Stefan Knoche will Rathauschef werden

Ein Mann für den Knoche(n)job: Bebras einziger Bürgermeisterkandidat im Porträt

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Aus eigener Kraft den Hügel hinauf: Bürgermeisterkandidat Stefan Knoche bei der Rad-Tour am Trottenkreuz – im Hintergrund ist Solz zu sehen. Den Fahrradhelm hat er auf unsere Bitte für das Foto weggelassen – damit erkennbar bleibt, wer da geradelt kommt.

Ein Plausch im Garten oder bei einer Partie Minigolf? Nein, Stefan Knoche will in den Bergen um Bebra Fahrrad fahren. Ein Porträt von Bebras einzigem Bürgermeisterkandidaten. 

Der Wind pfeift kräftig auf den Feldwegen rund um das Trottenkreuz bei Imshausen – was das Radfahren anstrengend und Stefan Knoche schwer zu verstehen macht. Der 47-Jährige erklärt gerade, warum ein E-Bike für ihn nicht in Frage kommt: Er will am Ende einer Tour wissen, was er gemacht hat. Dann stemmt er sich in die Pedale und kämpft sich den Hügel hinauf – aufrecht und breit, trotz Gegenwind. Eine Fahrt im Windschatten von Bebras einzigem Bürgermeisterkandidaten.

Ein lockeres Gespräch wäre auch beim Minigolfspielen oder im heimischen Garten möglich, aber Knoche will in den Sattel. Dort holt sich der Chef der Bebraer Stadtentwicklung zweimal pro Woche seine Auszeiten, die Ruhe zum Nachdenken. Oft fährt er allein – fährt sein Tempo. 

Zeit zum Fußballspielen hat Knoche dagegen kaum noch, das Kicken übernehmen mittlerweile seine Söhne Max (15) und Leo (12). Beide spielen bei der FSG Bebra – und sind ihm technisch weit überlegen, wie der 47-Jährige offen eingesteht. Als Proficlub hält er Schalke 04 die Treue – auch auf die Gefahr hin, „dass mich das Wählerstimmen kostet“.

"Junge, was machst du da?" fragt die Mutter besorgt

Seine Einsätze als Vorstopper beim SuS Wennigloh (sprich: „Wennichloh“) liegen lange zurück. In dem kleinen Stadtteil von Arnsberg in Nordrhein-Westfalen ist er aufgewachsen, dort hat man ihm den Sauerländer eingetrichtert: ruhig, fast stoisch. Bodenständig. Mit einem trockenen Humor: „Ich bin mit zwei älteren Schwestern groß geworden, also wollte ich als Kind Pastor werden“, sagt Stefan Knoche.

Der 47-Jährige ist gnädig: Er legt bei der Fahrradtour einen Zwischenstopp ein. Er sitzt auf den Steinen im Schatten des Trottenkreuzes – Knoche ist katholisch – und erzählt von einem Telefonat mit seiner Mutter. Als Anfang des Jahres feststeht, dass er sich zur Wahl stellt, ruft er sie an. Sie fragt: „Junge, was machst du da?“ Bürgermeister im gut 200 Kilometer entfernten Bebra. Zu diesem Zeitpunkt noch mit dem Chef als Gegenkandidaten. Und überhaupt. „So viele Knoches waren noch nicht Bürgermeister“, erklärt der Kandidat die Beunruhigung der Sauerländerin.

Im Schatten des Trottenkreuzes: "Ich bin mit zwei älteren Schwestern groß geworden, also wollte ich als Kind Pastor werden".

Der Gedanke, zu kandidieren ist für Knoche nicht neu, er hatte ihn vor sechs Jahren schon einmal. Doch damals waren noch zu viele Projekte unvollendet. Wie das Einkaufszentrum be!. Das hatte gerade geöffnet, „und mit der Öffnung war es für uns noch lange nicht vorbei.“ Das Vorzeigeprojekt der Innenstadtbelebung im boomenden Bebra ist ein Lieblingsthema von Stefan Knoche. In ihm steckt viel von seinem Herzblut – oder wie er sagt: Die Vision des verstorbenen Baumamtsleiters Manfred Klöpfel gemischt mit Knoche-Pragmatismus.

Gibt es die Bebraner, das eine Bebra überhaupt?

Es beginnt zu tröpfeln. Knoche rutscht auf den Steinen drei Meter nach rechts, unter das Blätterdach, und spricht über den Aschermittwoch im Jahr 2004. Er hat ein Vorstellungsgespräch für das neugegründete Stadtmarketing der Biberstadt, seine Frau Nina ist mitgereist, hochschwanger. Sein erster Eindruck von Bebra: „Die Eisenbahner hatten alle Fahrkarten, mit denen sie wegkonnten. Und wenn sie zurückkamen, sagten sie: Woanders ist es schöner.“

Am Karfreitag läuft das Paar eine Runde um den Bebraer Anger, die Begeisterung hält sich – vorsichtig ausgedrückt – in Grenzen. Eineinhalb Monate später kommt Sohn Max zur Welt. Die Knoches werden heimisch. „Mittlerweile sind die Bebraner wieder stolz auf ihre Stadt“, sagt der 47-Jährige. Er zählt sich und seine Familie dazu. 

Aber gibt es das überhaupt: die Bebraner? Das eine Bebra? „Die Solzer, die Weiteröder, alle haben sie ihren Heimatstolz. Das ist auch gut so“, sagt Knoche. Als Stadtentwickler ist vor allem die Kernstadt seine Aufgabe. So steht es im Vertrag. Als Rathauschef will er auch für die Ortsteile Ansprechpartner sein.

Bei der Kirmes an der Kasse und das Wohl der Klofrau im Blick

Der Himmel sieht unfreundlich aus, also packt Knoche die Fahrräder in den blauen Camper, mit dem er auf seiner Wahlwerbetour quer durch Bebra unterwegs war – vom kleinen Rautenhausen bis zum großen Weiterode. „Ich werde als Bürgermeister kein Politiker sein – ein gewählter erster Arbeiter der Stadt vielleicht.“

Das kommt von dem Mann, der bei der Kirmes an der Kasse sitzt. Und der Sätze sagt wie: „Für mich ist die wichtigste Frau auf der Kirmes die Klofrau: Wenn es der gut geht, ist alles gut.“ In einer Partei war der 47-Jährige nie – „höchstens in der KPD, der Knoche-Partei Deutschlands“ – mit den ehrenamtlichen Politikern aber gern zusammenarbeiten.

Über Gilfershausen geht es zurück in die Kernstadt. Mit einem Camper, der mit Rückenwind 140 Stundenkilometer schafft, aber dann „anfängt zu schwanken“. Im Schatten von Knoche war der Wind fast weniger spürbar. Bebra wählt am Sonntag. Amtsinhaber Uwe Hassl passt aus gesundheitlichen Gründen, einen Gegenkandidaten hat Stefan Knoche nicht. Die Bebraner müssen entscheiden: Ist der 47-Jährige der Mann für den Knoche(n)job?

Zur Person

Stefan Knoche (47) ist in Wennigloh im Sauerland geboren und aufgewachsen. Nach dem Abitur 1992 leistete er seinen Wehrdienst, anschließend studierte er in Münster Geografie mit den Nebenfächern Öffentliches Recht und Soziologie. Der Diplom-Geograf war ab 2004 in Bebra zunächst in der Stabsstelle Stadtmarketing unter Horst Groß tätig. Im Februar 2008 kehrte er vorübergehend ins Sauerland zurück und arbeitete in Soest bei der Gesellschaft für Wirtschaftsförderung, einer städtischen Tochterfirma. 

Anfang 2010 übernahm er die Geschäftsführung der Stadtentwicklung Bebra. Seit 2003 ist Stefan Knoche mit seiner Frau Nina verheiratet, die an der Grundschule in Bebra unterrichtet. Das Paar hat zwei Söhne.

Quelle: HNA

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