Von Bebra in die Arktis

Welt-Amateurfunk-Tag: Reinhold Salzmann aus Braunhausen ist einer von etwa 40 Funkern in Hersfeld-Rotenburg

Auf der Suche nach der richtigen Frequenz: Reinhold Salzmann, seit mehr als 20 Jahren Funkamateur, mit seinen Geräten. Fotos: Hess

Braunhausen. „Hier ist Reinhold, Delta Lima 8 Zulu Uniform Bebra“: Reinhold Salzmann sitzt vor seinem Mikrofon, um ihn herum überall Funkgeräte. Aus seinem Haus in Braunhausen hat er gerade Kontakt mit einem Funkamateur in Bremen aufgenommen.

Seine Funkkollegen Horst Riemenschneider und Helmut Dach lauschen gespannt im Hintergrund.

Es ist der typische Ablauf eines Gesprächs unter Funkamateuren: Die Qualität der Verbindung wird geprüft und untermalt von – je nach Verbindung – leichtem oder starkem Rauschen besprochen, auch technische Ausstattungen sind Thema. Mit einem gegenseitigen 73 endet das Gespräch. „Das bedeutet viele Grüße“, erklärt Salzmann. So endet jedes Funkgespräch. Danach erstellen beide eine QSL-Karte – auf der werden Datum, Uhrzeit, Frequenz und die Verständlichkeit des Gesprächs vermerkt. Jeder Funkamateur gestaltet seine Karte individuell. Salzmann hat Hunderte QSL-Karten, quer über die Kontinente verteilt. Antarktis, Japan, USA – er hat per Funk schon Kontakt zu Menschen in aller Welt aufgenommen.

67 000 Funker bundesweit

DL8ZU, DL8FBZ und DL8FBT – das sind die Rufzeichen von Salzmann, Dach und Riemenschneider – sind im Ortsverband Hersfeld-Rotenburg im Deutschen Amateur-Radio-Club (DARC) mit 36 weiteren Mitgliedern tätig. In Hessen gibt es 70 Ortsverbände. In Deutschland sind es laut Stephanie Heine, Sprecherin des DARC, über 67 000 Funkamateure, weltweit sind es sieben Millionen. Ein Mitglied aus dem Verband habe vor wenigen Jahren Kontakt mit dem jordanischen König aufgenommen, der ebenfalls begeisterter Funker sei.

Sendet Signale per Fingerdruck: Ein Morsegerät.

Gesprochen wird auf Englisch, auch per Morsezeichen kann kommuniziert werden. Dafür wird ein Morsegerät benötigt, mit dem Signale durchgegeben werden. Die Buchstaben erkenne man an den Klangzeichen, berichten die drei aus Erfahrung.

Das Besondere am Amateurfunk? „Es ist schön, mit Gleichgesinnten aus der ganzen Welt zu sprechen“, sagt Salzmann, „unabhängig von Herkunft, Gesinnung und Religion.“ Der Amateurfunk sei eine komplett wertefreie Angelegenheit. Egal ob Kontakt nach Russland, USA oder Japan – politische Themen oder Religion seien kein Thema.

Immer auf Empfang: Der Antennenmast im Garten von Reinhold Salzmann.

Damit Kontakt zu Funkern aus aller Welt entstehen kann, benötigt es aufwendige Technik, „und viel physikalisches Wissen“, sagt Salzmann. Schon das Haus eines Funkamateurs ist von Weitem auszumachen: In Salzmanns Garten steht ein großer Funkmast, an dem Antennen angebracht sind. Mit einem Steuergerät kann er diese aus seiner Funkkabine lenken und auf die benötigte Frequenz einstellen.

Wie viel Zeit ein Funkamateur seinem Hobby widmet, das sei schwer auszumachen. Einmal in der Woche, sonntags um 10 Uhr, verabreden sich Mitglieder des Ortsverbands Hersfeld-Rotenburg und kommen vor den heimischen Funkgeräten zusammen. Wie sie den heutigen Weltamateurfunktag verbringen? „Wahrscheinlich funken wir“, sagt Riemenschneider.

Hintergrund

Bevor man sich als Funkamateur bezeichnen darf, muss man sich einer Prüfung unterziehen. Diese besteht aus drei Teilen: Technik, Betriebstechnik und Abläufe sowie rechtliche Vorschriften. Die Prüfung nimmt die Deutsche Bundesnetzagentur ab. Der bestandene Abschluss beinhaltet die Zulassung zur Teilnahme am Amateurfunkdienst und die sogenannte Zuteilung eines personengebundenen Rufzeichens. Der Funkamateur ist danach berechtigt, ausgewiesene Frequenzbereiche zu nutzen und Technik wie Antennenmasten selbstständig zu installieren. Wer einfach nur Funk empfangen will, also zuhören will, der braucht keine Lizenz. 

Schon gewusst?

 • Jedes Land hat ein eigenes Kürzel, damit bei Kontakt ins Ausland zu erkennen ist, aus welchem Land der Funker kommt. „D“ steht für Deutschland.

• In Gesprächen werden Zahlenfolgen verwendet. „73“ steht für „viele Grüße“, „55“ für „viel Erfolg“, „88“ für „Liebe und Küsse“, „99“ für „verschwinde“.

• Die Stärke der Funkverbindung ist abhängig von der Sonnenstellung. Tagsüber ist die Verbindung häufig durch die Sonne beeinflusst, abends und in den Morgenstunden ist die Verbindung meist besser.

• Die Bezeichnung „YL“ steht für Frauen, die als Funkamateure tätig sind, die Abkürzung steht für „young lady“. Für verheiratete Frauen gilt die Abkürzung „xyl“ – „ex young lady“.

• Ein Satz im Funkgespräch beginnt stets mit „Roger“, zu deutsch: „verstanden“

• Für Funkamateure gilt die Universalzeit. Diese ist von mitteleuropäischer Zeit zwei Stunden zurückgerechnet. Das hat den Grund, dass so Zeitumstellungen unter Funkamateuren außenvor gelassen werden.

• Untereinander werden Wettbewerbe ausgerichtet, bei denen es darum geht, bei Morsetelegrafie die meisten Wörter pro Minute rauszuhören.

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