesem Jahr werden diese Maßnahmen abgeschlossen sein. Das Baggern nach Kies wird noch einige Jahre dauern. Da vergrößert sich die Seefläche weiter möglicherweise um fünf bis sechs Hektar. Es werde ein üppiges Wegenetz für Spaziergänger entstehen, verspricht Wacker.

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