Ein Euro für 6000 Bücher

Schul- und Stadtbücherei Bebra wirbt um erwachsene Leser

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Ist die Zeit der Büchereien vorbei? „Viele haben ihren Kindle, ich habe lieber ein Buch in der Hand“, sagt Fabienne Botella (rechts). Gemeinsam mit Leserin Ingeborg Buchardt (von links), Bibliothekarin Regina Krause und dem zehnjährigen Lionel Fernandez wünscht sich die Leiterin mehr Besucher in der Bücherei in Bebra. Im Gebäude an der Luisenstraße (rechtes Foto) gibt es für einen Euro Zugriff auf über 6000 Bücher. 

Die Schul- und Stadtbücherei in Bebra wünscht sich mehr erwachsene Kunden. Dafür wurde finanziell aufgestockt, um den Bücherbestand zu erweitern. 

Alle vier Wochen kommt Ingeborg Buchardt in die Schul- und Stadtbücherei Bebra, im Gepäck ihren Einkaufstrolli, und beginnt zu stöbern. Sie geht die Regale ab, liest Klappentexte, schaut, was sie interessiert. Am Ende verlässt die 69-jährige Bebranerin das Gebäude an der Luisenstraße mit einem Büchervorrat für etwa einen Monat. Besucher wie Ingeborg Buchardt sind selten geworden – die Bücherei wirbt daher um mehr Leser.

„Ich glaube, viele Erwachsene haben uns nicht richtig auf dem Schirm“, sagt Lehrerin Fabienne Botella, die vor einem Jahr die Organisation der Bücherei neben Bibliothekarin Regina Krause übernommen hat. Auch deshalb wurden jetzt Flyer gedruckt, die auf die Ausleihe aufmerksam machen sollen, die mit dem Verkauf der Räumlichkeiten im Alten Rathaus an die Brüder-Grimm-Schule gezogen ist. Erst im Dezember hat das Bebraer Parlament das Budget der Bücherei um 2000 Euro aufgestockt – und damit verdreifacht. So soll der Bücherbestand attraktiver gemacht werden.

Derzeit können in Bebra 6169 Medien ausgeliehen werden: Neben Büchern und Comics gibt es auch interaktiven Lesestoff und Hörbücher. Gefragt seien vor allem Krimis, Familiengeschichten und alles, was auf Bestsellerlisten auftaucht, sagt Regina Krause. In diesem Bereich soll aufgestockt werden. „Wir sind auch immer offen für die Wünsche von Lesern.“ Zudem hofft die Bibliotheksleitung darauf, bald zumindest in den Sommerferien öffnen zu können. „In unserem Umfeld gibt es viele Familien, die nicht in den Urlaub fahren können“, sagt Krause über die Bücherei im Göttinger Bogen. Ihnen wolle man ein Angebot machen können.

Für Ingeborg Buchardt klingt das nach einer guten Idee – für die Weihnachtsferien hatte sie sich mit fünf Büchern eingedeckt. „Aber man weiß vor dem Lesen nie, ob man was Vernünftiges gefunden hat“, sagt die 69-Jährige. Und bei geschlossener Bücherei fällt das Aufstocken des Lesefutter-Vorrats schwer, sollte ihr der Schreibstil des Autors beim Anlesen daheim nicht passen. Buchardt liest vor allem Krimis: „Nicht wegen der Leichen, sondern um zu sehen, wie der Fall gelöst wird.“ Ihr Lieblingsbuch ist allerdings „Der Graf von Monte Christo“ – der „große Rächer“, wie sie ihn nennt.

Doch selbst Ingeborg Buchardt hat nicht so viele Kerben auf ihrem Leseausweis wie der zehnjährige Lionel Fernandez. „Ich finde immer was“, sagt der Viertklässler der Brüder-Grimm-Schule, der im vergangenen Jahr 170 Bücher ausgeliehen hat. Doch auch wenn Lionel eine Leseratte ist: Auf diese Zahl kommt er trotzdem nicht ganz allein. Bei ihm ist der Büchereiausweis eine Familienkarte: Auch Mama, Papa und die Schwester leihen Bücher aus. Sein Favorit übrigens: die Comic-Romanreihe „Gregs Tagebuch“.

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