Versorgung aus 55 Metern Tiefe

Weltwassertag: Der Weg vom Brunnen bis zum Wasserhahn

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Wassermeister Klaus Kallenbach an einem der Hochbehälter in Weiterode.

Heute ist internationaler Wassertag. In Weiterode haben wir uns exemplarisch angesehen, woher unser Wasser aus dem Hahn kommt.

Unscheinbar steht das wenige Quadratmeter große, mit grünem Metall umzäunte und mit Holz verkleidete Häuschen am Rand des Bebraer Stadtteils Weiterode. Dass darin am Tag etwa 180 Kubikmeter ihres Trinkwassers aus 55 Metern Tiefe gefördert werden, weiß sicher nicht jeder der Ortsbewohner. Ein Blick ins Innere öffnet die Sicht auf Brunnenkopf, Druckmanometer, Zähler und Schaltschrank. Für den Laien ebenso unscheinbar wie die äußere Erscheinung des Tiefbrunnen-Häuschens.

Blick in den blauen Hochbehälter-Tank: In unterirdischen Becken lagert das Trinkwasser, mit dem die Einwohner von Weiterode versorgt werden.

„Die Pumpe, die das Wasser fördert, sitzt erst in einer Tiefe von 25 Metern“, erklärt Wassermeister Klaus Kallenbach von den Bebraer Stadtwerken. Ab dort führen Filterrohre aus verschweißtem Wickeldraht weiter. Diese Rohre sind zusätzlich von einer Schicht aus Kies umgeben, durch die das Grundwasser langsam in die Rohre eindringt und anschließend an die Oberfläche gepumpt wird. 30 Kubikmeter Wasser pro Stunde. Überwiegend über vier bis sechs Stunden in der Nacht, weil dann der Strom günstiger ist.

Jedes Vierteljahr werden Proben des Wassers entnommen. Aufgrund des Kaliabbaus im Werratal gibt es laut Kallenbach aber auch eine zusätzliche Sicherheitsprüfung auf Chlorid. „Mit Chloriden und Nitraten aus der Landwirtschaft haben wir in unserem Bereich aber keine Probleme“, sagt Stadtwerke-Geschäftsführer Herbert Höttl. Das liege daran, dass 75 Prozent des Bebraer Wassers aus Waldgebieten stamme.

Durch diese Edelstahlrohre gelangt das Trinkwasser vom Hochbehälter in die Leitungen und bis in die Haushalte.

Vom auf 205 Metern über Normalnull gelegenen Brunnen führt der Weg des Wassers weiter auf 260 Meter Höhe. Hier, oberhalb der Ortschaft, befindet sich eingebettet zwischen zwei mit Rasen bewachsenen Hügeln der Weiteröder Hochbehälter. Dass der höher liegt, hat einen einfachen Grund: Dadurch lässt sich einfacher Druck erzeugen, mit dem das Wasser durch die Leitungen fließt.

Wenn die beiden Becken, die jeweils 370 Kubikmeter Wasser fassen, nicht mehr genügend gefüllt sind, gibt der Hochbehälter automatischen einen Impuls ab. Der signalisiert der Pumpe des Tiefbrunnes, dass er Wasser-Nachschub benötigt. „Bei wichtigen Länderspielen der Fußball-Nationalmannschaft können wir anhand unserer Daten exakt sehen, wann die Halbzeitpause begonnen hat“, scherzt Herbert Höttl.

Oberhalb von Weiterode: Für genügend Druck in den Leitungen liegt der Hochbehälter auf 260 Metern Höhe.

Ein Blick in die zwei in Beton gefassten, blau gestrichenen und mit Kunststoff verkleideten Tanks hat etwas Magisches: Ruhig lagert hier kristallklares Trinkwasser, das im Winter eine konstante Temperatur von 10 und im Sommer 14 Grad hat. Geschützt werden die Becken von einer Erdschicht von rund einem Meter – die geben dem Hochbehälter die charakterische Einbettung in zwei Hügel. Die Tanks verfügten über Luftfilter, damit kein Unter- oder Überdruck entstehen und keine Pollen und Schmutzpartikel in die Behälter gelangen. „Einmal im Jahr müssen die Becken abgelassen und gereinigt werden“, sagt Kallenbach.

Über Edelstahlrohre wird das Wasser vom Hochbehälter in das Stadtnetz eingespeist und landet beim Endverbraucher, wenn der den Wasserhahn öffnet. Damit die Stadtwerke eine möglichst unabhängige Wasserversorgung garantieren können, gibt es im Bebraer Stadtgebiet eine Ringleitung. Dadurch kann im Fall eines Rohrbruchs Wasser aus anderen Gebieten zugeführt werden „Das ist ganz ähnlich zum Strom, der umverteilt werden kann“, sagt Herbert Höttl. Etwa 40 bis 45 Prozent des Hochbehälter-Inhalts müssen zusätzlich für Feuerwehreinsätze zurückgehalten werden.

Für die Eisenbahnerstadt Bebra mit ihren knapp 14 000 Einwohnern fällt jährlich ein Verbrauch von etwa 600 000 Kubikmetern Wasser an. Das sind pro Kopf grob 35 bis 40 Kubikmeter im Jahr. Dar Weg des Wassers ist in anderen Kreis-Gemeinden laut Höttl aber keineswegs identisch. Es komme immer auf die örtlichen Gegebenheiten an. „Uns ist daran gelegen, das Bewusstsein dafür zu schärfen, was Wasser für ein wertvolles Gut ist. Und zu zeigen, woher es eigentlich jeden Tag kommt“, so Höttl.

Drei Tagesspitzen

Um drei Uhr nachts wird in Weiterode mit unter zwei Kubikmetern pro Stunde am wenigsten Wasser benötigt. Ab dann steigt die Nachfrage, bis morgens um 9 Uhr die erste Spitze erreicht wird. Denn wenn die Anwohner sich auf die Arbeit vorbereiten, werden 13 Kubikmeter benötigt. Danach fällt der Verbrauch, ehe zum Mittag gegen 13 Uhr der nächste Höhepunkt erreicht wird. Bis 17 Uhr fällt der Durchfluss dann auf 10 Kubikmeter, ehe er ab 18 Uhr nochmal auf 13 Kubikmeter steigt.

Weltwassertag 2019: Vom Brunnen bis zum Wasserhahn in Bebra-Weiterode

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