Breitenbacher See statt Krisengebiet

Ex-Scharfschütze ist jetzt Naturschützer in Bebra

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Hat den Naturschutz fest im Blick: Jürgen Rieger arbeitet als Ranger bei der Stadt Bebra. Zuvor war er 34 Jahre lang bei der Bundeswehr – unter anderem als Überlebenstrainer. 

Der 54-jährige Jürgen Rieger arbeitet heute als Ranger bei der Stadt Bebra. Wir haben ihn begleitet. 

Von der restlichen Truppe abgeschnitten und auf sich alleine gestellt: Ein Soldat muss in der Wildnis überleben können. Jürgen Rieger war 34 Jahre lang bei der Bundeswehr als Infanterist, Fallschirmjäger und Schießtrainer für Scharfschützen . Zudem arbeitete er als Überlebenstrainer. Mittlerweile ist er im Ruhestand. Doch der 54-Jährige aus Bebra ist der Natur treu geblieben. Als Ranger bei der Stadt Bebra bringt er mit zwei Kollegen Naturschutz und Tourismus unter einen Hut.

Das Trio passt unter anderem darauf auf, dass Urlauber und Badegäste die Naturschutzgebiete in der Gesamtgemarkung Bebra nicht betreten. Frühere Einsatzgebiete wie Albanien und Kosovo hat der verheiratete Familienvater unter anderem für die Fulda und den Breitenbacher See eingetauscht. „An meinem Job gefällt mir sehr, dass ich die positiven Veränderungen der Natur vor Ort hautnah miterlebe“, sagt Rieger.

Ein Schwerpunkt seiner Arbeit ist der Naturgewässerschutz. Dafür ist der Hobby-Angler prädestiniert. Seit Jahren wirft er im Schwedenurlaub die Rute aus nach Meerforellen, Hechten und Barschen. Seit 2015 ist er Gewässerwart im Angelverein SAV Bebra am Breitenbacher See.

Im Vergleich zu vielen ehemaligen Kameraden hat er keinen Jagdschein gemacht. „Ich habe nach einem Hobby ohne Lärm gesucht. Das Schießen fehlt mir überhaupt nicht.“ Zudem überwacht Rieger als Fischerei-Aufseher der Unteren Naturschutzbehörde die Einhaltung der hessischen Fischereigesetze.

Wenn Rieger am Breitenbacher See unterwegs ist, begleitet ihn an seiner Seite oft Hundedame Frau Frida. „Sie wirkt wie ein Eisbrecher, wenn ich mit Badegästen und Urlaubern ins Gespräch komme.“ Der Mischling ist in einem rumänischen Tierheim aufgewachsen. Sieben Monate lebte sie dort. „Sie kannte nichts. Keine Autos, keine Wiesen, keine Wälder. Nur eine Betondecke und ein Gitter“, sagt der Naturschützer: „Sie war ein extremes Angstbündel und hatte vor allem Schiss.“ 

Das hat sich mittlerweile geändert. Frau Frida ist fast täglich in der Natur unterwegs – wie ihr Herrchen. „Meistens bin ich nur drinnen, um zu schlafen“, sagt Rieger mit einem Lächeln im Gesicht. Selbst im Winter sei er täglich mindestens fünf Stunden an der frischen Luft. Nervige Momente in der Natur erlebt Rieger selten. Nur wenn er die Blumen im Garten gießt und es wenige Minuten später regnet, steht er emotional sprichwörtlich im Regen.

Verlässt Rieger die Natur, häufen sich die nervigen Erlebnisse. Er hat kein Verständnis für Bio-Zucchinis, die in Plastikfolie verpackt sind. Oder wenn freitags für die Umwelt protestiert wird und samstags Mülltüten durch die Luft fliegen. Denn: „Naturschutz fängt im Kleinen an.“ Rieger vermisst oft das respektvolle Miteinander. Und ihn nervt die „Grundverbitterung“ mancher Menschen. „Wenn man schlecht drauf ist, obwohl man schön gefrühstückt hat, die Sonne scheint und der Chef einen nicht nervt. Dafür habe ich kein Verständnis.“

Rieger weiß sein Leben zu schätzen. Und er ist sich bewusst, warum er oft zufrieden ist. „In der Natur erhole ich mich. Das würde vielen Menschen so gehen. Doch man muss das Gefühl der Erholung und Entspannung zulassen und einfach mal abschalten. Und damit haben wohl einige ein Problem.“

Seine Vermutung: Auch in der Freizeit würden zu viele Leute in einer Wettbewerbsgesellschaft leben. Und einfach nur mal draußen in der Natur zu sein, sei vielen eben nicht schick genug. „Aber wer die Größe hat, einfach mal in den Wald zu gehen – weil er kann, nicht weil er muss – hat im Leben schon viel erreicht.“

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